Reformierte Kirchgemeinde Solothurn

Ein Solothurner Pfarrer probt den Aufstand

Die reformierte Kirche steht zumindest für den Pfarrer von Bellang nicht mehr ganz im Dorf

Die reformierte Kirche steht zumindest für den Pfarrer von Bellang nicht mehr ganz im Dorf

Die Reformierte Kirchgemeinde Solothurn passt ihre Strukturen an und benötigt dazu eine revidierte Gemeindeordnung. Doch Pfarrer Hermann Gilomen von der Pfarrstelle Bellach ruft öffentlich zur Ablehnung der neuen Ordnung auf.

Am 12. Dezember befindet die Reformierte Kirchgemeinde Solothurn über eine neue Gemeindeordnung. Einer der acht Pfarrpersonen, welche die Reformierten in insgesamt 14 politischen Gemeinden der Bezirke Solothurn und Lebern betreuen, empfiehlt in einem «Azeiger»-Inserat ein «Nein» zur neuen Gemeindeordnung. «Volksrechte sichern» will Pfarrer Hermann Gilomen von der Pfarrstelle Bellach mit seiner Aktion «Kirche und Demokratie».

Der heikle Punkt

Barbara Fankhauser, Präsidentin der Reformierten Kirchgemeinde Solothurn seit 2005, begründet das Vorlegen einer neuen Gemeindeordnung mit zahlreichen redaktionellen Änderungen, neuen Benennungen von Funktionen, die ebenso übernommen werden müssen wie übergeordnetes Recht des Kantonalen Gemeindegesetzes, das seit 1992 viele Veränderungen gebracht habe.

«Berücksichtigt werden musste aber auch die Kirchenordnung der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn.» Auch habe man die Strukturen anpassen wollen, und beispielsweise auf bisherige Kommissionen verzichtet, um den zunehmenden Rekrutierungsschwierigkeiten der Miliz-Organisation Reformierte Kirchgemeinde zu begegnen.

Der Punkt, dem Pfarrer Gilomen kritisch begegnet, ist allerdings ein wesentlicher: Neu soll der Kirchgemeinderat die Kompetenz zur Pfarrwahl erhalten, statt wie bisher die Basis an der Urne. Für Barbara Fankhauser geht es dabei um eine griffigere Personalführung im Kirchgemeinderat.

Immer noch gut geschützt

Bisher waren in der Reformierten Kirchgemeinde Solothurn lediglich stille Wahlen Usanz. Das heisst: Eine Pfarrperson war zur (Wiederwahl) für eine vierjährige Amtsperiode vorgeschlagen. «Einen Zweiervorschlag gabs bei uns soweit ich mich erinnern mag nie», meint Barbara Fankhauser. Eine Abwahl ist theoretisch möglich, allerdings ist die Hürde hoch: 50 Prozent aller am Urnengang mitmachenden Stimmberechtigten – dafür kommen sämtliche Reformierten von 14 politischen Gemeinden von Selzach bis Günsberg infrage – müssten beim Namen einer Person leer einlegen. Doch bei stillen Wahlen kommt es mangels Alternativvorschlägen zu gar keinem Urnengang. «Von einer Volkswahl kann man also nicht reden», so Fankhauser.

Anders sieht es dagegen aus, wenn der Kirchgemeinderat das Sagen hat: Er könnte gezielt eine Pfarrperson abwählen. «Doch die Hürden sind auch bei der neuen Regelung hoch. Die Pfarrpersonen bleiben im Beamten-Status angestellt. Und dieser schützt extrem», betont die Kirchgemeindepräsidentin. Sicher würden keine willkürlichen Entscheide gefällt, abgesehen davon hätten betroffene Stelleninhaber umfassende Rekursmöglichkeiten.

Fazit von Barbara Fankhauser: «Wir haben die Revision der Gemeindeordnung umfassend und seriös mit allen Gremien, auch allen Pfarrpersonen angeschaut und erarbeitet. Von unseren acht Pfarrpersonen stehen sieben hinter der Totalrevision.»

Tritt Gilomen am 3. Dezember auf?

Hinter der Erarbeitung der revidierten Gemeindeordnung steht mit dem Geschäftsführer des Verbandes der Solothurner Einwohnergemeinden, Ulrich Bucher, ein ausgewiesener Fachmann der komplexen Materie. Diese wird den reformierten Stimmberechtigten übrigens am Montag, 3. Dezember, ab 19.30 Uhr über eine Informationsveranstaltung im Kirchgemeindehaus an der Areggerstrasse in Solothurn nähergebracht.

Ob sich dann Pfarrer Hermann Gilomen äussern wird, oder ob er seinen Standpunkt erst an der Kirchgemeindeversammlung vom 12. Dezember ab 20 Uhr am selben Ort darlegen wird, war gestern jedenfalls nicht zu erfahren. Gilomen hat sich bis zum Wochenende in die Ferien abgemeldet und war deshalb gestern nicht zu erreichen.

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