Solothurn
«Ein Tropfen auf den heissen Stein»: Liefer- und Abholservices der Gastronomie kommen unterschiedlich an

Einige Restaurants überbrücken den Lockdown mit einem Liefer- oder Abholservice. Manche erfolgreicher als andere.

Gülpinar Günes
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Viele Restaurants haben auf Take-Away umgestellt. Doch nicht alle profitieren gleich viel vom Angebot.

Viele Restaurants haben auf Take-Away umgestellt. Doch nicht alle profitieren gleich viel vom Angebot.

Hanspeter Bärtschi

Seit gut einem Monat sind die Restaurants und Gasthöfe in Solothurn wegen der «ausserordentlichen Lage» geschlossen. Ein baldiges Ende der Massnahmen ist mit dem Beschluss des Bundesrats vom Donnerstag vor dem Sommerbeginn kaum absehbar. Eine Handvoll der Gastronomen haben daher während dieser Zeit auf ein Abhol- oder Lieferservice gesetzt und dieses Angebot neu aufgesetzt. Nach gut vier Wochen fällt das Fazit aber sehr unterschiedlich aus.

Der Gasthof Enge bietet seit dem 20. März, also praktisch seit dem Beginn des Lockdowns, einen Abholservice an. Von Montag bis Freitag können die Kunden jeweils am Morgen telefonisch oder über ein Kontaktformular online ihre Bestellung abgeben und diese dann am Mittag abholen. Der neue Service komme gut an, teilt Markus Krell, Inhaber des Gasthofs, auf Anfrage mit. «Das Interesse ist gross. Die Leute schätzen es, eine gute warme Mahlzeit bestellen zu können», sagt er. Es habe aber rund drei Wochen gedauert, bis die Kundschaft auf das Angebot aufmerksam wurde, obwohl der Gasthof bereits in der ersten Woche komplett für den Abholservice eingerichtet gewesen sei.

Schwierig sei es vor allem gewesen, auch die ältere Kundschaft zu erreichen. Krell habe das Angebot daher überall digital und analog gestreut und bietet auf Anfrage einen Heimlieferservice an. Mittlerweile gibt der Gasthof durchschnittlich etwa 30 Mahlzeiten heraus, wie Krell sagt. Das sei weniger als die Hälfte während eines normalen Betriebs, doch mit den Einnahmen könne er die entstehenden Kosten decken. Kurzarbeit habe er dennoch beantragen müssen. Er versucht, die Situation dennoch als eine Chance zu sehen. «Mit dem Abholservice können wir den Kontakt zu unseren Gästen weiterhin pflegen», sagt er. Es seien vor allem die üblichen Mittagsgäste, die nun bestellen würden. Über Werbeaktionen auf Sozialen Medien habe er aber auch neue Gäste gewinnen können. Seit vergangenen Mittwoch hat er sein Angebot auch auf den Abend ausgedehnt

Das Zunfthaus zum Wirthen bietet einen Lieferservice an und macht gute Erfahrungen damit.
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Aufgrund des Bundesratsentscheid verlängert der Betrieb das Angebot und bietet neu auch mittags einen Abholservice an.
Auch der Abholservice der Gasthof Enge wird häufig genutzt.

Das Zunfthaus zum Wirthen bietet einen Lieferservice an und macht gute Erfahrungen damit.

Hanspeter Bärtschi

«Tropfen auf den heissen Stein»

Auch im Zunfthaus zum Wirthen kommt der neue Service gut an bei der Kundschaft: Zu Spitzenzeiten am Wochenende gehen rund 60 Bestellungen an mehreren Mahlzeiten ein, wie Geschäftsführer Chris van den Broeke auf Anfrage mitteilt. Das seien ähnlich viele, wie an normalen Abenden. Das Zunfthaus bietet seit dem ersten Tag des Lockdowns jeweils abends ab 18 Uhr einen Lieferservice an. Es sei gut darauf vorbereitet gewesen. «Ich bin davon ausgegangen, dass auch bei uns der Lockdown beschlossen wird», sagt van den Broeke. Dementsprechend habe er sich im Vorfeld mit Flyern eingedeckt und den Fahrerdienst bereits im Voraus geplant. «Die Leute schätzen die Vielfalt des Angebots», sagt er.

