Schaalgasse Solothurn
Eine Gasse mit bisher viel Leben droht zu veröden

Die Schaalgasse in Solothurn war bisher bekannt für ihren bunten Mix von Bars, Beizen, Handwerk und Spezialgeschäften. Zwar entsteht mit «Chocola» ein neues Café, aber bis Ende März verschwinden weitere Adressen.

Wolfgang Wagmann
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Schaalgasse Solothurn
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 Noch ist die Pferdemetzgerei. betrieben von Hans-Ulrich Wenger, geöffnet.
 Die Bar Heaven ist bereits seit mehr als einem halben Jahr geschlossen.
 Diese ganze Häuserzeile dürfte bald leer stehen.
 Am 23. Januar öffnet das neue Café Chocola.
 Boris Wiederkehr zügelt mit seinem "Casa" an die Schmiedengasse.
 Der leerstehende Ayurveda Shop Shivas Garden.
 Der Schmink- und Fasnachtsladen Kryolan geht Ende März zu.
 Der "Türk" ist diese Fasnacht kein Thema.
 Die Pferdemetzgerei ist eine beliebte Adresse an der Schaalgasse.
 Leere Coiffure-Stühle.

Schaalgasse Solothurn

Wolfgang Wagmann

«Ich bin besorgt.» Urs Jeger, Inhaber des bekannten «Cherzejegers» an der Ecke der Hauptgasse zur Schaalgasse, hat in den letzten Monaten wesentlich mehr Geschäftsschliessungen erlebt als Neueröffnungen. Zuletzt die «Grossen», Oviesse und das Kinderparadies Bohnenblust nebenan, und jetzt mehren sich die Zeichen, dass es unten in der Schaalgasse im gleichen Stil weitergeht.

Dabei war die breite Verbindung zwischen der Hauptgasse und dem Landhaus lange Zeit die Vorzeige-Meile für einen funktionierenden Branchen-Mix gewesen: Zwei Bars, ein Imbiss und ein Traditionsrestaurant, ein Goldschmied, Coiffeure, ein Schmink- und Fasnachtsladen, attraktive Spezialgeschäfte wie «Tausendschön» oder «Vom Fass», ein Nähmaschinen-Center, aber auch eine Kunstgalerie, und mittendrin Schuhmacher Antonio Sturzo, der sich seit bald 40 Jahren in der Gasse wohlfühlt, wie er betont. Und dann ganz unten in einer städtischen Liegenschaft die Rossmetzg. Wo Metzger Hans-Ulrich Wenger schon auf Ende 2017 mit 65 hätte in Pension gehen wollen. Jetzt führt er das Geschäft vorläufig noch weiter – an drei Nachmittagen und ganztags am Samstag. «50 zu 50 halt», wie er mit einem Lachen erklärt.

Lichtblick «Chocola»

Wohl für immer geschlossen bleibt die Bar Heaven und der angrenzende Ayurveda Shop Shivas Garden, nachdem Mitbesitzer Beni Steiner Ende Herbst verstorben war. Dafür regt sich bereits neues Leben im Haus an der Schaalgasse 7: Mit Hochdruck arbeiten Christine und Marc Frey auf die Eröffnung ihres Geschäfts «Chocola» am 23. Januar hin. «Es wird selbst gemachtes Süsses, frisch hergestellt, geben, dazu einige Tischchen, wo man einen Kaffee oder eine heisse Schoggi trinken kann. Dazu werden wir mittags auch einfache Gerichte wie Suppen anbieten», erzählt Christine Frey, die ab dem Frühling auch wieder ihren bisherigen Stand am Wochenmarkt bei der Einmündung der Goldgasse aufnehmen will.

Nicht nur leere Coiffure-Stühle

Noch immer prangt die Schrift «Haefeli Fasnachtsladen» über dem ehemaligen Coiffeursalon von Peter Haefeli. Doch Haare werden seit einigen Wochen dort nicht mehr geschnitten oder gepflegt. Pablo Acosta hat seinen Salon Ambiente in die Hauptgasse 32 verlegt, wo bis im letzten Februar die Boutique Caroll zu Hause gewesen war. Nun sucht Acosta eine Nachfolge, welche den Salon an der Schaalgasse mitsamt Inventar übernimmt.

