Perspektive
Eine Fussball-Halbzeit abzuwarten, war Zanetti doch zu lange

Roberto Zanetti ist nicht mehr bei der «Perspektive» Solothurn. Im Gespräch mit der az Solothurner Zeitung erklärt er nun erstmals, warum er den Bettel hinschmiss und was er als nächstes machen möchte.

Wolfgang Wagmann
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Roberto Zanetti scheute auch unkonventionelle «Perspektive»-Einsätze nicht – nun hat er die Rösti für die Gassenküche satt. Urs Lindt

Roberto Zanetti scheute auch unkonventionelle «Perspektive»-Einsätze nicht – nun hat er die Rösti für die Gassenküche satt. Urs Lindt

Solothurner Zeitung

Den Ausschlag gaben 45 Minuten. Solange sei er draussen gestanden, und habe auf die Akzeptanz seiner Vorschläge gewartet. Draussen: Roberto Zanetti, Geschäftsführer der «Perspektive Region Solothurn» – drinnen der Vorstand der Fachstelle für soziale Dienstleistungen.

Kein reduziertes Stellenpensum

Dabei ging es um den künftigen Status von Roberto Zanetti, der – im Oktober als Ständerat wiedergewählt – sich vermehrt auf die Politik konzentrieren wollte. Und deshalb vorgeschlagen hatte, sein Pensum von bisher 80 auf noch auf 30 bis 35 Stellenprozent zu reduzieren. Auch dass er damit finanziell den Vorstellungen der «Perspektive» entgegengekommen wäre, gehörte «zum fairen Vorschlag», den Zanetti auch aus der Sicht von Vereinspräsidentin Christine Bigolin gemacht hatte.

Und der zuvor in einem Ausschuss zusammen mit der Co-Geschäftsleiterin Karin Stoop sowie natürlich Zanetti erarbeitet worden war. Ein weiter Mosaikstein der Neuausrichtung: Stoop hätte ihr Pensum auf 80 Prozent aufgestockt und sich nur noch auf die Geschäftsleitung konzentriert. «Eine Minderheit des Vorstandes fand den Vorschlag gut, eine Mehrheit hat ihn noch weiter diskutiert.» Zu lange, wie Zanetti fand, und so kündete kurz darauf bei der «Perspektive».

«Habe nichts im Gusel»

Dass Roberto Zanetti das demütigende Warten draussen – er habe nach fünf Minuten mit der Zustimmung des Vorstandes gerechnet – als Misstrauensvotum auffasste, und deshalb die Demission einreichte, wird in «Perspektive»-Kreisen einerseits als doch etwas «mimosenhaft» empfunden, anderseits aber auch sehr bedauert. Für Christine Bigolin haben «Roberto Zanetti und Karin Stoop «die ‹Perpektive› sehr gut aufgestellt. Mit seinem Weggang gibt es jetzt ein Vakuum.»

Zanetti selbst legt Wert darauf, dass sein Schritt nicht quasi die «Spitze des Eisbergs» gewesen sei, und er bloss darauf gewartet habe, bei der erst besten Gelegenheit zu kündigen. «Ich suche keinen neuen Zusatzjob zum Ständerat und habe nichts im Gusel», meint er dazu klipp und klar. Er wolle aber auch nicht «märte» oder «händele» hat der SP-Ständerat offenbar Mühe, «nur als Kostenblock» wahrgenommen zu werden.

Vom Netzwerk Zanettis profitiert

Irgendwie wirkte Roberto Zanetti gestern selbst ein wenig enttäuscht, dass seine fünfeinhalbjährige Tätigkeit für die «Perspektive» auf diese Art und Weise endet. «Der Laden lief sehr gut», meinte er noch, und tatsächlich gabs unter seiner Ägide einige Erfolgserlebnisse: So konnte er zusammen mit seinem Team im Mai 2009 nach langem juristischen Hin- und Her die neue Gassenküche und Anlaufstelle im «Adler» in der Vorstadt eröffnen, ohne dass es zu den vorher in Anwohnerkreisen befürchteten «Risiken und Nebenwirkungen» gekommen wäre. Von Zanettis Netzwerk profitierte die Gassenküche aber auch jeweils beim Benefiz-Röstiessen an der HESO.

Nun muss die «Perspektive» seine Nachfolge regeln: Am Donnerstag, 15. Dezember, soll das geschehen, und die Zeichen stehen so, dass Karin Stoop Zanetti nun wohl alleine «beerben» wird,