Asyl

Eine Gruppe Solothurner hilft Asylsuchenden – nicht nur mit «likes»

Die wahrgenommene Hoffnungslosigkeit hat eine Welle der Solidarität ausgelöst – in Form eines Vereins.

Die wahrgenommene Hoffnungslosigkeit hat eine Welle der Solidarität ausgelöst – in Form eines Vereins.

Die neue Gruppierung «Solothurn hilft» will sich mit ehrenamtlichen Einsatz für Asylsuchende starkmachen.

Alles begann vor rund drei Wochen bei einem Fototermin auf dem Balmberg. Michel Lüthi war als freischaffender Fotograf dieser Zeitung im dortigen Asyl-Durchgangszentrum unterwegs. «Ich habe die Bilder geschossen, später angeschaut, darüber gebrütet.»

Kurzum: Die Problematik rund um die entwurzelten Menschen auf dem Balmberg hat den 40-Jährigen nicht losgelassen. Dort oben hat er Leute angetroffen, die nach anfänglicher Zurückhaltung von ihrer vergangenen und gegenwärtigen Situation erzählt haben.

«Sie haben Schlimmes erlebt, sind nach monatelanger Flucht hier angelangt und haben nichts, ausser einem wöchentlichen Busbillett in die Stadt. Mir ging es durch Mark und Bein, die traumatisierten Kinder und Erwachsenen zu treffen.» Die Situation erwies sich aus Sicht Lüthis als prekär: «Daran müssen wir was ändern», war ihm klar. Insbesondere auch, weil in der Abgeschiedenheit des Zentrums Integration nicht einfach zu bewerkstelligen sei.

«Gerade in der reichen Schweiz sollte mehr Engagement möglich sein», befand Lüthi. Bei einem zweiten, privat motivierten Besuch auf dem Balmberg wurde ihm durch geführte Gespräche klar, was sich die Asylsuchenden hauptsächlich wünschen: Deutschkurse, Kontakt mit der Bevölkerung, Integration. «Sie möchten hier ankommen, sich integrieren, arbeiten und nicht untätig bleiben.»

Verein mit viel Zuspruch

Mit einer Facebook-Gruppe «Solothurn hilft» hatte Lüthi schliesslich vor einer Woche den Start für eine ehrenamtliche Gruppierung eingeleitet, die der schwierigen Situation Abhilfe schaffen soll. Dann ging plötzlich alles sehr schnell. Seit Dienstag existiert «Solothurn hilft» nun auch ausserhalb der sozialen Medien: So wurde im «Pittaria» mit rund 35 einsatzwilligen Interessierten der gleichnamige Verein aus der Taufe gehoben – als Angelpunkt zwischen Bevölkerung und Asylsuchenden.

«Der Verein bezweckt kostenlose Hilfeleistungen für geflüchtete und asylsuchende Menschen», steht dazu in den druckfrischen Statuten. In mehreren Arbeitsgruppen soll diesen Dienstleistungen Rechnung getragen werden: Und so haben sich für die Ressorts Integration, Deutschunterricht und Spenden schon rasch einige Interessierte finden lassen.

Als Präsident amtet Lüthi selbst, als Vizepräsident Silvan Kofmehl, der in seinen früheren Schulferien oft auf dem Balmberg war. «Damals hat man bei der Asylunterkunft hinter dem Kurhaus immer über die ‹bösen Ausländer› geschimpft.»

Allerdings soll der Fokus des Vereins nicht nur auf den Balmberg beschränkt sein: Die Aktionen werden im ganzen Raum Solothurn stattfinden. Ebenso will der Verein mit Behörden und anderen Dienstleistern Kontakt aufnehmen, namentlich auch der Stadt und dem Kanton. Wünschbar wäre auch ein Raum, der für den Deutschunterricht zur Verfügung gestellt würde.

Die Organisation von Ausflügen, Kinderanlässen, Kochkursen, Spieltagen und Turnierbesuchen könnten ebenfalls zum Tätigkeitsbereich des Vereins hinzukommen. Ebenso die Mithilfe beim Suchen und Einrichten einer Wohnung.

Verein ist politisch neutral

Eins ist dem Verein allemal schon jetzt sicher: die personell breit gefächerte, ehrenamtliche Unterstützung. Die Facebook-Gruppe wuchs bis gestern Abend auf über 280 Mitglieder an. «So wie es ausschaut, will die Bevölkerung wirklich mithelfen – vom Jungspund bis zum Grosi.» Auch Politiker haben bereits ihre Unterstützung zugesichert.

Obwohl: Lüthi betont, dass der Verein sich konfessionell und politisch neutral positioniert. «Wir wollen in keine politische Ecke abrutschen», sagt dazu Silvan Kofmehl. Michel Lüthi ergänzt: «Unser Verein soll nicht politisch instrumentalisiert werden: Es geht allein um Hilfe.» Und so hofft Lüthi, mit dem Verein auch die öffentlichen Hilfestrukturen zu entlasten.

Da nun aber einige Aufgaben des Asylwesens im Kanton Solothurn an private Dienstleister ausgelagert sind, stellt sich die Frage nach einer möglichen Konkurrenzsituation: Tatsächlich ist die ORS Services AG im kantonalen Leistungsauftrag fürs Durchgangszentrums Balmberg zuständig. «Unser Bestreben wäre sicher, mit ORS zusammenzuarbeiten», sagt dazu Kofmehl.

Infos: www.facebook.com/solothurnhilft

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