«Wie ändert sich der Alltag in einer 2000-Watt-Gesellschaft? Und wie lässt sich dieses Vorhaben mit Wirtschaft und Wohlstand in Einklang bringen?» Diese Fragen standen im Zentrum des Podiums «Wie reich ist die 2000-Watt-Gesellschaft?», das am Mittwoch rund 70 Interessierte ins Röschtizelt lockte. Unter der Moderation von Pia Stebler, Geschäftsleiterin Energie-Allianz, referierten und diskutierten Exponenten aus Wissenschaft und Wirtschaft.

Um zwei Drittel «abmagern»

Wie es Roland Stulz, Geschäftsführer von Novatlantis, ausdrückte, befinde sich «die Erde im Schwitzkasten». Novatlantis beschäftigt sich mit Nachhaltigkeit im ETH-Bereich, insbesondere aber mit der 2000-Watt-Thematik. So präsentierte Stulz bedenkliche Zahlen des Klimawandels: Ohne Interventionen steige die Temperatur bis ins Jahr 2100 voraussichtlich um rund sieben Grad Celsius, mit entsprechenden Massnahmen idealerweise um «nur» zwei Grad. An Herrn und Frau Schweizer geht dabei der Appell: zwei Drittel weniger Energie verbrauchen – in den Bereichen Mobilität, Wohnen, Nahrung, Konsum und Infrastruktur. So liegt der Verbrauch in Indien bei 1000, in China bei 1500, in Westeuropa bei 6000 und in den USA bei 12000 Watt.

2000 Watt versus Wachstum

«Es hat auch etwas mit Fairness in Sachen Energieverbrauch zu tun», knüpfte Roger Ramer vom Zentrum für Wirtschaftsforschung an der ETH an. In seinem Referat rückte er die Frage ins Zentrum, welche Auswirkungen der 2000-Watt-Weg auf die Wirtschaftsentwicklung haben könnte. Gemäss seinen Ausführungen geht es darum, das Wirtschaftswachstum vom steigenden Energieverbrauch zu entkoppeln. Dies gelinge dadurch, die heutigen Energieträger durch andere zu ersetzen. Dafür wiederum brauche es Investitionen in Forschung und Entwicklung. So sei gemäss einer Analyse Wachstum auch möglich, ohne das 2000-Watt-Ideal aus den Augen zu verlieren. Fazit: Mit geeigneten nachhaltigen Innovationen lässt sich auch der Lebensstandard erhalten. «Vielleicht auf kleinerem Wohnraum als heute», warf Stulz ein und ergänzte schmunzelnd: «Dafür gibt es dann aber auch weniger zu putzen.»

Unternehmer mit grünem Daumen

Im Anschluss an die Referate erzählten drei Unternehmer aus der Praxis ihrer ökologischen Bemühungen. So betreibt Daniel Lehmann mit Genos Energie in Lohn-Ammannsegg ein Energiebüro. Mit Fingerzeig auf den Minergie-Standard erzählte er aus der Praxis: «Werde ich gefragt, welches die beste Heizung sei, so antworte ich: ‹Die, die man nicht braucht›.» Markus Schedler ist Mitglied der Geschäftsleitung von Dynasoft in Solothurn, die sich mit Informatiklösungen befasst. Die Firma bezieht nebst anderen Massnahmen nur Strom aus erneuerbaren Energien: «Heute sind unsere Bestrebungen noch nicht rentabel. Wird aber bei Energieknappheit der Strom teurer, zahlen sie sich aus.»

Kurt Schär, Geschäftsführer von Flyer/Biketec aus Huttwil, schlägt in dieselbe Kerbe. Er verfügt über eine Photovoltaikanlage ebenso über einen Regenwasserspeicher: «Wie der Bauer, freue auch ich mich sowohl auf Regen als auf Sonne.» Weitblick scheint auch für Schär prägend: «Denn ich kann meine Ausgaben doch nicht auf Kosten des Sparbüchleins meiner Kinder drücken.»