Ausstellung
Eine Fiktion von Bäumen im Wald beim Frühling im Haus der Kunst

Im Haus der Kunst St. Josef in Solothurn zeigt der österreichische Künstler Alois Mosbacher neue Arbeiten. Unter dem Titel «Printemps» befasst er sich mit dem Thema Wald.

Eva Buhrfeind
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Alois Mosbachers Bäume stehen der Natur folgend aufeinandergesetzt und untereinander austauschbar wie im Wald schräg an der Wand.

Alois Mosbachers Bäume stehen der Natur folgend aufeinandergesetzt und untereinander austauschbar wie im Wald schräg an der Wand.

Hansjörg Sahli

Der erste Eindruck beim Eintreten in das Haus der Kunst ist beeindruckend: Bäume, Baumstämme nur, in dezenten Farben gemalt oder mit Grafit gezeichnet. Als zwei- oder dreiteilige Bilder, nicht immer der Natur folgend aufeinandergesetzt und untereinander austauschbar, stehen sie wie Säulen schräg an die Wand gelehnt. Einem Schiffsgerüst gleich assoziieren sie den ursprünglichen Ort, das Kirchenschiff, und spielen mit der Natur als dramaturgisch einfallsreiches Ereignis. Bis zu 5,4 Meter hoch sind diese Bildinstallationen aus zwei bis drei Einzelbildern, auf denen Alois Mosbacher das Thema Wald nach Skizzen oder Fotografien vielfältig ausarbeitet.

Ausstellung

Haus der Kunst, Solothurn. Bis 25. Mai. Geöffnet: Do-Fr, 17-20 Uhr, Sa-So, 13-17 Uhr.

Man erkennt die Baumarten, realistisch interpretiert, die unterschiedlichen Rinden, Sprünge, die Äste, Astgabelungen, Löcher, Verwachsungen, zarte Zweige, beinahe zum Greifen nah. Jeder Baum erscheint wie ein Wesen, sie erheben sich mächtig vor unterschiedlichen Hintergründen, mal waldähnlich, dann wieder in eine unbestimmbare Tiefe führend, bis zum abstrahierten oder stilisierten Hintergrund. Mystisch wie präsent zugleich entwickeln sich die Bäume zu Suchbildern, lassen Landschaftliches entdecken, geben malerische Rätsel auf; da scheinen die Baumstämme Augen zu haben, etwas zu leben oder man ahnt Figuratives. Über die verschiedenen Seh-Ebenen verführt der Künstler die Betrachter, den Wald als Fiktion einer malerischen Realität zu durchforsten, den Wald als Kulisse für nicht immer greifbares Geschehen zu verstehen.

Alois Mosbacher, 1954 in der Steiermark geboren und in Wien lebend, zeigt hier in Solothurn neue Arbeiten zum Thema Wald, die anschliessend nach Linz ins Lentos Kunstmuseum gehen. Wenn auch die Inhalte unter dem Titel «Printemps» und in ihrer naturalistischen Kahlheit kurz vor dem ersten Grün zu stehen scheinen, sie sind mehr als einfach nur Baumstämme ohne Krone, ohne Blattwerk, mehr als die Wirkung untereinander variierbarer Bildelemente. Die malerischen Momente spielen mit der Mystik des Sehens und Entdeckens. Was ist einfach nur gemalt oder gezeichnet, was ist Natur, was ist absichtsvoll und was Fantasie?

Diese Dominanz erhält im Chorraum eine fröhlich-seltsame Ergänzung. Viele kleine Vogelbilder, die Vögel des Waldes, «schwirren» wie zufällig über die Wände verstreut. Mit ihrem geplusterten Gefieder scheinen sie als realer, dennoch malerisch frei gestalteter Gegenpol zur Stille der Bäume zu agieren. Jedoch nur scheinbar, denn der Blick aus den kindlichen Knopfaugen ist befremdlich. Man sollte diese Wald- und Tierdarstellungen weniger als gefällig-freundliche Malerei betrachten, dazu sind sie letztendlich zu irritierend und vieldeutig. Alois Mosbacher, der sich seit den 1980er-Jahren mit dem Wald in variationsreichen szenischen Interpretationen auseinandersetzt, initiiert vielmehr einen Diskurs über die Rezeption der Malerei, der damit verbundenen Wahrnehmung und den Sichtweisen.

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