Es reicht vom Solothurner «Wysüppli» bis zum Entrecôte Café de Paris. Doch der Umsatz sei nicht mit dem normalen Geschäft vergleichbar: Einerseits, weil die Preise der Menüs etwas niedriger sind als im Zunfthaus und weil die Kunden über den Lieferservice weniger konsumieren als vor Ort. «Es ist ein Tropfen auf den heissen Stein», sagt er. Dennoch verlängert der Betrieb den Lieferservice aufgrund der Entscheidung des Bundesrats bis auf unbestimmte Zeit und führt einen Abholservice am Mittag ein.

Keine Kundschaft weit und breit

Andere Solothurner Restaurants sind in einer weniger glücklichen Lage. Weil der Grossteil ihrer Kundschaft wegen der Massnahmen nicht arbeiten geht, fehlen ihnen schlichtweg die Kunden, wie ein Wirt, der anonym bleiben will, sagt. Flyer und andere Werbeplattformen hätten kaum geholfen. Er könne momentan nur einzelne Bestellungen bearbeiten und kümmere sich persönlich darum. Auch das Restaurant zur grünen Ecke beklagt einen solchen Gästeschwund.

Wo normalerweise 100 Pizzen täglich serviert wurden, gehen mit dem Abholservice lediglich 10 Pizzen täglich über die Theke. Der Inhaber, Pero Vidojevic, kann sich diesen Rückgang kaum erklären. Er führt ihn auf die fehlende Laufkundschaft zurück und hofft auf eine baldige Lockerung der Massnahmen. «Für uns ist es momentan sehr schwierig.»

Alternativen bei den Bäckereien

Die Bäckereien der Stadt haben zwar geöffnet, aber auch sie haben auf verschiedene Services umgestellt. Die Bäckerei Trüssel beispielsweise hat neben ihrem bestehenden Webshop eine Web-App für die «ausserordentliche Lage» aufgeschaltet, wo man Waren nach Hause bestellen kann. Die Verantwortliche fürs Marketing, Ramona Steiner, muss aber eingestehen, dass das Angebot nicht so gefragt ist, wie erwartet. Die Leute organisieren sich Quartierweise, bestellen online in grossen Mengen und holen die Ware nach wie vor persönlich ab. Nur rund 10 Lieferungen würden pro Tag getätigt. Dafür seien die Onlinebestellungen mit Abholung im Laden gestiegen. «Die Leute schätzen nach wie vor den direkten Kontakt», sagt Steiner. Die Kunden würden nun aber mehr auf einfache Waren, wie Brot und Cremeschnitten zurückgreifen, als auf Spezialitäten. Der Umsatz im Laden sei dennoch zurückgegangen und das geschlossene Café sei ebenfalls finanziell spürbar.

Neben dem Ladengeschäft, liefert zurzeit vermehrt die Post die Brote der Bäckerei Nyfeler aus. Das Geschäft nutze die sogenannte «Brot-Post» schon seit letztem Herbst, doch die Bestellungen haben mit bis zu 170 Brote pro Woche derzeit mehr als die Hälfte zugenommen, wie Geschäftsführer Daniel Nyfeler sagt. Er sei froh drum, dass das Angebot bereits vorhanden war und nicht erst neu aufgezogen werden musste. Es generiere mit relativ wenig Aufwand wichtigen Umsatz. Denn, obwohl die Kundenfrequenz im Laden stabil geblieben ist, seien die Hochzeits- und Geburtstagsgeschäfte völlig eingebrochen.

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