Kunst
Eine charmante Liebeserklärung an Solothurn: Der Künstler Jürg Parli hat ein Leporello gestaltet

Der Solothurner Künstler Jürg Parli hat eine kleine Hommage an die Stadt Solothurn gezeichnet.

Judith Frei
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Der Wahlsolothurner Jürg Parli hat ein Jubiläumsleporello für die Stadt Solothurn gestaltet.

Der Wahlsolothurner Jürg Parli hat ein Jubiläumsleporello für die Stadt Solothurn gestaltet.

Michel Lüthi

Jürg Parli steht vor der «Couronne», elegant mit Hut und auffälliger Brille. Er hält sein Leporello in der Hand, das ein wenig grösser als eine Visitenkarte ist. Es ist mit einem Papierband umfasst. «Schauen Sie, das ist wie ein Daumenkino», sagt er und schiebt das Band nach oben. Unter dem Band sieht man die Zahl Elf. Wenn er das Band wieder nach unten schiebt, dann sieht man das offizielle Logo der Stadt Solothurn im Jubiläumsjahr.

«Das Leporello ist eine kleine Liebeserklärung an Solothurn», sagt er. Dieses Leporello habe er nicht auf Auftrag gemacht, sondern aus Lust am Zeichnen und eben, weil er Solothurn mag. Das Resultat habe so begeistert, dass das Leporello nun das offizielle Logo «Stadt Solothurn 2000 Jahre legendär» trägt. «Ich habe das während des Lockdowns gezeichnet», erklärt er.

Ein Bündner in Solothurn

Solothurn ist seine Wahlheimat, das kann man unschwer an seinem Bündner Dialekt erkennen. Er wohnt schon seit 1963 hier, eine Stelle als Zeichnungslehrer hat ihn in die Barockstadt verschlagen. Die Berge des Engadins vermisse er nicht. «Ich habe ja den Weissenstein hier», meint er und grinst dabei. Ob das ein Scherz gewesen ist, bleibt unklar. Doch zurück in die Alpen hat es ihn nie gezogen. «Das Einzige, was ich vermisse, ist die Sprache», meint er. Denn nicht Schweizerdeutsch ist seine Muttersprache, sondern Romanisch.

Er hatte kein Konzept für das Leporello, gezeichnet hat er wichtige Ereignisse, Gebäude oder eben die Zahl Elf. Dabei hat er keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Wissenschaftlichkeit, das Humoristische steht im Mittelpunkt. Eine Illustration beispielsweise zeigt die elf berühmten Verkehrsverbindungen, auch darunter: Eine kleine Hexe, die auf ihrem Besen sitzt. Solche kleine charmante Details sind auf jeder Illustration zu erkennen, sei es auch nur das kleine Männlein am oberen Rand der Illustrationen, das ein kleines Herz mit den Solothurner Farben umarmt.

Zeichnen ist seine Lebensfreude

Die kleine Hommage sei im leicht gefallen, er zeichne so oder so jeden Tag. Im kleinen Faltbüchlein schreibt er, dass Zeichnen seine Lebensfreude sei. Doch nicht alle Zeichnungen schaffen es an die Öffentlichkeit. Alle Illustrationen werden von seiner Frau abgesegnet und sie findet längst nicht alles lustig, was er lustig findet. Das sage sie ihm dann unverblümt.

Das Leporello hat er im Goldenen Schnitt gedruckt, dieses Format sei sehr ästhetisch. «Kennen sie den Goldenen Schnitt?», fragt er, zieht gerade eine Anleitung aus der Brieftasche und erklärt das Prinzip. Ausserdem seien die ursprünglichen Illustrationen grösser gewesen, doch er wollte sie kleiner drucken, damit sie kompakter wirken.

Am Faltbüchlein verdienen tut er kaum etwas. «Ich zeichne für mich, das habe ich nicht zum Geldverdienen gemacht», sagt er. Nun steckt er das Büchlein zurück in die Tasche. «Ich muss noch Kommissionen in der Stadt machen», erklärt er. Er zieht seinen Hut, im Innenfutter hat er die Einkaufsliste gesteckt. «Ich trage nur deshalb einen Hut», meint er und lacht herzhaft.

Hinweis

Wenn man noch ein Wichtel- oder Weihnachtsgeschenk braucht: Das Leporello kann man in der Buchhandlung Lüthy in Solothurn für 12 Franken kaufen.

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