Als Nachtwächter früherer Zeiten in der Kleinstadt Solothurn, als Frau von Adel, als Magd aus dem 18. Jahrhundert und in vielen weiteren zeitgerechten Kostümen aus der Vergangenheit nimmt Marie-Christine Egger ihre Besucher mit auf eine Zeitreise. Wer in der Schule oder später nur beiläufig eine Vorliebe für Geschichte entwickelte, dem eröffnet sich durch ihre anschaulich auf mehr als 30 Themen fokussierten Führungen die Stadt ganz plötzlich als Schatzkiste mit vielen Kostbarkeiten.

Egger hält keine trockenen Vorlesungen, sondern lässt ihre Gäste gemäss ihrem Leitsatz «mit allen Sinnen Solothurn erleben». Da tauchen plötzlich «Geister, Gespenster und Wiedergänger» auf, Hexen lassen die «Walpurgisnacht» aufleben, und «Leben, Lieben, Leiden und Laster» waren immer schon ein menschlicher Antrieb. Marie-Christine Egger hat gerade ihr 30-jähriges Berufsjubiläum als Stadtführerin gefeiert.

Angeschlossen ist sie als inzwischen selbstständige Einzelanbieterin der Berufsorganisation Association Suisse des Guides Touristiques, in der sie seit sechs Jahren zudem als Ausbilderin tätig ist. Für ihre besondere Fähigkeit, historische Stoffe reizvoll aufzubereiten und damit die «schönste Barockstadt der Schweiz» in ihrem facettenreichen Leben über die Jahrhunderte zu spiegeln, erhält sich auch von offizieller Seite Anerkennung. «Gerade schwebe ich deshalb wie auf Wolken», freut sie sich über diese Anerkennung.

Damit werde sie ermuntert, weiterhin «immer eine Nase in ihrer Ideensuche voraus zu sein». Egger organisiert und gestaltet 300 unterschiedlichste Anlässe im Jahr, die gehäuft von Frühling bis Herbst stattfinden. Vor allem aber forscht sie in verschiedenartigsten Quellen, um ihrem Publikum möglichst authentische Figuren aus dem reichhaltigen städtischen Leben und eindrückliche Besonderheiten des Ortsgenius vorzustellen.

Sie selbst hat sich eine beachtliche Bibliothek aufgebaut, die ihr sozusagen als Rückgrat ihrer kaum bezüglich Aufwand quantifizierbaren Recherche dient. «Ich bin immer damit beschäftigt. Auch wenn ich mich im In- und Ausland an Kongressen mit der Berufskollegenschaft austausche», berichtet sie.

Über die Jahre habe sie sich in der Stadt vielfältige Partnerschaften im Zugang zu speziellen Liegenschaften, Museen und Restaurants aufbauen können, mit deren Besuch sie Führungen bedarfsweise auflockert und ergänzt. Eine ganz grosse Hilfe bei ihrer Verwandlung in historische Persönlichkeiten sei ihre Kostümschneiderin Christine Schönberger.

Touristisches Schwergewicht

Wohin wendet sich der Ortsfremde, wenn er mehr über die besuchte Stadt, ihre Historie, Kulturleben, Ausflüge und besondere Erlebnisse erfahren möchte? Am Kronenplatz präsent ist dafür das Büro von Region Solothurn Tourismus. Hier sind neun Mitarbeitende besorgt, Reisenden aus dem In- und Ausland bei allen Fragen zu Aufenthalt und «Solothurn-Feeling» behilflich zu sein.

Die gegenwärtig 83 (online 44) verschiedenen Führungen zu Zielen in der Stadt und in der Umgebung, die in insgesamt acht Sprachen angeboten werden können, organisiert Miranda Karau. Zur Durchführung stehen ihr 35 sprachgewandte und themenspezifisch gebildete Damen und 10 Herren zur Verfügung. In der Bilanz bedeutet dies, dass 2016 die stolze Zahl von 22 500 Personen an 1448 Führungen teilnahm.

Stadtführungen kennt man in Solothurn schon seit den Fünfzigerjahren, als Denkmalpfleger Gottlieb Loertscher dafür Grundsteine legte. Die Nachfrage sei ungebrochen, sagt die Verantwortliche.

Als beliebteste Themen für Touristen aus aller Welt, aber auch für Einheimische kennzeichnet sie den Altstadt-Rundgang, die Zahl 11, die Verenaschlucht/Einsiedelei, Informationen zu «Heilige, Hexen, Henker und Halunken» und die Expressführung Altstadt, die gern von Geschäftsreisenden und Beteiligten an Seminaren, Film- und Literaturtagen gebucht werde.

Die gesamte Planung richtet sich – wie bei Marie-Christine Egger – an Einzelgäste, Gruppen und alle Altersstufen, die in besonderen Bedürfnissen berücksichtigt werden. Aus der Mitte des Stadtführungs-Teams entstünden auch immer wieder neue Vorschläge zur Bearbeitung weiterer kulturhistorischer Schwerpunkte, von denen sich etliche als beliebte «Renner» entfalteten.

Ganz neu aufgenommen sei etwa der vergnügliche «Detektiv-Trail», der einlädt, sich von Detektiv Dachs mit Spuren, Wegbeschreibungen und Tipps zu verschiedenen Posten in der Stadt führen zu lassen und dort Rätsel zu lösen. Dafür winkt eine Belohnung.

«Geschätzt sind auch begleitete Touren zu Wasser mit dem Öufi-Boot oder zu Lande mit Trottinett, E-Bike oder dem neu mietbaren Cabriobus», erklärt laut Miranda Karau. Auch für hier Sesshafte lohnt sich ein Blick ins Tourismusbüro, das «Savoir vivre» – als Ausgehen, Aussuchen, Auskosten in Stadt und Umgebung – vielfältig anschaulich auch in Broschüren vorstellt. Als hier erhältliche Geschenke eignet sich so manches wie etwa der gleich betitelte Kurzfilm «Savoir vivre», der mitreissend Solothurner Lebensgefühl vermittelt.

Informationen: solothurn-stadtfuehrungen.ch; solothurn-city.ch