Ein Kran ist uns wieder erwachsen. Und was für einer! Schön hoch, mit weitem Ausleger, alles schön in Gelb. Und das mitten in unserer Stadt, genauer mitten in der Weberngasse. Da stand vor rund 70 Jahren schon mal einer, ganz in Grau, den Arm steil nach oben gerichtet. Damals schon altertümlich anzuschauen – dass man den nicht gleich unter Heimatschutz gestellt hat?

Das erweckt mannigfaltige Erinnerungen und die Frage: War es früher besser? Im Zusammenhang mit Bauen steigt alsogleich ein Zitat aus dem Götz von Berlichingen auf. Nein, nicht was sie denken, sondern: Wo viel Licht ist, ist auch starker Schatten, in der Fassung des Münchener Volkssängers Karl Valentin: Selten ein Schaden, wo nicht ein Nutzen. Oder auch: wo gehobelt wird, fallen Späne.

Es beruhigt, zu sehen, dass in der Stadt investiert, aus-, weiter- und neugebaut wird. Weniger beruhigend wirkt dies temporär auf die, welche rund um die Baustelle wohnen oder arbeiten oder beides. Die gehören dann zu den oben zitierten Schatten respektive Hobelspänen.
So lange ein Ende abzusehen ist und die Ausführenden Sorge zur Baustelle tragen, ist die Bauerei erträglich. Auch wenn man versucht ist zu sagen: Früher ging es uns gut, heute geht es uns besser; es wäre besser, wenn es uns wieder gut ginge. Und doch: Die Baustelle wird sauber gehalten, Staub so weit möglich vermieden oder gedämpft – ein Lob den Bauarbeitern! So ist zu hoffen, dass das «Flora», die Quartierbeiz der Hingergässler, unter neuer Leitung eben wiedereröffnet, keine allzu grossen Einbussen erleidet.

Zu bewundern gilt es die Fahrkünste der Lastwagenchauffeure, seien es nun die Mannen von der Ghüderabfuhr oder die mit den grossen Welakimulden (kommt von wechseln-laden-kippen) auf ihren vierachsigen Gefährten. Die Verhältnisse sind eh schon eng. Das hält viele Auto- und Velofahrer nicht davon ab, ihre Gefährte einfach hinzustellen, wo es ihnen gerade passt. Hauptsache, man muss drei Schritte weniger weit gehen. Ist es gedanken- oder rücksichtslos?

Aufgelockert wird das Bild durch reihenweise gelbe, weisse und braune Postverteilerautos, die jeweils einige wenige Pakete ausliefern. Auch wenn heute mehr Pakete versandt werden, denkt man: So weit haben wirs gebracht. Braucht›s alle die Verteilerfahrzeuge? Früher schritt der uniformierte Pöstler mit dem nachts aufgeladenen Elektrowagen aus. Derart fortschrittlich war die Post damals! Die grösseren Stücke wurden mit dem Einspänner auf Gummirädern gebracht, die schweren grossen mit dem Zweiergespann vor dem Pritschenwagen mit eisenbeschlagenen Rädern. Von diesen Camionneuren lernte seinerzeit der heutige Stadtbummler alle die Wörter, die damals noch nicht im Wörterbuch und in der Zeitung standen – auch das hat sich geändert.