Künstlerhaus S11
Eine faszinierende Entdeckung: Tessiner Künstlerin stellt ihre Werke in Solothurn aus

Die Tessiner Künstlerin Laura Pellegrinelli stellt ihre Werke im Künstlerhaus S11 aus.

Helmuth Zipperlen
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Laura Pellegrinelli und Martin Rohde bei der Vernisssage im Künstlerhuas S11.

Laura Pellegrinelli und Martin Rohde bei der Vernisssage im Künstlerhuas S11.

zVg

Bedingt durch die Corona-Krise konnte das Alte Spital keine ausländische Künstlerpersönlichkeit in sein Atelier einladen. So fiel denn die Wahl auf die Tessinerin Laura Pellegrinelli, was sich nun als Glücksfall herausstellt. An der Vernissage im Künstlerhaus S 11 konnte eine Künstlerin entdeckt werden, welche mit leichter Hand Kunst mit tieferem Sinn gestaltet. Sie ist eine junge, unkomplizierte Frau, welche gerne mit Leuten kommuniziert. An Solothurn gefällt ihr die geografische Lage mit der Jurakette. «Ich liebe die Berge».

Ihre Naturverbundenheit schlägt sich in Ausstellungsgegenständen nieder. Im Parterre beispielsweise finden sich eine Reihe von Steinen, schön nach aufsteigender Grösse geordnet. «Solothurn könnte durchaus im nördlichen Italien sein», meinte sie auf die Frage, ob sie dem Solothurn nachgesagten südlichen Flair erkannt habe.

Sie selber musste in einem kleinen Dorf in der Emilia Romana eine zweimonatige Quarantäne durchleben und blieb als Einzige vom Virus verschont. Aus dieser Zeit stammen die im zweiten Stock ausgestellten Zeichnungen von in Flaschen eingeschlossenen filigranen Zeichnungen, «Ramifications» genannt, mit Formen, welche auch als Lungenflügel interpretiert werden könnten.

Die Künstlerin spielt auch mit Worten

Was mit leichter Hand auf den ersten Blick wie Bäume, Sträucher oder Verästelungen wirken, können beim intensiven Betrachten durchaus anders gedeutet werden. So könnte ein Astwerk im ersten Stock auch ein Vogel sein. Oder gleich beim Eingang auf schwarzem Hintergrund ein weiss gezeichneter Baum könnte auch ein Hirn sein. Auf einem Korpus befinden sich Würfel mit Buchstaben, was darauf hindeutet, dass Laura Pellegrinelli mit Wörtern spielt und sich inspirieren lässt, denn schliesslich nennt sich die Ausstellung «leave a word – hinterlasse ein Wort». Sie ist auch im Bereich von Theater und Tanz tätig und stellt sich in Schulen und Museen als Lehrerin und Mediatorin zur Verfügung.

In seiner Einführung kam Martin Rohde auf diese Vielseitigkeit zu sprechen. «Lauras Arbeiten fokussieren auf die Wiederherstellung der Verbindungen zwischen Menschen, Dingen, dem Körper, Sprache, Gefühlen und dem kognitiven Denken und wenn sie zum Teil in dieser Ausstellung etwas spontan und provisorisch daher kommen, so ist auch das den Umständen geschuldet. Vielleicht ist es die Zeit, um vom Perfektionismus und dem Glatten und Durchgestylten etwas wegzukommen und uns mehr auf Wesentliches und uns Eigenes, aber abhanden gekommenes zu konzentrieren.»

Der Künstlerin ist in Solothurn auch das Spontane der Leute aufgefallen. Sie hat auf dem Postplatz einen Workshop für Kinder durchgeführt, was sie in zwei Videos festgehalten hat. Diese sind Teil der Ausstellung und das darauf festgehaltene Kinderlachen begleitete die Einführung von Martin Rohde. «Und bei deren Lachen lässt sich die Welt trotz ihrer Bedrohungen auch schon wieder ganz anders wahrnehmen.»

Hinweis:
Die Ausstellung dauert bis zum 25. Oktober. Am Sonntag 18. Oktober um 15 Uhr gibt es einen Rundgang durch die Ausstellung und eine Performance der Künstlerin.