Solothurn
Ein Treffen mit dem Einsiedler kostet Gruppen nun extra

Waldbruder Michael Daum ist nicht nur über die Festtage ein gefragter Mann. Neu müssen Gruppen ihn für Gespräche beim Arbeitgeber, der Bürgergemeinde Solothurn, buchen.

Wolfgang Wagmann
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Waldbruder Michael Daum empfängt Gruppen zu Gesprächen – das kostet allerdings extra.

Waldbruder Michael Daum empfängt Gruppen zu Gesprächen – das kostet allerdings extra.

Thomas Ulrich

Die Meldung aus dem Bürgerrat liess aufhorchen: Ein Treffen mit Einsiedler Michael Daum will die Bürgergemeinde Solothurn künftig für Gruppen in Rechnung stellen. Bis 24 Personen kostet die Begegnung mit ihm 150 Franken, bis 48 Personen werden 200 Franken berechnet. «Wir haben festgestellt, dass Michael Daum auch die Erklärungen der beiden Kapellen St. Verena und St. Martin übernimmt. Dem wollen wir mit der neuen Tarifberechnung entgegenwirken», räumt Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger ein. Es gehe auch darum, den Einsiedler etwas vor der allgemeinen Vereinnahmung zu schützen, gebe es doch viele, die das Gespräch mit Michael Daum suchten.

«Er zieht sich ja nicht in die Klause zurück und ist eigentlich sehr kontaktfreudig.» Genau damit das weiterhin möglich bleibe, versuche man jetzt etwas Druck auf Präsenz bei Führungen wegzunehmen.

Klare Abgrenzung

«Wir wollen nicht, dass er Führungen durch die Kapellen macht», sucht deshalb der Bürgergemeindepräsident eine klare Abgrenzung zum Angebot der Einsiedelei-Gesellschaft. Deshalb seien gesonderte Treffen mit Michael Daum von 20 bis 30 Minuten für Gruppen zwar möglich, aber sie kosten halt extra. Und zuständig dafür ist nur die Bürgergemeinde.

Die Einnahmen aus den Treffen gehen ebenfalls an sie, «sie fliessen in den Unterhalt der Verenaschlucht, der Einsiedelei und Kapellen». Michael Daum ist bekanntlich Angestellter der Bürgergemeinde und versieht seine Aufgaben nach ihrem Pflichtenheft. «Und inzwischen haben schon mehrere Gruppen vom Angebot Gebrauch gemacht», bestätigt Wyniger.

Die offiziellen Führungen

Die Gesellschaft der Einsiedelei St. Verena sieht ihren Hauptzeck einerseits in der Unterstützung von Restaurierungs- und Unterhaltarbeit an den Gebäuden und Kunstdenkmälern der Einsiedelei. Andererseits bietet sie aber auch offizielle Führungen an, die bei ihr gebucht werden können. Ausserhalb der Führungen ist jedoch die Bürgergemeinde für Anlässe aller Art und insbesondere die Reservation der Kapellen zuständig.

Die Einsiedelei-Gesellschaft bietet zwei Führungen an: Die «traditionelle» mit den Kapellen und Baudenkmälern, Grotten sowie dem Schluchtweg mit einer Dauer von eineinhalb Stunden , und eine Variante ohne den Weg von einer Stunde. Die grosse Führung kostet bis 25 Personen 190 Franken, die kleine 170 Franken.

Bei mehr als 25 Personen wird der Preis per Absprache gekoppelt. Für die Führungen verfügt die Gesellschaft mit Hanspeter Mathys, Theres Utzinger, Annette Silvia Feier, Markus von Arx und Therese Stählin über ein fünfköpfiges, kompetentes Team. Aber: Mit der neuen Regelung ist Einsiedler Michael Daum nun nicht mehr «inbegriffen».

Der Kerzenreste-Sammler

Speziell gefordert ist Michael Daum jeweils über die Weihnachtstage, aber auch an Neujahr. «Er war die ganze Zeit in der Schlucht präsent», weiss Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger. So auch am Stephanstag, 26. Dezember, wenn es gilt, die Reste der nächtlichen Kerzen-Illumination durch die vielen Einsiedelei-Besucher zu beseitigen. Wyniger, Daum und Behördenmitglieder, aber auch zunehmend Freiwillige sammelten gut ein Dutzend Kehrichtsäcke voll Kerzenreste ein. Erfreulicher Aspekt für den Bürgergemeindepräsidenten: «Die Menge an Sammelgut nimmt tendenziell ab, denn viele Besucher stellen nicht nur ein Kerzlein auf, sondern nehmen auch ein erloschenes wieder mit. (ww)

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