Stadtorchester

Eine hundertjährige Liebe zur Musik

In diesem Jahr feiert das Stadtorchester Solothurn mit rund 40 Mitgliedern ihr 100-Jahr Jubiläum. Am 8.Januar findet das Neujahrskonzert statt.

Inmitten des Ersten Weltkriegs, in den Februar 1917, fällt die Geburtsstunde des Stadtorchesters Solothurn. In jene Zeit also, da es umso wichtiger war, Sorgen und Ängste zu lindern oder zu vergessen– zum Beispiel durch Musik. Aus zwei bereits bestehenden Gruppierungen – dem «Orchesterverein Solothurn» und dem «Stadtorchester Solothurn» – entstand an einer gemeinsamen Generalversammlung das Orchester Solothurn. Bereits im Juli desselben Jahres feierte das Orchester seinen Einstand anlässlich eines Promenadenkonzerts, ein Jahr nach der Gründung folgte das erste Sinfoniekonzert.

Stets für das Repertoire und die Ausrichtung prägend waren die musikalischen Leiter der Formation, die erst 1956 den Namen «Stadtorchester Solothurn» erhielt. Unter den Dirigenten sticht vor allem eine Gestalt hervor: Richard Flury, dessen Todestag sich 2017 zum 50. Mal jährt, leitete die Geschicke des Orchesters seit 1919 – dies über 30 Jahre. Bereits im Alter von 23 prägte er so das Orchester als Komponist und Dirigent, führte die Formation aber auch über Erfolgsgipfel und durch Talsohlen.

Insbesondere was den Amateurcharakter des Orchesters angeht, hielt er sich mit seiner dezidierten Einstellung nicht hinter dem Berg. So ist in seinem Buch «Lebenserinnerungen» folgendes zu lesen: «Das Ziel eines Liebhaber-Orchesters besteht nicht darin, es den Berufsmusikern gleich zu tun, sondern Freunde guter Musik zu sammeln und in gemeinsamen Proben Meisterwerke der Kunst, die den vorhandenen Kräften einigermassen angemessen sind, kennenzulernen.»

Er betonte den Fleiss, verurteilte den Eigendünkel und verwehrte sich gegen den Ausdruck des «Dilettantenorchesters»: So schätzte er «die Liebe und Begeisterung, mit der gute und mittelmässige Kräfte in Hunderten von Proben ihren Mangel an Können ersetzten.»

Amateure und Profis im Einklang

Und Flurys Geist des Ehrgeizes wirkt bis heute nach, wie der aktuelle Vereinssekretär und Querflötist Hans Kummer beschreibt. Geprobt wird einmal pro Woche, jeweils rund drei Wochen vor den Konzerten stossen die professionellen Blasinstrumentalisten und die Stimmführer der Streicher hinzu, die die Formation unterstützen. Sie machen rund einen Drittel der Konzertbesetzung aus.

Das Zusammenarbeiten von Amateuren und Profis hat sich als «Win-Win-Situation» für beide erwiesen, erklärt Kummer. «Amateure sind froh, von Profis lernen zu können. Und die Profis kommen gern, weil es für sie ein Erlebnis ist, in einem freieren Rahmen und in oft ausverkauften Sälen zu konzertieren.»

Was die Zusammenarbeit mit Solisten angeht, so greift man häufig auf junge Talente zurück, denen der musikalische Durchbruch noch bevorstehen dürfte, die aber den grossen Meistern ausser in ihrer Berühmtheit nicht nachstehen. Dazu zählt Kummer aus vergangener Zeit mittlerweile namhafte Musikerinnen wie Marlies Walker, Evelyne Grandy (beide Klavier) oder Patricia Kopatchinskaja (Violine) auf.

In den Reihen des Orchesters finden sich Menschen mit humanistischem Hintergrund, die die Musik als Hobby lieben – Lehrer, Anwälte, Ärzte, Informatiker. «Aber das Orchester steht allen offen, die ihr Instrument genügend gut beherrschen», sagt Kummer. Es sind Amateurmusiker zwischen 19 und weit über 70, die das Stadtorchester bilden. Und Nachwuchsprobleme kennt man hier nicht. Ebenso wenig bröckelt es publikumsseitig, auch wenn der Altersschnitt dort etwas höher sein dürfte. «Die Zielgruppe besteht eher aus gesetzten Paaren», schätzt Kummer.

Erfolgsrezept des Orchesters

Dennoch: Mit einem stabilen Bestand von 350 Abonnements und stattlichen freien Eintrittsverkäufen an den vier jährlichen Abokonzerten bestreitet der Verein 60 Prozent seiner Ausgaben. Doch weshalb zeitigt das Stadtorchester einen derartigen Erfolg? «Das hat wohl unter anderem mit der Bevölkerungsstruktur zu tun. Wir sind eine Hauptstadt mit Verwaltungssitz.» Und so habe es hier für drei Formationen, dem Kammerorchester, dem Stadtorchester und darüber hinaus dem Sinfonie Orchester Biel Solothurn allemal Platz für drei Formationen dieser Art.

Fürs Jubiläumsjahr 2017 stellte der Verein unter dem Präsidium von Marie-Louise Kissling ein Sponsoring auf die Beine. Zwar wird die zweijährliche Auslandreise nicht stattfinden, dafür will man sich an einer vereinsinternen Soirée selbst etwas gönnen. Und dann wird das Stadtorchester Solothurn 2017 seine obligaten vier Abonnementskonzerte sowie ein Kinderkonzert zum Besten geben.

Anlässlich des ersten Konzerts zum neuen Jahr wird George Vlaiculescu, der bereits 2014 von Dirigent Harald Siegel abgelöst worden war, sein definitives Abschiedskonzert halten.

Neujahrskonzert 8. Januar, 10.30 Uhr und 16 Uhr, Grosser Konzertsaal. Vorverkauf: www.sos-tickets.ch

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