Der ganz normale Einkaufsboom vor Ostern. Auf dem Laufband stapeln sich die Lebensmittel. Erst bei 340 Franken und ein paar Zerquetschten bleibt die Kassenanzeige stehen. Nochmals hat die Kundin bei Manor Food so richtig zugeschlagen. Bald ist damit Schluss.

Am Samstagabend, 7. April, endet die bald 20-jährige Schanzmühle-Story des Solomarkts und nachmaligen Manor Food. Die Züglete ins Altstadt-Warenhaus ist nicht zustande gekommen, im letzten August wurde das Ende auch für 50 Arbeitsplätze verkündet.

In der Charcuterie hilft nun der gelernte Koch Thomas Schenk die letzten Tage aus. «Dann helfe ich noch beim Aufräumen.» Bis im Juni. Ja, er werde von der Kundschaft schon auf das Ende angesprochen. Und allseits herrsche Bedauern.

«Gehe nicht in die Stadt»

«Sehr schade» findet die Geschäftsfrau Silvia Branger das Ende von Manor Food, «ich habe hier regelmässig eingekauft. Das Sortiment war sehr gut, vor allem beim Fisch.» Auch seien die Parkierungsmöglichkeiten ideal gewesen.

«Wenn hier Schluss ist, gehe ich nicht in der Stadt einkaufen. