Solothurn
«Ein wunderschönes Fest»: Das Märetfest lockt ein Drittel mehr Besucher an

Rosarote Einhornballone, Zuckerwatte, Churros, kitschiger Schmuck: Wenn es in der Solothurner Altstadt alles zu kaufen gibt, was das Herz begehrt, aber niemand wirklich braucht, dann ist wieder einmal Märetfest.

Hans Peter Schläfli
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Märetfest Solothurn
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Hochbetrieb hinter der Bar.
Die beliebten kleinen Shots dürfen auch nicht fehlen.
Auf dem Friedhofplatz verkaufen die Hudibras-Chutze die angeblich «besten Fischknusperli» der Stadt.
Party – auch mit den DJs am Landhausquai.
Party im Solheure.
Aperol Spritz hat auch das Märetfest erbert.
Die Frühlingsrolle mit scharfer Sauce darf nicht fehlen.
Das Grillen des Honolulu-Spiesses ist eine ernstzunehmende Sache.
Gemütliche Stimmung auf dem Aaremürli
Chinesische Scherenschnitte als 3d-Karten.
Ein kleines Tänzchen gefällig?
Ein indischer Sonnenschirm am Solothurner Märetfest.
Der wohltätige Schumacher am Märetfest.
Gleich kracht der kleine Stand unter der Last der Luftballone zusammen...
Das Märetfescht verwandelte die Altstadt in eine einzige Festhütte
Aus Neu mach Alt: Die Jeans werden mit einer Feile malträtiert.
Hier gehts lang: Frauenschuhe am Märetfest.

Märetfest Solothurn

Hans Peter Schläfli

Mojito, Caipirinha, Bier, Bier und noch mehr Bier. Herumstehen, alte Bekannte per Zufall wiedersehen, reden, reden, reden und dann vielleicht noch ein Bier. Am Aarequai, auf dem Klosterplatz, den Kronenstutz hinauf bis hin zum Märetplatz tanzt der Bär. Am Nachmittag zeigten die Solothurner Nachwuchsbands für die begeisterten Kids, was sie können.

«Unz-unz-unz» vibriert der Bass am Abend beim Landhaus und vor dem Palais Besenval für die Jungen, währen eine Coverband auf dem Märetplatz das ältere Publikum zurück in die Jugend führt.

All das darf man vom Märetfest erwarten, aber es gab auch Überraschendes: Hier wurden neue Jeans in Handarbeit mit brachialem Werkzeug auf alt getrimmt. Dort wurde fleissig geschustert mit dem Versprechen: Für jedes hier verkaufte Paar bekommt auch noch ein bedürftiger Mensch ein Paar Schuhe geschenkt.

«Es war ein wunderschönes Fest.» In seiner ersten Bilanz übertraf sich OK-Chef Thomas Schnetz mit Superlativen zur 39. Ausgabe. «Das Wetter war einfach traumhaft. Wir hatten einen Drittel mehr Besucher als letztes Jahr, perfektes Märetfestwetter eben.» Als seinen persönlichen Höhepunkt bezeichnete Schnetz das Konzert der slowenischen Beatles auf dem Märetplatz.

Ein sehr heisser Freitag

Am Freitag war es fast zu heiss. Dafür war der Samstag ideal für die Verkaufsstände: Kein Badiwetter, aber schön. Ein wenig Jammern trotz vollem Bauch gehört bei den Marktfahrern dazu. «Letztes Jahr war es super, dieses Jahr bin ich einigermassen zufrieden», sagte zum Beispiel Urs Schroff aus Grafenried. Er verkauft filigranes und dekoratives Kunsthandwerk aus Madagaskar. «Ich bin nur der Ladenhüter, meine Frau ist der Chef, sie ist Madagassin. Die Standgebühr ist zwar so hoch, dass es weh tut, aber die Organisatoren machen es auch gut.

Wir werden auf jeden Fall auch nächstes Jahr wieder am Märetfest sein.» Selbst bei den etablierten Geschäften, die mit Marktständen zugestellt wurden, hörte man keine Klagen. «Ich möchte es nicht jedes Wochenende so, aber einmal im Jahr ist das für uns eine schöne Abwechslung», sagte zum Beispiel Christine Studer, stellvertretende Filialleiterin im Bücher Lüthi. «Trotz Märetfest war es ein guter Samstag. Neue Laufkundschaft hat unser Kaffee besucht, um sich ein wenig auszuruhen, weil es auf der Strasse so viele Leute hatte. Wenn es ihnen gefallen hat, kommen sie vielleicht wieder.»

Polizei: Eher ruhiger Abend

Der kulinarische Renner waren die Honolulu-Spiesse: 150 Gramm Rindfleisch aus der Region vom Holzkohlegrill für 15 Franken. Doch das Wichtigste war, dass die Leute mit grosszügiger Zufuhr von Flüssigkeit gegen die Hitze ankämpften. Das Rezyklierungssystem hat sich etabliert, die Becher und Flaschen werden fleissig an die Bartheken zurückgebracht.

Schliesslich gibt es dafür ja auch zwei Franken zurück. So kann viel Abfall vermieden werden, aber wie immer gibt es auch eine Kehrseite der Medaille: Ein paar Schlaumeier haben das «Stibizen» der leeren Becher als Geschäftsmodell entdeckt, was mehrfach für böses Blut sorgte.

Am Rande des Märetfests musste die Kantonspolizei am Freitagabend beim Hauptbahnhof um 21.15 Uhr zwei Gruppen streitender Jugendlicher trennen und einen randalierenden 16-Jährigen vorübergehend festnehmen. Die Stadtpolizei markierte Präsenz auf der Fussgängerbrücke. «Nur präventiv», erklärte Dienstchef Marcel Christ am Samstag um 23 Uhr, «wir sind mit einem normalen Aufgebot hier und hatten bis jetzt einen ruhigen Abend.»

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