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«Ein Riesenverlust für Solothurn»: Kunden bedauern Schliessung von Manor Food

Letztmals brummt Manor Food an Ostern – die Kundschaft betrauert das baldige Ende des Einkaufsangebots in der Schanzmühle in Solothurn.

Wolfgang Wagmann
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Am Samstagabend des 7. Aprils schliesst Manor Food seine Pforten in der Schanzmühle definitiv.

Am Samstagabend des 7. Aprils schliesst Manor Food seine Pforten in der Schanzmühle definitiv.

hanspeter baertschi

Der ganz normale Einkaufsboom vor Ostern. Auf dem Laufband stapeln sich die Lebensmittel. Erst bei 340 Franken und ein paar Zerquetschten bleibt die Kassenanzeige stehen. Nochmals hat die Kundin bei Manor Food so richtig zugeschlagen. Bald ist damit Schluss.

Am Samstagabend, 7. April, endet die bald 20-jährige Schanzmühle-Story des Solomarkts und nachmaligen Manor Food. Die Züglete ins Altstadt-Warenhaus ist nicht zustande gekommen, im letzten August wurde das Ende auch für 50 Arbeitsplätze verkündet.

In der Charcuterie hilft nun der gelernte Koch Thomas Schenk die letzten Tage aus. «Dann helfe ich noch beim Aufräumen.» Bis im Juni. Ja, er werde von der Kundschaft schon auf das Ende angesprochen. Und allseits herrsche Bedauern.

Manor Food wird 2018 nicht in die Altstadt von Solothurn verlegt
8 Bilder
Manor Food an der Schanzmühle gibts nur noch bis über Ostern 2018
Bald Vergangenheit - Manor Food in Solothurn
Bald ist das Dolce Vita in Solothurn vorbei
So sieht es auch ohne Food-Lieferungen jetzt schon hinter dem Manor Warenhaus in der Altstadt aus
In der St. Urbangasse ists für Anlieferungen ohnehin schon sehr eng.
Hier an der Gurzelngasse kann auch nicht wie gewünscht angeliefert werden
Diese Ecke wird entfernt und macht 200 Quadratmetern Verkaufsfläche Platz

Manor Food wird 2018 nicht in die Altstadt von Solothurn verlegt

Wolfgang Wagmann

«Gehe nicht in die Stadt»

«Sehr schade» findet die Geschäftsfrau Silvia Branger das Ende von Manor Food, «ich habe hier regelmässig eingekauft. Das Sortiment war sehr gut, vor allem beim Fisch.» Auch seien die Parkierungsmöglichkeiten ideal gewesen.

«Wenn hier Schluss ist, gehe ich nicht in der Stadt einkaufen. Das ist mir zu umständlich», meint die Kundin, für die das Einkaufen unter Zeitdruck «ein Muss» ist. Deshalb wird sie nach Langendorf ins Migros Ladendorf oder den dortigen Coop ausweichen, wo es Parkplätze vor der Türe hat.

Andi Gygli, Koch «Hier gab es alles, was das Herz eines Kochs höher schlagen lässt.»

Andi Gygli, Koch «Hier gab es alles, was das Herz eines Kochs höher schlagen lässt.»

Wolfgang Wagmann

«Ich finde es traurig. Die Auslagen waren immer sehr schön und hier gab es alles, was das Herz eines Kochs höherschlagen lässt», verweist Andi Gygli auf das Angebot in Sachen Fisch, Fleisch und Gemüse bei Manor Food.

«Ich kann das nicht verstehen, es hatte doch immer viele Kunden hier.» Und dann erinnert sich der Solothurner Koch: «Hier habe ich vor Jahren meinen ersten Truthahn geholt.» Nein, eine Alternative für ihn sei nur der Märet, «aber der findet nicht jeden Tag statt.»

«Schon ein bisschen doof»

Ein Pulk Jugendlicher trippelt zielstrebig die Rampe zum Eingang hinauf. Darunter auch die Kanti-Schülerinnen Leonie Mosimann und Nubyia Baio. «Zwei-, dreimal in der Woche kommen wir hier vorbei.» Vor allem wegen der Pizza. «Das Essen ist fein und nicht so teuer wie in der Mensa», erklärt das Duo. «Und man muss nicht so lange anstehen», findet Baio.

Angesprochen auf das baldige Ende der Verpflegungsmöglichkeit zucken die beiden mit den Schultern. «Wir müssen uns halt damit abfinden. Aber das Ganze ist schon ein bisschen doof.» Was Manor Food künftig ersetzen soll, wissen sie nicht. Hunderten von Kolleginnen und Kollegen dürfte es ähnlich ergehen.

Lidl hält sich bedeckt

Was nach Manor Food kommen soll, ist in vier Buchstaben zusammengefasst klar: Lidl. Doch das ist schon fast alles, was über die Pläne des deutschen Discounters in Solothurn bekannt wird.

Auf unsere Nachfragen, ob man nun den Standort Schanzmühle übernehme und auf wann, wie das Konzept aussehe oder wie viele Mitarbeitende beschäftigt werden, gab es bei der Medienstelle von Lidl Schweiz ebenso wenig Antworten wie auf die Frage, ob das jetzige Parkplatzkonzept beibehalten werde. Die Parkplatzbewirtschaftung obliegt nicht Manor, sondern der Liegenschaftenbesitzerin, der kantonalen Pensionskasse Solothurn. Und so hatte das rigide Parkplatzbewirtschaftungs-System immer wieder zu Kunden-Reklamationen geführt.

Nun. Lidl Schweiz liefert zu allem lediglich ein knappes Statement: «Wir haben für diesen Standort mit der Pensionskasse Solothurn einen Mietvertrag abgeschlossen. Da wir uns noch im Bewilligungsverfahren befinden, können wir Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt leider keine weiteren Informationen zur Verfügung stellen.» (ww)

«Das ist ein Riesenverlust für Solothurn», findet der Bellacher Fritz Rickli. Er bezeichnet sich als Gelegenheitskunde und will mit seiner Frau Kathrin noch einmal das Einkaufsvergnügen hier geniessen. Vor allem der Fisch hat es ihm angetan, aber auch das Brot. «Es bedauern alle die Schliessung», so Rickli, der sich angesichts des baldigen Endes noch nach günstigen Wein-Angeboten umsehen wollte.

Doch damit dürfte es kaum etwas werden. Denn Manor zügelt die Weine und Spirituosen ins Warenhaus an der Gurzelngasse. Dafür plagt Fritz Rickli noch ein anderes Problem: «Wo kaufe ich künftig meine Mortadella?»

«Lauter Schreibtischtäter»

Italienische Spezialitäten, darunter die schönen Weine vom Stiefel, hat auch Roland Schatzmann in der Schanzmühle stets geschätzt. Aber von der Verlegung der Wein-Abteilung ins Stadt-Warenhaus hält er wenig: «Wer läuft dort schon mit mehreren Flaschen herum?» Solchen Fisch wie im Manor gebe es in Solothurn nirgends, betrauert Schatzmann ebenfalls die baldige «Verarmung» des Food-Angebots in der Stadt.

Der inzwischen 87-jährige ehemalige ABM-Direktor – er führte zuletzt die damals beliebte Filiale an der Wengistrasse – übt harsche Kritik an der Manor-Führung und ihren Entscheiden. Der geplante Umzug des Food-Bereichs in die Altstadt sei nie machbar gewesen – das habe ihm auch ein ehemaliger Manor- respektive Nordmann-Direktor bestätigt, der noch die Zeiten erlebt hatte, als das Warenhaus bis 1998 eine Food-Abteilung im Sous-Soul besass.

Doch heute sässen in der Chef-Etage «lauter Schreibtischtäter, die vom Detailhandel nichts verstehen», ist Roland Schatzmann überzeugt. «Hier in der Schanzmühle gab es immer genug Platz. Und anstelle des Restaurants, das schlecht lief, hätte ich mehr Non-Food-Waren platziert. Die Frequenz war generell hoch, es kauften viele Frauen ein. Und Artikel wie Strumpfhosen und Ähnliches für den täglichen Bedarf wären sicher gut gelaufen.»

Denn Schatzmann kennt die Tücken des Food-Geschäfts bestens: In den 13 Jahren als Direktor von ABM Luzern hatte er dort die kaum rentable Food-Abteilung aufgelöst: «Danach verdienten wir Geld!»