Der «Türk» ist an der Fasnacht zu

Zunehmend besorgt sind etliche Solothurnerinnen und Solothurn um die Zukunft des Restaurants Türk. Und das zu Recht. «Nein, während der Fasnacht bleibt der ‹Türk› zu. Für eine Woche gebe ich das Lokal auch nicht her», meint Hausbesitzer Reto Büttiker-Mathys in Schaffhausen.

Damit wird die beliebte Schnitzelbank-Adresse nach der Schliessung vor rund neun Monaten weiterhin ein Geisterhaus an der Schaalgasse bleiben. Nicht dass Büttiker keine Interessenten hätte. «Es gibt einige, aber wir haben uns noch nicht entschieden.» Denn ein Ende wie damals im Vorjahr, das dürfe nicht mehr passieren, meint der Hausbesitzer zum unschönen Abgang des damaligen Pächters. Ausserdem müsse vor einer Wiederinbetriebnahme des «Türks» dort noch
einiges renoviert und umgebaut werden. (ww)

Doch schon zeichnet sich gleich nebenan in der anderen Haushälfte ein weiterer gravierender Abgang im selben Haus ab: Ende März will die Kryolan City GmbH ihr vor viereinhalb Jahren begonnenes Engagement in Solothurn abbrechen. «Wir haben einfach die Umsätze nicht erreicht und deshalb beschlossen, den Vertrag auslaufen zu lassen», erklärt Silvio Egger, Mitinhaber der Kryolan City GmbH die Make-ups, Schminkuntensilien aber auch viel Fasnachtszubehör anbietet. Auf die Fasnacht hin sei jedoch noch genug Ware im Laden vorhanden, «und es ist auch ein Abverkauf geplant».

Peter Haefeli ist «offen für alles»

Hausbesitzer Peter Haefeli, damals noch glücklich über den Nachfolge-Deal für sein altershalber aufgegebenes Geschäft, ist «frustriert». Es habe keine Anzeichen für die Schliessung von Kryolan City gegeben, «es wurde einfach ohne Ankündigung der Vertrag nicht mehr verlängert.»

Auch in Sachen Coiffeursalon habe er eigentlich bis Jahresanfang mit einem Nachmieter gerechnet, aber bis anhin nichts gehört. «Ich bin sehr unglücklich über die neue Situation.» Aber er sei «offen für alles» und habe einen landesweit agierenden Immobilienmakler mit der Neuvermietung der Geschäftslokalitäten betraut. «Es wäre sehr schade um die Schaalgasse, wenn hier nichts mehr passieren würde», so sein Tenor.

Und: «Wenn man es richtig macht, wäre die Fasnacht immer noch ein Geschäft», erinnert Peter Haefeli an jene Fasnachtszeiten, als die Leute bei ihm noch bis auf die Gasse hinaus zum Schminken angestanden waren.

«Casa» zieht an die Schmiedengasse

Noch nicht lange ist Boris Wiederkehr mit seinem Einrichtungsgeschäft Casa an der Schaalgasse angesiedelt. Bekannter war der Standort am Friedhofplatz, wo seine Mutter und er während 38 Jahren für ihre Geschäftsidee «Fashion and passion» gelebt hatten. «Ja, es ist schon sehr ruhig hier unten geworden, seit vis-à-vis das ‹Heaven› und der Ayurveda-Laden geschlossen sind.»

Und da weitere Schliessungen wie die von Kryolan City oder vielleicht auch einmal der Rossmetzg bevorstünden, habe er sich nach nicht einmal zwei Jahren nach einem neuen Standort mit besseren Frequenzen umgesehen. «Schon im Februar werde ich an die Schmiedengasse 22 umziehen, wo seinerzeit die Familie Brühweiler ihr Modehaus begründet hatte. Dort verfüge ich über einen schönen Gewölbekeller und einen Vorgarten gegen den Amtshausplatz.»

Am neuen Standort will Boris Wiederkehr auch sein 40-Jahr-Geschäftsjubiläum begehen, das an sich im Oktober fällig wird. «Aber feiern kann man das ganze Jahr», so der Inhaber von «Casa».