Närrische Abdankung

Eine Fasnacht beendet, wie sie Honolulu noch nie gesehen hat

Die Narrenzunft Honolulu umkreist vor der närrischen Abdankung den verschonten Böögg.

Die Narrenzunft Honolulu umkreist vor der närrischen Abdankung den verschonten Böögg.

Eine zurückgezogene Fasnachtszeitung und ein Böögg, der nie gebrannt hat - diese Ausnahme-Fasnacht gab reichlich Stoff für die närrische Abdankung der Honoluesen im Zunfthaus zu Wirten, «Roten Turm» und «Alten Stephan», wo das Narrenlicht erlischt.

Schwerarbeit für Peter Studer, Ober der Narrenzunft Honolulu: Nach dem Entscheid um 17 Uhr, den Böen-Böögg nicht abzufackeln, musste er sein Intro zur närrischen Abdankung umschreiben. «Wir sind halt eine denkmalgeschützte Stadt. In Grenchen wäre das nicht passiert.» Auch abgesehen vom «Trocken-Böögg» sei diese Fasnacht eine sehr spezielle gewesen, verwies er auf die Entschuldigung der Fasnachtsgazette «von zuletzt noch eineinhalb Minuten», deren Redaktion zur Satisfaktion täglich zwei «Ave Maria» habe beten müssen. Dazu schilderte Studer blumig, wie eine völlig korrekte Fasnacht auszusehen habe, doch sollte diese «e chly fräch sy» und Grenzen ausloten können.

Der Schwanengesang des Garderobiers 

Damit leitete er über zum Schwanengesang des Abends, denn Zunft-Garderobier Bernhard «Bänz» Christen» gab nach 15 Fasnachten seinen grünen Mantel ab. Er geisselte das Vergessen des Bundesarchivs mit 57,8 Stellenprozent in Sachen Spionage-Affäre, das Nichtauffinden der Dossiers «wäre der Zentralbiblothek Solothurn nicht passiert.» Dann mokierte sich der Narr über die Stadtverwaltung und die Regio-Energie, die zum Familienunternehmen mutiert sei: «Felix Strässle ist Direktor, seine Frau am Empfang, die Tochter macht das Marketing.» Begleitet von Zunftkamerad Beat «Willi» Wyler stimmte Christen seinen melancholischen Abschied an: «Adiö, dir liebe Fasnächtler!»

Die besten Bilder der Fasnacht 2020 im Kanton Solothurn:

Rudi Carell und Rosi Gadient

Auch «Zunft-Troubadix» Wyler widmete – musikalisch unterstützt von Charlie Schmid – der entschwindenden Fasnacht einen «Truureli-Song». Zuvor hatte er auf die idyllischen Samtagsabende seiner Jugendzeit mit ihren TV-Shows zurückgeblickt und seine grössten Lacher mit der perfekten Imitation von Rudi Carell abgeholt. Etwas problematischer dagegen seine Abhandlung von früheren Hypes wie jenen um das Waldsterben oder das Ozonloch und dann der Brückenschlag zum aktuellen um das Corona-Virus ‑ denn seit dem Erarbeiten von Wylers Auftritt ist die Zeit rund um Honolulu halt nicht stillgestanden.

Ober Peter Studer wagte nun zur Geschichtsbewältigung einen Blick durch die eingetrübte Kristallkugel ins Jahr 2120: «Das Bipperlisi fährt vierspurig» und im «Weitblick» sei zumindest das «Stadtmist-Wägli» gebaut und getauft, aber auch die FDP («Finde den Prinzen») immer noch auf der Suche nach der Nachfolge für Kurt Fluri.

Namensvetter Silvan Studer sorgte als dritte «Perle» für die Brüller des Abends. Herrlich sein Einblick in die Zentrale von Taxidriver-Legende Rosmarie Gadient, mit der er eine lange Nacht am Funkgerät verbracht hat. Dabei wird Rosmarie «immer mehr zu meinem Typ Frau»; gegen drei Uhr morgens dürfe er sie sogar Rosie nennen, «und sie sagt mir nur noch Sohn». Oder: «Rosi, Du bist wie ein Mami, das man sogar betrunken noch gerne anruft!»

Melancholisch zuletzt der Schlussvers des Obers; dazu rieseln vor der «Wirthen» weisse Konfetti zu Boden. Senkrecht, mangels Wind. Der Böögg hat seine Schuldigkeit nicht getan – er hätte brennen können... 

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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