Solothurn

Ein Rundgang durch Geschäfte, wo noch «geschäftet» wird

Wie facettenreich Solothurn ist, zeigt sich – auch am Angebot der Stadtführungen. Die neueste von Region Solothurn Tourismus widmet sich einem Thema, das vielleicht Einheimische noch eher als Auswärtige ansprechen könnte: «Lädeli & Stadtgeschichten».

Diversen Geschäftsschliessungen und lokalen Ängsten einer Endzeitstimmung zum Trotz: Die Läden und Lädeli, die Hoffnung machen – es gibt sie. «Kaufen kann man heute zwar per Knopfdruck, vor dem Computer», sagt Susanne Im Hof, die als Stadtführerin für «Amtskolleginnen» und «Amtskollegen» den Testlauf durchführt. Und dieser zweistündige Streifzug durch die Altstadt führt an jene vier Schauplätze, wo eben noch erfolgreich «gschäftet» wird – und das «Gschäften» auch früher dazugehörte.

Mehr ein Künstleratelier

Beispielsweise in der Blumenbinderei Flores von Heidi Bisang, wo die Gestecke – vor der Hitze geschützt – kunstvoll Form annehmen. «Dies ist für mich auch deshalb eher ein Künstleratelier als ein blosses Blumengeschäft», lobt Im Hof das Geschäft, das in dieser Form seit 2008 besteht. «Unsere Philosophie zielt auf natürliche, saisonale und regionale Floristik», erklärt Bisang der anwesenden «Testgruppe». Dass das Business trotz Erfolg nicht nur einfach ist, geht aus den Anforderungen an das «Flores»-Personal hervor: «Es braucht eine schnelle Auffassungsgabe, Kreativität, Kontaktfreudigkeit, eine rechnerische Begabung und – einen starken Rücken», listet Bisang auf.

Mit wachem Geist streut Susanne Im Hof Anekdoten und kleine historische Versatzstücke hinein. Beispielsweise, dass das benachbarte patrizische Von-Roll-Haus «à la française» gebaut wurde: Vorne auf der sonnigen Südseite die Schaufront, dann das Innenhöfli und rückseitig die Stallungen und Unterkünfte der Bediensteten. Ach ja: Von eben jener sonnigen Schaufront aus soll Maria Anna Ludovica dem in der «Krone» weilenden Casanova schöne Augen gemacht haben. Sie habe ihm mit einem Fächer wohlwollende Signale übermittelt, «weniger verräterisch als ein SMS», wie Im Hof augenzwinkernd kommentiert.

Zum Einkaufen gehört Erleben

Zweite gewerbliche Station der Führung: der «Chuchilade», den zustimmend nickenden Kollegen von Susanne Im Hof auch als ehemaliges AEK-Elektrogeschäft bekannt. Auch hier ein Innenhof – mit Hoflaterne – der zur Ladenfläche mit Oblicht umgestaltet worden war. Derweil spricht Daniel Wagmann als «Chuchilade»-Inhaber von der Gegenwart und Zukunft der «Gustatorik» und zeigt auf die riesige «Haute Cuisine»-Kochinsel für Events und Workshops. Diese steht mitten im Raum symbolisch dafür, dass zum Einkaufen auch das Erleben gehört – je länger, je mehr. «Ausserdem prüfen wir die Produkte für die Kunden. Wer online einkauft, kann das selbst nicht machen», so Wagmann. Gleichzeitig pflege man auch auf der Online-Plattform den regen Kundenkontakt – beispielsweise durch die Möglichkeit, per Kundenchat Fragen zu stellen. Das eine tun, das andere nicht lassen.

«Tante-Emma-Ambiente»

Über den früheren Stadtbach und vorbei an mehreren Stadtbrunnen und Insignien städtischer Zünfte, die nicht unkommentiert bleiben, macht die Führung an der Hauptgasse 36 Halt. Reichliches «Tante-Emma-Ambiente» heisst die Teilnehmer bei Urs Jeger willkommen. «Wir haben die älteste Schaufensteranlage der Stadt», kommentiert der Gastgeber stolz. Ganz zu schweigen die Inneneinrichtung aus dem verkannten 19. Jahrhundert: Gerade für Denkmalschützer ist der als Kolonialwarengeschäft angeschriebene «Cherzenjeger» deshalb ein bedeutsamer, weil seltener kulturhistorischer Schrein.

Die Zielgerade der Führung befindet sich quasi auf «römischem Boden» des ehemaligen Castrums – besser bekannt als Stalden. So biegt die Gruppe auf den Friedhofplatz ein, um im «Lila»-Geschenkeladen von Nadja von Arx empfangen zu werden. Vor neun Jahren gründete von Arx nach den beruflichen Ausstieg aus dem Bankenwesen den Laden an der Goldgasse und machte «so das Hobby zum Beruf.» Seit drei Jahren nun befindet sich ihr Geschäft, das zum Schenken anregt, neben dem Söitöri.

Offen für Weiterentwicklung

Erarbeitet wurde die Führung im Plenum der Stadtführerinnen und Stadtführer. Wie Corina Ruchti als Verantwortliche für diesen Geschäftsbereich des Tourismusbüros erwähnt, wird die Führung zunächst mit diesen vier Geschäften lanciert. «Die Idee wäre, das Ganze weiterzuentwickeln», so Ruchti. Will heissen, dass zu einem späteren Zeitpunkt auch andere interessierte Läden in die Führung eingebunden werden. «Letztlich ist auch vorstellbar, dass man den Anlass auf die Wünsche und Interessen der jeweiligen Gruppe abstimmt.» Beworben wird das neue Angebot im Übrigen auch von Seiten der Solothurn Services, die den Seminarbereich verantworten.

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