Stadtbummel Solothurn
Eine nicht so bäumige Sicht der Dinge

Wolfgang Wagmann
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Impression vom «Chästag light».

Impression vom «Chästag light».

Hanspeter Bärtschi

In Solothurn findet sich für jeden Käse ein Plätzchen. Details folgen später. Immerhin – es gab gestern den «Chästag». Zwar ohne jegliche Lustbarkeiten, wie in diesen Zeiten der Askese üblich. Doch wenigstens konnten wir die «Käsbarkeiten» vor dem Gewerbeschulhaus «non filtrée» durch die Nase ziehen – ohne dabei irgendwie «listerisch» zu werden.

In der Vorstadt ist eine Attraktivierungswelle sondergleichen ausgebrochen. Womit wir beim Plätzchen wären. Nämlich bei dem vor der BSG-Schiffländte neben der Krummturmschanze. Von welchem Fasnachtswagen ist wohl das Ding gefallen? Eine ungewohnt fröhliche Gruppe Zementfiguren schart sich im dortigen Rasenplätz um einen Muttiturm, geschaffen vom Zuchwiler Künstler und Coiffeur Simon Azar unter dem Titel «Selfie mit 11i» – als Hommage an das kläglich untergegangene 2000-Jahr-Fest der Stadt.

Mit «Zart» hat das Symposium unmaskierter Gestalten nichts zu tun. Ausdrucksstärker als das unsägliche Bronze-Kościuszköli neben dem Konzertsaal oder der klobige Bruder Klaus im Chantier ist es allemal. Doch ob das Selfie so stehen bleiben kann?

Denn weniger Freude hätte wohl die SP auf ihrem neusten Kreuzzug am kalkbrockigen Steingärtli zu Füssen der Figurengruppe. Die «Rot(h)en» möchten ja auch den roten Platz vor der SoBa umgestalten. Für die 1.-Mai-Parade ist er untauglich. Bäume sollen also her. Dabei haben sich die Platzgestalter damals einiges gedacht. Und eine eben nicht bäumige, freie Sichtachse auf die ganze Altstadtfront beidseits des Bieltors offengelassen.

Eine Achse, deren Sicht man auch am superprovisorischen «Potzplatz» Rechnung trägt: Drei neue Sitzbänkli im Süden drehen dem Platz den verlängerten Rücken zu und erlauben die freie Aaresicht aufs Alte Spital. So verpasst man die bösen Sünderlein, die hinterrücks im Auto verbotenerweise den Platz queren. Zugegeben, ist mir auch einmal passiert. Ich hatte ein sooo schlechtes Gewissen! Wie ein Velofahrer, der rasant den Märetplatz-Brunnen von der falschen Seite her passiert. Also keins.

Wir kommen doch noch zur Maskenpflicht. Diese gilt aus kaum nachvollziehbaren Gründen nicht in der SoBa, Regiobank und Co. sowie den immer noch luxuriös vorhandenen drei Solothurner Poststellen. Doch wir haben den möglichen Grund dafür herausgefunden. Eine neue Form von Überfällen. Räuber: «Geld her – oder ich zieh die Maske runter!»

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