Alles passte am 4. September zusammen: Strahlender Sonnenschein, gut gelaunte Organisatoren und Standbetreiber, viel Volk in der Vorstadt, das sich schon am Vormittag am prächtigen Alpabzug ergötzte. Der Chästag spülte wahre Rekordmengen Leute auf den Dornacherplatz, Rossmarktplatz und in die angrenzenden Gassen. Er spülte aber auch viel Geld in die Kassen. Doch in der Nacht, als sich das grosse Fest zu Ende neigte, folgte ein Schock: Beim Münzchef zu Hause waren fünf «zwischengelagerte» Kassetten mit Tageseinnahmen nach einem Einbruch abhandengekommen, berichtete «Radio32» am Donnerstag.

Weitere «tausende von Franken» waren laut einer späteren Polizeimeldung beim Aufbruch eines Autos auf dem Dornacherplatz geklaut worden. Vom bedeutend grösseren Verlust in der Wohnung nahe des Chästag-Areals war bisher noch nichts bekannt geworden. «Wir wissen nicht, um wie viel Geld es sich handelt», meint OK-Mitglied Pia Studer, während OK-Präsident Hans Neeracher immerhin eine Schätzung vornimmt: «Es dürfte um 20 000 bis 30 000 Franken gehen.»

War Insiderwissen dabei?

Beide OK-Mitglieder glauben, dass die Täterschaft die Abläufe rund um den Chästag gekannt, ja gut gekannt hat. Ob sich «Profis» vor Ort den Tag hindurch schlau gemacht und dann am Abend zugeschlagen haben, ist die eine Spekulation. Ob sogar im Umfeld des OKs eine Täterschaft oder Informanten mit Insiderwissen zu suchen sind, eine andere. Der Mediendienst der Kantonspolizei verweist einerseits auf den Zeugenaufruf vom 9. September, wonach einem Aussteller am Chästag beim Autoaufbruch zwischen 20 und und 0.30 Uhr «mehrere Tausend Franken» abhanden gekommen sind.

Geschädigt wurde jedoch eine andere Person als beim Hauseinbruch, wo die OK-Einnahmen verschwunden waren. Man habe aus ermittlungstaktischen Gründen den Einbruch bis jetzt nicht mitgeteilt, bestätigt Melanie Schmid vom Mediendienst auf Anfrage. Es habe sich aber nachweislich um einen Einbruch gehandelt. Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Hauseinbruch und dem Autoaufbruch gibt, sei überprüft, aber bisher nicht festgestellt worden. «Die Ermittlungen sind aber weiter im Gange.»

Wie soll es weitergehen?

Auch wenn ein Teil der Einnahmen nicht vor dem Raub bewahrt blieb, steht das OK, das sich aus der Organisation des Bucheggberger Märets auch für den Chästag herausgebildet hat, vor einem riesigen Scherbenhaufen. «Es war deprimierend. Wir waren schockiert», erinnert sich OK-Präsident Hans Neeracher an das brutale Ende des sonst so schön verlaufenen Chästags. Pia Studer, die ihre Motivation auf einem Tiefpunkt sieht, hat sich seither mehrfach geschworen: «Das wars. Nie mehr Chästag!» Um dann doch wieder zu überlegen, wie er zu retten wäre – mit einer Spendenaktion vielleicht. «Wenn jeder der 15 000 Besucher einen Franken gäbe, wäre der nächste Chästag schon gerettet.»

Vorerst aber gilt es abzuwarten, was die tatsächlichen Folgen sind. Im schlimmsten Fall droht dem OK ein Konkurs – die Rechnungen würden nun täglich ins Haus flattern, so Pia Studer. «Zumindest die externen Lieferanten können wir wohl bezahlen», beurteilt Hans Neeracher die Situation etwas rosiger. Die internen Leistungen sind allerdings ein anderes Thema. «Die Helferinnen und Helfer können wir nicht entlöhnen», sind sich Studer und auch Neeracher einig. Dass das Geld oder ein Teil wieder zum Vorschein kommt, glaubt der OK-Präsident nicht: «Wir werden es wohl ans Bein streichen müssen.»

Neues OK mit neuem Geld?

Fakt ist auch, dass das OK über keine Reserven mehr verfügt, um überhaupt an eine Neuauflage des Chästags zu denken. «Wir hatten vor der diesjährigen Durchführung nicht ganz 10 000 Franken beisammen, was knapp für die Vorleistungen ausreichte.» Für Hans Neeracher ist demnach ohne einen «Stock» von 10 000 bis 15 000 Franken gar nicht an einen weiteren Chästag zu denken. «Wir werden deshalb in den nächsten Wochen das Gespräch mit der Stadt und Stadtpräsident Kurt Fluri suchen, aber auch mit dem Bauersekretariat und Peter Brügger, sowie der Organisation ‹Das Beste der Region», die uns bisher unterstützt hat.»

Neues Geld ist allerdings nicht das einzige Ziel, das Hans Neeracher anpeilt. «Wir brauchen ein breiter abgestütztes, professionelleres OK, vielleicht auch mit Leuten von der Stadt.» Denn der stetig grösser werdende Publikumsandrang – aus den 5000 Chästag-Fans noch vor zwei Jahren sind inzwischen 15 000 geworden - habe das OK völlig an den Anschlag gebracht. «Wir waren am Abend alle nur noch erschöpft» – und bald darauf tief deprimiert.

Zwischen 20'000 und 30'000 Franken bei Solothurner Chästag gestohlen

TeleM1-Bericht