Theatergesellschaft
Ein Triumph ganz nach Gotthelfscher Art

Premiere für die Liebhaber-Theatergesellschaft (LTG) mit dem Stück «Elsi, die seltsame Magd».

Claudia Büttler
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Ein Triumph ganz nach gotthelfscher Art

Ein Triumph ganz nach gotthelfscher Art

Solothurner Zeitung

Nach fast sechs Monaten Probezeit, unzähligen Stunden Hintergrundarbeit und einem beeindruckenden Röstiverzehr eröffnete die Liebhabertheater-Gesellschaft Solothurn (LTG) ihre Jubiläumsproduktion einem aufgeregten Stadttheater.

Es nachtet langsam ein in Heimiswyl im Emmental. Eine Bauernfamilie sitzt beim Abendessen, als draussen der bellende Hund einen Ankömmling ankündet. «Wär wott de so spät no cho?», fragt Käthi, die Bäuerin, gespielt von Sabina Vitelli. «Bäbi, gang go luege.» «Immer ig!», motzt Bäbi (Eliane Büttler). Der «eifautige Stock» von Magd schaut widerwillig nach. Der Ankömmling ist ein junges Mädchen auf der Suche nach einem Schlafplatz (Kathrin Glutz). Elsi heisst sie, und ist nach mehreren Tagen Umherirren müde und abgekämpft. Mehr will sie nicht erzählen. Der Bauer (Urban von Arx) erbarmt sich ihrer und nimmt Elsi, eher zum Unwillen der Anwesenden, in den Dienst.

Ein beschämendes Geheimnis

Elsi beweist sich bald und wird von den Meistern wie auch den Knechten geschätzt. Dennoch kann sie ihr Geheimnis nicht verraten – sie ist eine Müllerstochter aus gutem Hause, die zu Hause weggelaufen ist. Der Vater hat das ganze Geld verjubelt und der Stolz des Mädchens liess den Verbleib beim Vater nicht zu. Weil Elsi sich davor fürchtet, erkannt zu werden, und weil sie den liederlichen Lebenswandel des Vaters mit ansehen musste, geht sie auch nicht auf die zahlreichen Avancen der jungen Männer ein, mit denen sie schon bald überhäuft wird. Nicht einmal ins Wirtshaus will sie gehen, als ihr Christen (Bruno Hofer), der kernige Bauer und beste Fang im Dorf, den Hof machen will. Derweil fragt man sich langsam, was denn mit dem Mädchen los sein kann, weist es doch eine vorteilhafte Partie zurück.

Dunkle Wolken ziehen auf

Das Rad der Zeit dreht sich dennoch unerbittlich weiter, und von Frankreich weht ein Wind, der Krieg mit sich bringt. Christen, den nichts mehr in Heimiswyl hält, stürzt sich kopfüber ins Gefecht. Elsi ist am Boden zerstört, weiss sie doch, dass er wohl nicht mehr zurückkehren wird. Der Bäuerin wird es jetzt zu bunt. Sie drängt Elsi, sich endlich zu öffnen und ihre Herkunft zu verraten, bevor es zu spät sei. Elsi gesteht schweren Herzens, was sie so lange bedrückt hat. Für Käthi ist Elsis Vergangenheit noch lange kein Grund zum Ledigbleiben. Beherzt greift sie ein und sendet Christen eine Nachricht an die Front. Als der Bote jedoch unverrichteter Dinge zurückkehrt, hält es Elsi nicht mehr aus. Sie rennt Christen hinterher, mitten ins Gefecht.

Das Publikum fiebert mit

Mit «Elsi, die seltsame Magd» hat die LTG eine perfekte Wahl für ihre Jubiläumsproduktion getroffen. Als grösseres Ensemble-Stück mit immerhin 23 Darstellern bleibt dies auch die einzige Produktion dieser Saison. Dass die Wahl gerade auf den Stoff von Jeremias Gotthelf gefallen ist, hat mehrere Gründe, wie Markus Bomonti Präsident der LTG, erklärt. Man habe die Geschichte der LTG widerspiegeln und einem Klassiker zu einer moderneren Inszenierung verhelfen wollen. Besonders speziell war natürlich der Beizug eines Profiregisseurs für die Theatergruppe dieses Jahr. Rolf Schoch, der für diese Inszenierung engagiert wurde, ist derweil sehr zufrieden mit seinen Laienschauspielern. Nicht nur ihr schauspielerisches Talent, sondern auch der Einsatz und Enthusiasmus in den Proben und hinter der Bühne seien eine wahre Freude. Mit seiner spartanischen Inszenierung bringt er diesmal auch mehr Fokus auf die Schauspieler, die dank einer humorvollen und originalgetreuen Adaption von Christine Kohler wirklich alles geben konnten. Das Publikum dankte es ihnen mit schallendem Gelächter.