Solothurn

Ein Stich in jedes Bastlerherz: Das «Bastelparadies» schliesst

Mit dem «Bastelparadies» schliesst ein beliebtes Solothurner Stadtgeschäft Ende Februar seine Pforten.

Der silbergraue Kater Fabius stolziert erhaben und mit ernster Miene auf der Ladenfläche des «Bastelparadieses» herum. «Unser Chef», stellt ihn Theres Grütter vor, die seit nunmehr 22 Jahren zusammen mit Rita Merkt den Laden an der Schmiedegasse führt. Nein, der Humor ist ihr nicht abhanden gekommen, trotz des traurigen Datums, das ansteht: Per Ende Februar ist die kleine Altstadt-Oase für kreative Geister Geschichte.

Die Co-Geschäftsführerinnen arbeiteten vorher im Spielwarengeschäft Hirsig an der Hauptgasse, betreuten ab 1996 die an die Schmiedegasse ausgegliederte Bastelabteilung – und 1998, als Hirsig seine Pforten schliessen musste, führten sie das «Bastelparadies» als eigenständigen Laden weiter. Bis jetzt.

Im Internet shoppen und vor Ort Tipps abholen

«Wir mussten gerade in der letzten Zeit einen Rückgang bei den Kunden und dem Umsatz feststellen», so Merkt. Ihre Erklärung dafür: «Viele Ware wird heute im Internet gekauft.» Der Rückgang mache sich gerade auch bei den Bestellungen der Schulen bemerkbar, ergänzt Grütter. Die sonst vollen Bestelllisten von Lehrern, die Bastelware für den Unterricht benötigen, sind mittlerweile oft blank. Dann kommen Merkt und Grütter auch auf das veränderte Kundenverhalten zu sprechen.

Die oft gehörte Devise – vor Ort beraten lassen, im Internet bestellen – bestätigt sich auch bei ihnen. Oftmals auch im umgekehrten Sinne: So komme es vor, dass man nach einer stündigen Beratung vom Gegenüber erfährt, dass er es im Vorfeld bereits online bestellt habe, und jetzt lediglich vor Ort eine «kleine» Frage zur Anwendung des Bastelutensils klären möchte. Andere dafür halten im Bastelparadies nach Ware Ausschau, die sie beim Grossdetaillisten nicht gefunden haben, um festzustellen, «dass vieles bei uns nicht teurer ist», so Rita Merkt.

«Lieber vor Ort als online»

Rabattplakate deuten vor dem abseitig gelegenen «Bastelparadies» auf die baldige Schliessung an. «Doch vielen fällt die Andeutung gar nicht auf, da in der Stadt ohnehin überall Sale-Plakate zu sehen sind», sagt Grütter. Nicht zu jenen Leuten zählt eine junge Frau, die als Kindergärtnerin in Fulenbach arbeitet, sich gerade mit Bastelmaterial eindeckt und die Neuigkeit mit Bedauern quittiert: «Ihr werdet fehlen – in der Umgebung gibt es nichts dergleichen», Und zum Internet? «Nach Möglichkeit schaue ich mir die Sachen lieber vor Ort an als online. Hier kann man die Ware anschauen und anfassen. Oder sich Inspirationen und Ratschläge holen.»

«Wir haben unsere Arbeit hier gern gemacht.»

Den März haben sich Rita Merkt und Theres Grütter reserviert, um den Laden auszuräumen. Ein Nachfolgemieter ab April sei noch nicht in Sicht, informiert Grütter. Immerhin: Merkt ist bereits im Pensionsalter, während Grütter noch ein Jahr bis dahin überbrücken muss: «Aber das wird schon gehen. Als Verkäuferin lernt man das Sparen früh.»

Eine dritte Mitarbeiterin befindet sich ebenfalls im Pensionsalter, während sich die vierte nach einer neuen Stelle umsehen muss. Pläne für die Zeit nach dem «Bastelparadies» haben Grütter und Merkt noch keine. «Zuerst geht es darum, dieses Kapitel abzuschliessen», sagt Grütter. Wohl nicht nur organisatorisch: «Wir haben unsere Arbeit hier gern gemacht.»

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