Kammerorchester
Eine musikalische Institution jubiliert an allen Fronten

Als wichtiger und verlässlicher Solothurner Kulturbaustein kann das Solothurner Kammerorchester gleich mehrere Jubiläen feiern. Seit 75 Jahren gibt man Konzerte, seit 40 Jahren ist Urs Joseph Fluy der Dirigent.

Gundi Klemm
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Urs Joseph Flury ist die Seele des Kammerorchesters. ww

Urs Joseph Flury ist die Seele des Kammerorchesters. ww

Solothurner Zeitung

Seit 75 Jahren ist das Solothurner Kammerorchester (SKO) mit seinen jährlich vier Konzerten aus dem regionalen Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Seit 40 Jahren steht Urs Joseph Flury als Dirigent an der Spitze des semiprofessionellen Ensembles und hat seither das Publikum mit sorgsam zusammengestellten Musikaufführungen immer wieder begeistert. Dank seiner und der Initiative des Orchesterpräsidiums waren im Kreise des SKO international bekannte Künstler zu Gast. Zudem erhielt die Förderung regionaler Musikschaffender grosse Bedeutung ebenso wie die Pflege von Werken solothurnischer Komponisten. Über die 75-jährige Konzerttätigkeit und insbesondere über Darbietungen der vergangenen vier Jahrzehnte lässt eine vierteilige Jubiläums-CD-Box unvergessliche Erinnerungen wieder anklingen. Jeder Zuhörende wird mit Anerkennung feststellen, wie breit sich das musikalische SKO-Spektrum in Interpretationen von «Bach bis Bartók» darstellt.

Musikerfamilie Flury

Von 1919 bis 1949 leitete der bekannte Komponist Richard Flury, der Vater von Urs Joseph, das Solothurner Stadtorchester. Aus der Begleitung eines Privatchors von Dr. Erich Schild, damaliger Professor an der Kantonsschule, erwuchs Mitte der 30er-Jahre ein weiteres Musikensemble in der Stadt, das sich nach seiner Gründung 1936 Solothurner Kammerorchester nannte. Richard Flury soll über diese Zersplitterung der musikalischen Kräfte in Solothurn nicht allzu glücklich gewesen sein, was auch seinen Sohn später veranlasste, immer wieder Gemeinsamkeiten mit dem Stadtorchester anzustreben. Urs Joseph übernahm nach
35-jähriger Dirigententätigkeit von Erich Schild 1971 die Stabführung im SKO, nachdem er sich zuvor bereits in mehreren gemeinsamen Konzerten «bewährt» hatte. Als Musiklehrer an der Kantonsschule und als hervorragender Violinist gelang es ihm, junge Menschen für die SKO-Mitgliedschaft zu gewinnen. Seither zählt das Orchester zu den wichtigen und verlässlichen Solothurner Kulturbausteinen. Seine jährlich vier Konzerte sind geprägt von gefälliger Abwechslung im Programm, das die beteiligten Musikerinnen und Musiker im Heimstudium und den gemeinsamen Proben jeweils am Mittwochabend erarbeiten. Für instrumentale Sonderaufgaben schöpft Flury aus einem grossen Reservoir zugezogener Spezialisten, die neben den professionellen Stimmführerinnen und -führern sowie zahlreichen solistisch ausgebildeten Mitgliedern für die ausgewogene Klangfarbe und Spieltechnik im Orchester sorgen.

Ein Jubeljahr

Urs Joseph Flury ist viel zu bescheiden, auch seinen 70. Geburtstag zu erwähnen. Für ihn stehen die 75 Jahre SKO im Vordergrund, das er nun bereits bewundernswürdige 40 Jahre leitet und zu konzertanten Höhepunkten führte. Dieses Jubiläumsjahr wird deshalb statt der vier üblichen fünf Konzerte umfassen. Am 11. März eröffnet «Spitzenkönner» Hansheinz Schneeberger, Lehrer von Urs Joseph und wesentlicher Impulsgeber der schweizerischen Streicher-Szene, die Auftrittsfolge im Konzertsaal. Camille Saint-Saëns, Mozart und Schubert stehen auf dem Programm.

Reizvoll geht es am 27. Mai weiter, wenn die Händelsche «Feuerwerksmusik» und weitere Klassiker gemeinsam mit der «Harmonie» Biberist und dem Berner Solo-Hornisten Olivier Darbelley aufgeführt werden. Das dritte Konzert findet am 21. August, 13 Uhr, aus Anlass der 1.Solothurner Kindermusiktage statt. Die Darbietungen sind entsprechend gestaltet. Am 26. August ist das offizielle Geburtstagskonzert für Urs Joseph Flury vorgesehen. Geplant ist ein gemeinsamer Auftritt mit dem Sinfonieorchester Biel. Erklingen wird die 1. Sinfonie von Vater Richard und nebst sinfonischen Dichtungen die Uraufführung des Klavierkonzertes a-Moll als jüngstem Werk von Urs Joseph Flury. Das beliebte Adventskonzert, wie gewohnt in der Jesuitenkirche und diesmal am Sonntag, 27. 11., 16 Uhr, widmet sich gemeinsam mit dem ehemaligen Domorganisten Bruno Eberhard, der ebenso sieben Lebensjahrzehnte feiern kann, einer für den Klangraum Kirche ausgesuchten, vielfarbigen Werkzusammenstellung.