«Dendrochronologische Untersuchungen haben belegt, dass auch die Brüstungsbalken aus der Zeit des Theaterneubaus 1778/79 stammen», freute sich Denkmalpfleger Stefan Blanc über noch mehr «Originalzutaten» zum ältesten Theater der Schweiz.

Ist doch Solothurn mit den überraschend aufgetauchten bemalten Brüstungsplatten aus denselben Jahren klar die Stadt mit dem einzigen Barocktheater, denn die bisher älteste Spielstätte in la Chaux-de-Fonds entstand erst in den 1830er Jahren.

Natürlich wurde auch das hiesige Stadttheater mehrmals umgebaut, zuletzt 1936 im grösseren Stil. Umso euphorischer die Stimmung bei Blank, dass die Originalmalereien des Solothurner Malers Felix Josef Wirz aufgetaucht waren.

«Die Malerei ist restaurierbar»

Detailliert schilderte der Denkmalpfleger die Restaurationsarbeiten an den aus dem Theater in ein Atelier verbrachten Holzplatten. Auch ein Schreiner sei beigezogen worden, der mithilft, das «Puzzle» um die richtige Platzierung der Platten zu lösen.

Besichtigung im Solothurner Stadttheater

Besichtigung im Solothurner Stadttheater

Denn seltsamerweise hätten sich solche aus der oberen Brüstung mit den besser erhaltenen «Vorhangmalereien» in die untere Anordnung «verirrt». Dort sind - allerdings schlechter erhaltene - Musikmotive die Dominante. «Die aufgeklebte Papiertapete aus späteren Zeiten musste minutiös entfernt werden, mit Feuchtigkeit, Spachtel oder Heissluft.»

Dennoch sei nie ganz zu vermeiden gewesen, dass Teilchen der Farbe sich mit der Tapete lösten. «Aber», so Blank, «die Malerei ist restaurierbar.» Und nach dem Finish der wieder montierten Platten im Haus «können Sie sich auf eine tolle Sache freuen».

Alte Balken, neue Möglichkeiten

Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt, begrüsste und informierte die Anwesenden im Krieghaus, dessen älteste Teile bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen und das 2004 von der Stadt für die Theatererweiterung bei einem Umbau erworben worden war.

Neu soll es die Cafébar im Parterre, die WC-Anlagen im Obergeschoss, Garderoben und einen Mehrzweckraum erhalten - es ermöglicht aber auch neu den zweiten Theatereingang von der Südseite, der Fischergasse her.

Ein Durchbruch stellt die Verbindung zwischen dem neuen und bisherigen Trakt her, und an der Nahtstelle wird auch der Personenlift für maximal acht Personen eingebaut, der das Haus behindertengerecht erschliesst.

Apropos behindertengereicht: Von den noch 268 (vorher waren es über 280) Sitzplätzen werden fünf für Rollstuhlbenützerinnen und -benützer reserviert sein.
Ein neues Stahlfachwerk hat die zuvor ungenügende Statik des Stadttheaters im Brandfall sichergestellt.

«Aber soweit als möglich werden im Krieghaus und in der Administration die alten Balken weiterverwendet», erklärte Projektleiter Lukas Reichmuth, wobei in Letzterer dies im erwarteten Ausmass möglich sein wird.

In den Obergeschossen wurde zudem schon mit dem Innenausbau begonnen; im Dach wird die gesamte Haustechnik untergebracht sein.