Die Akte CIS beschäftigt Solothurn seit langem und steht stellvertretend für die Gretchenfrage, wie es um die Sportinfrastruktur der Stadt bestellt ist. Jetzt kommt Bewegung in den stagnierenden Fall des maroden Sportzentrums. Anfang Woche wurde die Interessengemeinschaft Sport Solothurn IGSSO ins Leben gerufen. Ziel des Vereins: eine nachhaltige Infrastrukturlösung zu finden.

Einerseits will sich die IGSSO für eine möglicherweise drohende Zwangsversteigerung als Abnehmerin des CIS-Sportzentrums in Position bringen und dieses dann primär auf den Tennissport ummünzen. Andererseits soll möglichst in näherer Umgebung des CIS eine neue Ballsporthalle entstehen, die die IG selbst initiiert, plant, baut und betreibt. Und eine, die im Gegensatz zum heutigen CIS-Sportzentrum den gängigen Sicherheitsstandards und Bedürfnissen der Sportvereine genügt.

Ausgangspunkt war eine durch den wirtschaftlichen Förderverein «Sovision espaceSolothurn» vor anderthalb Jahren angestossene Umfrage bei den hiesigen Sportvereinen. Wenig überraschendes Fazit: Die Verhältnisse im CIS seien nicht zufriedenstellend. Und: Für den heutigen Bedarf seien weitere Hallenkapazitäten nötig.

Simon Michel mit an Bord

Neben Sovision, die die Vereinsgründung initiiert hat, wird die IG gebildet durch Vertreter des Badminton Club Ambass Drops, der Basketballclub Solothurn, den FC Solothurn, den Tennisclub Solothurn, den Tennisclub Schützenmatt, den TV Solothurn Handball und Volley Solothurn. Als auswärtiger Mitstreiter gesellt sich der SV Wiler-Ersigen der Gruppe hinzu, der seinerseits ebenfalls Ausschau nach einer grösseren Halle hält.

Als IGSSO-Präsident amtet FDP-Kantonsrat und Ypsomed-CEO Simon Michel. Selbst in keinem Sportverein tätig, ist seine Motivation, beim neuen Verein mitzuwirken, die folgende: «Mir fällt auf, dass im Vergleich zu anderen Städten ähnlicher Grösse das Sportinfrastrukturangebot in Solothurn dürftig ist.» So sei auch ihm die Diskussion ums CIS und fehlende Sporthallen nicht entgangen. «Und die Idee, Kräfte und Interessen zu bündeln, hat mir von Anfang an gefallen.»

Insbesondere wenn es um die Finanzierung geht, wird dies vorrangig sein. Für den Weiterbetrieb des CIS rechnet Michel je nach Ausführungsstandard mit einem Sanierungsbedarf zwischen zwei und fünf Mio. Franken. «Fakt ist, dass die Infrastruktur im heutigen Zustand nicht mehr nachhaltig betrieben werden kann.» Zudem weiss Michel, dass die aktuellen Preisvorstellungen des Sportzentrums für einen Verkauf «völlig unrealistisch» seien. Für den polysportiven Neubau – die Bedarfsanalyse hält drei Dreifachturnhallen für sinnvoll – rechnet Michel mit einem «niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.»

Für die Finanzierung ist die IGSSO mit einigen Geldgebern im Gespräch. «Auch wollen wir versuchen, vom kantonalen Lotterie- und Sportfonds zu profitieren, um die Hypothekarlast niedrig zu halten. Auch Sponsorings schweben der IGSSO vor. «Wir konzipieren den Businessplan aber unabhängig von solchen.» Unter dem Strich ist für Michel klar: «Der Businessplan für den Bau und Betrieb einer neuen Infrastruktur muss aufgehen. Tut er das, sollten wir nichts unversucht lassen, die Idee umzusetzen. Tut er das nicht, sollten wir sie wieder beerdigen.»

In der Standortfrage ist der «Weitblick» aufgrund der Nähe zum CIS eine Option. «Wir schauen uns mehrere Baufelder an. Nun geht es darum, den Platz in den nächsten sechs Monaten zu sichern.»

Vorbehalte seitens Kurt Fluri

Bewusst wurden die Stadt als Eigentümerin und Baurechtgeberin der CIS-Liegenschaft, aber auch der Kanton nicht involviert, «da wir primär eine private Initiative von Sportvereinen sind», sagt Michel. Nichtsdestotrotz wünscht er sich, auch das vom Kanton organisierte Lehrlingsturnen der Berufsschüler an Bord zu bekommen. Informelle Gespräche fanden zudem mit den Organisatoren der im CIS angesiedelten Eigenheimmesse statt.

Offen für Gespräche zeigt sich Stadtpräsident Kurt Fluri. Gleichzeitig hegt er aber grundsätzliche Vorbehalte gegen lokal organisierte Sportinfrastruktur-Projekte: «Wer Sportanlagen aufbaut, muss heute regional denken. Keine Stadt hat den Platz, um die Bedürfnisse aller Sportarten abzudecken.»

Damit verweist Fluri auch auf die Platzansprüche im Entwicklungsgebiet «Weitblick»: «Bei allem, was dorthin drängt, hat es bald kaum mehr Platz für Wohnungen.» Als Beispiel gelungener Regionalisierung sportlicher Angebote nennt er die geplante Traglufthalle im Sportzentrum Zuchwil. «Aber deren Signalwirkung ist offenbar noch nicht überall angekommen», schlussfolgert Fluri. Nichtsdestotrotz: «Ich kann mir durchaus eine Zusammenarbeit mit der IG vorstellen.» Derweil läuft bei der Regionalplanungsgruppe eine politisch angestossene Bedarfsabklärung, deren Ergebnisse noch offen sind.

Nichts Neues ist indes aus dem Sportzentrum selbst zu hören: Neben der nach wie vor sanierungsbedürftigen Infrastruktur kämpft die CIS Solothurn AG, die Baurechtsnehmerin der Liegenschaft, weiter mit finanziellen Problemen. Und: Die Muttergesellschaft Dinett Holding befindet sich laut letzten Kenntnissen immer noch im sistierten Konkursverfahren. Sistiert deshalb, weil gegen einzelne Verantwortliche Strafverfahren im Gange sind. Zudem befindet sich das CIS auf der Suche nach einem neuen Geschäftsführer.

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