Solothurn
Eine Pianistin der Weltklasse und das Stadtorchester brillierten

Das Stadtorchester brillierte zum Saisonschluss gemeinsam mit Claire Huangci und unter der Leitung von Harald Siegel mit einem fulminanten Tschaikowsky-Abend – just bevor im kommenden Jahr dessen 175. Geburtstag gefeiert wird.

Silvia Rietz
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Ein Archivbild aus dem Stadtorchester Solothurn

Ein Archivbild aus dem Stadtorchester Solothurn

Isabel Mäder

Die 1990 in den USA geborene Claire Huangci kennt man weltweit als technisch versierte und hochmusikalische Tastenakrobatin. Die aufstrebende Pianistin ist auf dem Sprung zur ganz grossen Karriere. Sie ist mit Orchestern wie dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart (unter Roger Norrington), dem Sinfonieorchester Berlin, dem Münchner Kammerorchester und dem Mozarteum Orchester Salzburg aufgetreten – und nun auch mit dem Stadtorchester Solothurn. In der Region sorgte sie indessen bereits letztes Jahr mit dem Sinfonieorchester Biel Solothurn für Furore. Mit diesem wird sie am 1. Februar erneut zur Wiedereröffnung des Stadttheaters konzertieren.

Für das Konzert mit dem Solothurner Stadtorchester wählte sie Tschaikowsky; jedoch nicht das populäre erste Klavierkonzert, sondern das zu Unrecht in seinem Schatten stehende zweite Konzert für Klavier und Orchester, G-Dur op. 44. Claire Huangci liegt Tschaikowskys Musik, die sie mit expressivem Schwung, ausgefeilter Technik und Empathie, rasant und virtuos spielt – schlicht atemberaubend.

Makellose Technik

Tschaikowskys zweites Klavierkonzert ist ein opulentes, melodienreiches Werk mit anspruchsvollen Aufgaben, nicht nur für die Pianisten, sondern auch für das Orchester und seine Soloinstrumente. Ein Konzert, welches Konzertmeister George Jacobi und Cellistin Eva Wyss-Simmen forderte und mit reichen Solopassagen bedachte. Beide brillierten durchwegs und vorab im langsamen Satz, den Tschaikowsky wie ein «Tripelkonzert» für Klavier, Violine und Violoncello gestaltete. Dabei erwies sich Claire Huangci einmal mehr als rasante Virtuosin, der das Attribut von den «schnellsten Fingern der Welt» vorauseilt. Und sie blieb ihrem schon in jungen Jahren legendären Ruf wahrlich nichts schuldig. Neben allem Virtuosentum lotet sie auch die tiefe Emotionalität der Musik aus. Da wirkt nichts kalt oder steril. Im Gegenteil fasziniert, wie sicher sie die aberwitzigen Tempo-, Stil- und dynamischen Wechsel des Klavierparts bewältigt und übergangslos von zerbrechlich zarten Gefilden in wildeste Klangkaskaden (3. Satz) umschalten kann. Verdient wurde sie dafür mit stehenden Ovationen bedankt.

Mit Siegel am ersten Pult

Begeisterten Applaus erntete auch George Jacobi und das Stadtorchester für die «Schwanensee»-Suite, welche die beliebtesten Stücke aus dem gleichnamigen Ballett variiert. Das Stadtorchester folgte den Intentionen von Harald Siegel mit spürbarer Spielfreude und Präzision.

Mit dem Tschaikowsky-Abend verbanden sich herrliche Melodien, Donner-Oktaven und heftige Akkorde zu einem vitalen und mitreissenden Konzerterlebnis. Maestro Siegel wird das Stadtorchester in der kommenden Spielzeit abwechslungsweise mit Christian Holenstein leiten und stellvertretend für George Vlaiculescu am ersten Pult stehen. Vlaiculescu leitet das Stadtorchester seit 1988 und gönnt sich im kommenden Jahr eine Pause.

«Freundeskreis Stadtorchester»

Das von Marie-Louise Kissling ebenfalls seit 1988 präsidierte Stadtorchester wartet 2015 mit dem Angebot «Freundeskreis Stadtorchester Solothurn» mit einer weiteren Neuerung auf. Am 11. Januar startet das mit Profimusikern und engagierten Laien bestückte Stadtorchester mit der Neujahrs-Matinee in die neue Konzertsaison.

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