In der dunklen Zeit das Licht finden – dies waren Denkanstösse, mit denen Pfarrerin Alexandra Flury-Schölch die Versammlung der reformierten Kirchgemeinde passend zur Weihnachtszeit einleitete. Licht ins Dunkel brachte in einem ganz anderen Sinne auch Barbara Fankhauser, die den Kirchgemeinderat präsidiert. Zu den wichtigen Geschäften des Abends zählte nämlich der Fall Hermann Gilomen.

Zur Erinnerung: Ende Oktober war der Bellacher Pfarrer vom Kirchgemeinderat nicht mehr wiedergewählt worden. Im reformierten Gemeindeblatt war seitens Kirchgemeinderat festgehalten worden, dass «eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr zumutbar» sei, auch aus Sicht des Synodalrats Bern-Jura-Solothurn und einer unabhängigen Administrativkommission.

Mit Information gegen Gerüchte

Zwar hatte Fankhauser auch am Dienstagabend den schmalen Grat zwischen Persönlichkeits- und Datenschutz einerseits und dem Informationsanspruch der Öffentlichkeit andererseits zu beschreiten – und: den Gerüchten oder einer allfälligen medialen Schlammschlacht den Riegel zu schieben. Gerade das Gerücht, die neue Gemeindeordnung sei nur deshalb eingeführt worden, um den «Rauswurf» von Pfarrer Gilomen zu erleichtern, wies Fankhauser dezidiert zurück.

Anlass dazu hatte die Revision der Gemeindeordnung gegeben: So liegt neu die Kompetenz, Pfarrer zu wählen oder nicht zu wählen, nicht mehr bei der Kirchgemeinde, sondern beim Kirchgemeinderat. Und genau diese Revision hatte Gilomen vergeblich bekämpft.

Konfliktkurs war nicht auszuhalten

«Die Nichtwiederwahl ist für viele Gemeindemitglieder überraschend gekommen», hielt Fankhauser fest, weswegen sie sich auch verpflichtet sah, das Thema – soweit juristisch möglich – auch an der Kirchgemeindeversammlung zu beleuchten. Probleme seien seit 1993 bekannt, stets hätte man auch durch Mediationen und Gespräche versucht, diesen Herr zu werden.

So auch im Zeitraum 2011 und 2012, als ein vermittelnder Theologe eingeschaltet wurde. «Wenn man sich ständig auf einem Konfliktkurs bewegt, lässt sich das irgendwann nicht mehr aushalten», so Fankhauser. «Letztlich war die Trennung die einzige Lösung – auch wenn ein solcher Entscheid immer nur Verlierer zurücklässt.»

Ebenso betonte Fankhauser, dass man keine menschlichen Vorbehalte gegen Gilomen habe. Der Rat habe sich mit Informationen zurückgehalten, um die weiteren Berufsperspektiven für Hermann Gilomen nicht zu gefährden. Zumindest konnte man in Sachen Dienstwohnung nach einer Schlichtung eine einvernehmliche Lösung finden: Bis März 2014 darf Gilomen dort weiterhin wohnen. Für Barbara Fankhauser ein versöhnliches Signal: «Es lässt hoffen, gerade in der weihnachtlichen Zeit.» Die Pfarrstelle, die interimistisch von Katrin Bardet besetzt wird, soll indes bereits im Januar neu ausgeschrieben werden.

«Guter Prediger und Schreibtischarbeiter»

Das Gemeindevolk äusserte sich ambivalent über den Fall Gilomen. Einer der 49 anwesenden Stimmberechtigten habe den Pfarrer an mehreren Abdankungen als sehr einfühlsamen Menschen erlebt. Eine in den Pfarreiaktivitäten involvierte Bellacherin relativierte aber das positive Bild: «Ich arbeitete gut 15 Jahre lang mit Gilomen zusammen, bis ich keine Kraft mehr hatte.»

Dabei habe ihm ein anfänglich personenstarkes Team bei der seelsorgerischen Arbeit viel unter die Arme gegriffen: «Er war ein guter Prediger und Schreibtischarbeiter», habe es aber an der persönlichen Betreuung gerade in schwierigen Lebenslagen mangeln lassen. Auch hätten ihn die Bellacher selbst kaum gewählt, die Stimmen seien – nach der alten Gemeindeordnung – aus anderen Kreisen gekommen.

Sanierungen mit 568 000 Franken

Weiter legte Kirchgemeindeverwalter Richard Hürzeler die Kennzahlen des Voranschlags 2014 zur Abstimmung vor, ebenso wie die anstehenden Investitionen. Der Kirchensteuerfuss beläuft sich somit nach wie vor auf 16 Prozent. Auch die Personalsteuer bleibt mit zehn Franken unverändert. Dies trotz eines Aufwandüberschusses von 188 255 Franken, der sich über das Eigenkapital finanzieren lässt. Schmerzhaft schlägt mit einem Minderertrag von 201 900 Franken auch der Finanzausgleich zu Buche.

Auch dürfte an den Liegenschaften der fünf Gemeindekreise einiges an Sanierung anfallen. Allen voran die nötige Dachsanierung der Stadtkirche Solothurn, die mit brutto 400 000 Franken veranschlagt ist. Laut Hürzeler seien bei einem Wassereinbruch im letzten Winter die Mängel des Unterdachs aufgefallen. «Das Wasser lief in die Mauern und in den unteren Stock.» Dieses undichte Dach muss nun ersetzt werden. Die bisherigen – kantonsweit offenbar einzigartigen Mönchs- und Nonnenziegel werden aber weiterverwendet.

Ebenso wie diesem Geschäft gaben die Stimmberechtigten auch den anderen Investitionsbegehren grünes Licht: so der Sanierung des Pfarrhauses Selzach, dem Planungskredit für eine fällige Totalsanierung des Pfarrhauses Bellach, ferner anfallende Renovationen an den Kirchgemeindehäusern in Riedholz und Lommiswil. Ohne Stadtkirche belaufen sich die restlichen Investitionen auf total 168 000 Franken.