Solothurn
Ein Wiener stellt im Haus der Kunst seine Werke aus

Herbert Brandl gilt als als einer der österreichischen Vertreter des Neoexpressionismus. In seinen in Solothurn ausgestellten Werken geht der Künstler von Erlebtem und eigenen Wahrnehmungen aus.

Eva Buhrfeind
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Die Berge schieben sich wie Kulissen in den See.

Die Berge schieben sich wie Kulissen in den See.

Hanspeter Bärtschi

Ein Berg. Mächtig, monumental wächst er im Altarraum unter den impulsiv sich auftürmenden Pinselstrichen aus einem tiefen Tal ins Blau des Himmels. Der Berg, bei dem österreichischen Künstler ist es wohl weniger das geografisch zu ortende Objekt mit Wiedererkennungswert, als vielmehr die Natur als piktorales Ereignis, als malerische Metapher, deren Erhabenheit Herbert Brandl zu einem malerischen Ereignis steigert – auf einer Grösse von 4 × 3,16 Meter Leinwand.

Es ist bei den Ausstellungen im Haus der Kunst in Solothurn ja immer eine Spannung da, was die Besucher erwartet im Altarraum, welches Bildgeschehen sich hier den Betrachtenden öffnet. Nun ist es der 57-jährige, aus Graz gebürtige Künstler, der einst zu den jungen Wilden gezählt wurde und als einer der österreichischen Vertreter des Neoexpressionismus genannt wird, der das Haus der Kunst mit seiner wuchtigen und grossformatigen Kunst bespielt.

Vitale Bildsprache

Herbert Brandl, er lebt und arbeitet in Wien, setzt Eindrücke und Wahrnehmungen in eine vitale Bildsprache um, die das Landschaftliche, die Natur einbindet in das Thema Malerei als künstlerische Reflexion: der Berg als erlebtes und erlebbares Naturmonument versus Farbe und Gestik, Wirklichkeit im Spiel mit abstrahierenden Mitteln. Dieser Berg, der von Ferne wie ein farbleuchtendes Monument einer unnahbaren Natur wirkt, zeigt sich aus der Nähe als energetische und doch konzeptuell komponierte Farbpalette.

Dieser spannungsgeladenen Dominanz gegenüber, laden im Hauptraum die beiden gleichermassen monumentalen Berg-Bilder zum Innehalten ein. Berge, die sich wie Kulissen in Flüsse oder Seen schieben, eher flächig und zurückhaltend im Pinselduktus und den Tonalitäten. Sie interpretieren eine freie malerische Dramaturgie: Felsen, die sich im diffus lasierenden Wasser spiegeln, Nebel, die aus dem Tale zu steigen scheinen. Der Pinselstrich wie absichtslos auf der Leinwand verwoben, dabei doch von einem formalen Kalkül gesteuert.

Diese Auflösung des Gesehenen und Dahinschwinden der Natur wird im Wasser-Bild definitiv. Heftige und heftigste grüne Farbbalken, mit Weiss angemischt, schichten und vernetzen sich. Schaut man ins Wasser, in Spiegelungen oder Wellenstrudel, schaut man unter der Wasseroberfläche hoch auf flirrende Reflexionen oder in einen dramatischen Wasserfall? Es lässt sich nicht orten, alles bleibt als Idee, als Ahnung zurück.

Heimatliche Bauernmalerei

Herbert Brandl, der die Hochschule für angewandte Kunst Wien absolvierte und seit 2004 eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf innehat, geht in seinem Werk von Erlebtem und eigenen Wahrnehmungen aus. Dazu gehören auch die Monotypien von heimatlicher Bauernmalerei auf Lanabütten, die er ins Extreme steigert.

Die furiose Geste des Pinsels formt und fügt sich über das florale Grundmotiv hinaus zu figurativen Gestaltungen in ausdruckstänzerischer Choreografie, die das motivische Vorbild neu deuten und lesen lassen. Ohne dass die künstlerische Tradition verfremdet wird. Hier im Chorraum zeigt sich besonders, wie Herbert Brandl das Piktorale, teils auch Pittoreske über die reine malerische Absicht hinaus als autonomes Ereignis bewahrt.

Bis 10. 7. Do–Fr 17–20 Uhr, Sa–So 13–17 Uhr.

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