Seit genau zehn Jahren bekocht Sonja Guzzanti am Landhausquai auf 32 Quadratmetern ihre Gäste. Längst ist «Söne» mit ihrem permanent ausgebuchten Kleinstbetrieb zu einer Solothurner Institution geworden. Das Lokal ist so einzigartig wie seine Chefin.

Der Schriftzug «Mediterrane Leckereien» ist zwar unter dem Blattwerk einer wuchernden Glyzinie verschwunden. Aber der volle Name des Gasthauses ist Nebensache. Wer hier verkehrt, geht zu «Söne». Sie verkörpert alles, was ihr Restaurant ausmacht. Sie ist farbig, lebenslustig, hemdsärmlig und strotzt vor Energie. In Solothurn ist vieles barock, aber hier ist es am barocksten.

Das «Medileck» ist winzig. Sechs Tischchen zwängen sich den Wänden entlang um die Küche herum, die den meisten Raum beansprucht. Hier hantiert die leidenschaftliche Köchin mit der Grandezza einer italienischen Mamma, ist überall gleichzeitig, schenkt Wein nach, schüttelt im Vorbeigehen ein paar Pfannen, richtet mit lässiger Geste Teller an, öffnet in einer schwungvollen Drehung den Kühlschrank und kommuniziert unablässig mit den Gästen.

Wenn sich die Fenster von innen beschlagen und ihr Publikum immer entspannter wird, ist die Chefin, die sich gern «Fräulein» nennt, in ihrem Element. Dann ist ihr schallendes Lachen bis auf den Landhausquai zu hören.

Langer Weg zum Erfolg

Auf dem Internetportal «TripAdvisor» überschlagen sich die Komplimente. Die Dankeskarten füllen ein ganzes Buch. Wer im Restaurant «Mediterrane Leckereien» einen Tisch buchen will, muss dies Wochen im Voraus tun oder schnell reagieren, wenn dank einer Absage kurzfristig ein Platz frei wird.

Man könnte denken, sie sei als Gastgeberin geboren. Aber Sonja Guzzanti legte einen langen Weg zurück, bis sie hatte, was sie wollte. Mit 17 absolvierte die junge Frau im Bahnhofbuffet Solothurn eine Lehre als Servicefachangestellte, arbeitete auf dem Beruf und machte die Wirtepüfung.

Dann wurde sie Mutter und legte eine berufliche Pause ein. In dieser Zeit wurde sie von ihrer Schwiegermutter in die Geheimnisse der sizilianischen Küche eingeweiht. Nebenbei erweiterte sie das Fachwissen auch in einer Ausbildung als Barfachfrau und den kulinarischen Horizont auf ihren Ferienreisen.

Ein starker Mann im Rücken

So wie hinter vielen erfolgreichen Männern eine starke Frau steht, steht hinter dieser Kochkünstlerin ein starker Mann. Maurizio Guzzanti ermutigte sie nicht nur, sich mit 39 Jahren den Traum vom eigenen Restaurant zu erfüllen. Er legte Hand an beim Umbau, wirkt bis heute im Hintergrund mit und holte sie acht Jahre lang nach jedem Feierabend mit dem Auto ab, obwohl auch er anderntags zur Arbeit musste.

Anfänglich gab es nur zwei Tische und kalte Häppchen. Dann wurde es immer mehr. Es kam eine Aushilfe dazu. Vor zwei Jahren fing Sohn Zino als Angestellter im mütterlichen Betrieb an. «Ölwechsel» nennt er seinen Transfer: Als gelernter Motorradmechaniker wechselte er vom Motoren- zum Olivenöl. Tochter Luana, eine talentierte Sängerin, hilft schon seit zehn Jahren immer am Samstag Mittag aus. Die Familie ist Dreh- und Angelpunkt der Gastronomin Sonja Guzzanti. Sie ist Rückzugsort, Netzwerk und Versuchslabor für neue Kreationen.

Gastronomisches Netzwerk

Das passt zu einem authentischen Lokal, in dem jede Speise und jede Zutat eine persönliche Beziehung zur Köchin hat. Das legendäre Rindsfilet kredenzt sie nach dem Rezept ihrer Mutter Els Zaugg. Die Weine und Spirituosen probiert und kauft sie gezielt in den Winkeln ihres gastronomischen Netzwerks. Das Wild kauft sie bei Freunden, die auch noch Jäger sind. Bei den Zutaten ist sie pingelig wie ein Scharfrichter. «Qualität ist für mich das Höchste», sagt Sonja Guzzanti. Vom Brot bis zum Dessert ist bei ihr alles selbst gemacht.

Das Lokal ist an fünf Tagen in der Woche geöffnet. Nur wenn sie ein Catering macht, bleibt es geschlossen. Eine klassische Menukarte gibt es nicht, aber stets eine wechselnde Auswahl an Gerichten, die individuell kombiniert und an persönliche Wünsche angepasst werden. Dieser Service ist ihrer Kundschaft etwas wert. «Fast alle kommen wieder, fast alle werden zu Freunden», sagt Guzzanti und hat für das, was sie im Innersten antreibt, ein eigenes Wort: «Die Wertschätzung der Gäste ist mein Oberlohn.»