Schulhaus Kollegium
Eine Perle, die nicht mehr glänzt – etliche Solothurner Schulgebäude benötigen Sanierung

Das Schulhaus Kollegium ist nur eines der etlichen Schulgebäude der Stadt, das auf die Sanierung wartet.

Wolfgang Wagmann
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Auch an der klassizistischen Ostfassade des Schulhauses Kollegium nagt der Zahn der Zeit.

Auch an der klassizistischen Ostfassade des Schulhauses Kollegium nagt der Zahn der Zeit.

Wolfgang Wagmann

Auch es gehört zu den verschobenen Geschäften der letzten Gemeinderatssitzung: das Schulhaus Kollegium in der Altstadt. Es soll wieder zur Baustelle werden, nachdem 2017 bereits für 1,4Mio. Franken dessen Rollstuhlgängigkeit durchgezogen worden war. Nun wird am 18.Juni der Gemeinderat über einen Nachtragskredit von 2,3 Mio. Franken zu befinden haben. Das Projekt mit einer Kostenfolge von 2,4Mio. Franken sieht eine umfassende Sanierung des Daches und der Fassaden vor.

Das Stadtbauamt begründet das Sanierungsprojekt wie folgt: «Das Erscheinungsbild des historisch wertvollen Gebäudes ist durch die vorhandenen Mängel unvorteilhaft und keine Visitenkarte für die Stadt Solothurn. Die Schäden der verputzten Fassaden, Fenstergewände, der Spengler- und Holzarbeiten gehen durch eindringendes Wasser und durch das Alter der Materialien immer weiter und führen zu einem stetigen Materialabbau durch Abplatzungen.» Zudem gehe durch die fehlende Dämmung des Dachbodens und der Dachkonstruktion während der Heizperiode viel Wärmeenergie verloren, so das Amt.

Bis im Herbst 2021 wird es dauern

Das Projekt beinhaltet die Sanierung sämtlicher Fassaden ohne den Ersatz der Fenster, wobei über die Farbgebung und die Storen noch die Altstadtkommission zu befinden hat. Geplant ist auch die wärmetechnische Sanierung des Daches, wobei das gesamte Schulhaus eingerüstet werden muss. Der Schulbetrieb soll während der ganzen Bauphase, die vom Frühling bis in den Herbst 2021 geplant ist, aufrechterhalten werden. Allerdings muss ein Teil des Pausenplatzes im Kollegiumshof – jeweils beliebter Treffpunkt auch am Märetfescht – für die Baustelleninstallation abgesperrt werden. Ebenfalls bewohnt bleibt die vermietete Wohnung im Dachgeschoss, doch sollen die lärmintensivsten Arbeiten in den Schulferien erfolgen. Das Stadtbauamt sieht das Projekt als zwingend an, nur so könne der Zerfall der verschiedenen Bauteile gestoppt «und dem Gebäude ein seinem historischen Hintergrund entsprechendes Erscheinungsbild wiedergegeben werden».

Es gehört seit mehr als 350 Jahren zum Stadtbild

1646 wurde das heutige Schulhaus den Jesuiten als Wohnhaus zur Verfügung gestellt. Zwischen 1678 und 1702 wurde das Gebäude erweitert und zur Dreiflügelanlage umgebaut. Bis 1773 wurde das Haus als Jesuitenkollegium genutzt, bevor es dann ab 1833 als Kantonsschule diente. Zu diesem Zeitpunkt veränderte man den Grundriss und baute 20 Schulzimmer ein. 1882 wurde die Fassade nach klassizistischer Manier umgestaltet und das Gebäude als städtisches Schulhaus genutzt. Die letzte Fassadensanierung erfolgte vor 36Jahren. Heute sind im Schulhaus Kollegium fünf Schulklassen der Sekundarschule untergebracht – Ideen für eine Umnutzung oder gar Veräusserung der Immobilie wurden nie konkretisiert.

Nachholbedarf: Wo überall schulische Baustellen warten

Allein der Finanzplan 2021–24, der im August behandelt wird, listet neben dem Schulhaus Kollegium acht weitere Schulhäuser und Kindergärten auf, die auf substanzielle Investitionen warten. So sind bei 5 Mio. Vorfinanzierungen im Brühl eine neue Tagesschule und ein neuer Kindergarten für 7,5 Mio. Franken geplant. Das Projekt ist an sich abgesegnet, doch eine Einsprache blockiert derzeit die Realisierung. Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt: «Nicht nur, dass damit der Neubau des Doppelkindergartens und Tagesschule Brühl betroffen ist, sondern auch die Sanierung der Schulanlage Wildbach. Die Schulanlage Wildbach mussten wir um ein Jahr nach hinten schieben, da die Klassen dort während der Gesamtsanierung in den Neubau Bereich Tagesschule ausgewichen wären. Damit kann auf Provisorien verzichtet werden.» Der Finanzbedarf für die bis 2023 anberaumte Wildbach-Sanierung wird mit 9,8 Mio. Franken veranschlagt, wovon 4,5 Mio. vorfinanziert sind.

Bedarf auch im Fegetz, Hermesbühl und in der Vorstadt

Zwischen 2023 und 2025 steht die Gesamtsanierung der Schulanlage Fegetz an. Die Grobkostenschätzung geht von 14,5 Mio. Franken aus. Auch da bestehen allerdings Vorfinanzierungen über 7 Mio. Franken. Schon viel weiter gediehen ist die Planung für das Schulhaus Vorstadt, wo die Tagesschule neu integriert wird und zusätzlich ein Dreifachkindergarten mit der Gesamtsanierung realisiert werden soll. Das Projekt für 16,1 Mio. Franken wurde zuletzt vom Gemeinderat genehmigt, und es ist ebenfalls mit einer komfortablen Vorfinanzierung von 10 Mio. Franken ausgestattet.

2021/22 sollen im Schulhaus Hermesbühl über Liftanlagen sämtliche Geschosse für 1,4 Mio. Franken behindertengerecht erschlossen werden. Weiter ist im nächsten Jahr eine Innensanierung der Aula für über eine Million Franken vorgesehen. Erst ab 2023 bis 2026 soll ebenfalls im «Hemmli» der Einbau einer Bibliothek, begleitet von einer Gebäudehüllensanierung erfolgen. Der Finanzbedarf wird auf 7,8 Mio. Franken geschätzt. Dazu kommen einige kleinere Posten: Für den Kindergarten Heidiweg müssen rund 700'000 Franken zur Realisierung eines neuen Kindergartens und die Sanierung des bestehenden in den Jahren 2023/24 aufgebracht werden. Bereits 750'000 Franken sind für den geplanten Doppelkindergarten im Weitblick auf dem Finanzplan ersichtlich. Erst 50'000 Franken enthält der Plan für die Sanierung und Erweiterung des Kindergartens Wildbach, da noch kein Projekt existiert.

Würde der Finanzplan so bewilligt, müsste Solothurn in den nächsten vier Jahren rund 51 Mio. Franken für Schulprojekte einsetzen. Vorfinanziert sind insgesamt 28 Mio. Franken. (ww)