Das Karfreitagskonzert der Kantorei der reformierte Stadtkirche, das der 18-köpfig auftretende Chor unter der Leitung von Markus Cslovjecsek selbst als «hochemotionale Collage» bezeichnet, verbindet Kompositionen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert mit Werken der Neuzeit. Die Aufführungen am Palmsonntag im Ökumenischen Zentrum in Langendorf, im Gottesdienst und als Abendkonzert am Karfreitag in der reformierten Kirche Solothurn beeindruckten die Zuhörenden als Musik gegen Leid und Angst, waren sie doch einem aufrüttelnden Thema gewidmet. Denn alle spüren gegenwärtig, wie sehr unsere Welt aus den Angeln gehoben ist – durch Terror, Gewalt und breite Verunsicherung.

Keineswegs friedlich war aber auch die Epoche, in der Jesus Christus lebte, als das Römische Reich Palästina okkupiert hatte. Unter dem Konzerttitel «Zusammenspiel und Widerstreit» fand diese gedankliche Brücke statt mit der folgenden Fragestellung: Wie weit sind wir heute Lebenden als Gemeinschaft und als Einzelne bereit, uns auf Neues einzulassen und eine zunehmend heterogene Gesellschaft und Kultur zu akzeptieren?

Dreiteilige Demantius-Passion

Weit vor den grossen Komponisten Schütz und Bach schuf der Sachse Christoph Demantius (1567–1643) seine «Passion nach dem Evangelisten Johannes». In drei Teilen erzählt er das Geschehen vor Ostern in deutscher Sprache und musikalisch expressiv in der Textdeutung. Eingefügt und fast unmerklich im Übergang hatte die Kantorei das «Vater Unser» in arabischer Sprache. Sopranistin Kathrin Bardet trug diesen Teil gemeinsam mit untermalenden Männerstimmen in orientalischer Melodik vor. Eröffnet wurde das Konzert aber mit «Northern Lights», einer A-cappella-Komposition des 1978 geborenen Norwegers Ola Gjeilo. Wer das flammende Spiel der Nordlichter in Skandinavien schon einmal beobachten konnte, erlebte geradezu bildhaft die schwebend an- und abschwellenden Harmonien. Organist Urs Aeberhard knüpfte mit seiner Improvisation an diese Motive an.

Miserere von Allegri

Dieses Werk «Miserere mei, Deus» (Erbarme dich meiner, Gott) ist als Psalm 151 Teil der Karfreitagsliturgie in der Sixtinischen Kapelle. Gregorio Allegri (1582–1652) gehörte selbst zu den päpstlichen Sängern. Jedes Kantorei-Mitglied wurde in diesem neunstimmigen Werk fast zum Solisten, weil die Aufteilung einen entfernt und dann näher singenden zweiten Chor, einen gregorianisch klingenden Vorsänger mit mönchisch wirkendem Männerchor neben dem Hauptchor vorsah. Für alle Beteiligten stellte dieses Stück eine bravourös bewältigte Herausforderung dar.

Umrahmt waren diese drei Passionsteile jeweils von Kompositionen für Orgel solo von Samuel Scheidt (1587–1654) und einer thematisch angeglichenen Improvisation von Urs Aeberhard. Die Kreuzigungsszene verdeutlichte die in ihrer Staffelung wirkungsvolle Vokalmusik «Cruzifixus» des Komponisten Antonio Lotti (1667–1740). Mit «Soneto de la Noche» vertonte der dänischstämmige Amerikaner Morten Lauridsen (geboren 1943) eine berührende Poesie über den individuellen Tod, geschrieben vom Dichter Pablo Neruda. Zum Ende des konzertanten Teils erklang ein «Agnus Dei» gemeinsam vorgetragen von Chor und Orgel, das der amerikanische Komponist Samuel Barber (1910–1981) als vielfarbiges Tongemälde, aber in immer noch klassischer Anlehnung schuf. Zuvor war das anwesende Publikum – die Gemeinde – eingeladen zum gemeinsam gesungenen Choral «Christe, der du bist Tag und Licht».