Mit einem nochmaligen Vortrag des berührenden Chorsatzes a cappella «o Chrüz vo Golgatha» verabschiedete sich das gesamte Ensemble bestehend aus 35 Mitgliedern der Zürcher Singakademie und 25 Instrumentalisten der Zürcher Symphoniker nach reichem Beifall in der gut besetzten Jesuitenkirche. Gemeinsam mit den Solostimmen Lilian Schneider Rohrer als Maria, Patrick Oetterli als Jesus, Christof Breitenmoser als Petrus, Yves Brühwiler(Pilatus), den beiden als Schächer auftretenden Marcel Fässler und Chasper-Curo Mani, Ingrid Alexandre als Magd und Erzähler Hansjörg Jäggi, gelang eine eindrucksvolle Darbietung.

Alte Meister bis hin zu modernen Komponisten haben «Passionen» geschrieben, die in der Zeit vor Ostern häufig aufgeführt werden. Das Werk von Urs Joseph Flury und Beat Jäggi unterscheidet sich als hauptsächlich Chor- und Orchester getragene Komposition von landläufig bekannten Passionen, in denen tragende Solostimmen in Arien und Rezitativen das Geschehen um die letzten Stunden im Leben von Jesus Christus beleuchten. In dieser nun uraufgeführten Komposition übernehmen Instrumental- und Chorstimmen die Aufgabe, den Leidensweg lyrisch und dramatisch auszumalen.

Flury bedient sich mehrheitlich zarter und gedeckter Klangfarben, die aber immer wieder durch differenzierte Instrumentierung, originelle Formensprache mit sanfter Rhythmik und motivreicher Melodik ergänzt werden. Gern hätte man mehr von den Solovokalisten wie der wunderbar tragenden Stimme von Patrick Oetterli oder etwa dem jungen Bass Yves Brühwiler gehört. Längere Solo-Einsätze hatte aber das Textbuch von Beat Jäggi nicht vorgesehen, das in emotional bewegender Mundart die Passionsberichte der Evangelisten nacherzählt.

Mit der kapitelweise eingeschobenen Lesung durch Hans-Jörg Jäggi erhielt diese Version einer «Passion» eine klare Gliederung. Um der Trauer von Mutter Maria mehr Gewicht zu verleihen, hatte Flury in das 75-minütige Werk eine poetische, nur instrumental aufgeführte Elegie eingefügt, die Oboe, Harfe und Streicher herausgehoben erleben liess.

Nach der Solothurner Uraufführung fanden Hörende ihr musikalisches Glück in der Zürcher Fraumünsterkirche, in der die «Passion» in der Heimat der beteiligten Formationen aufgeführt wurde. Mit diesen beiden glanzvollen Konzertabenden dürfte Flury, der im Programmheft die Entstehungsgeschichte dieser musikalischen Dichtung nachzeichnet, sehr zufrieden sein.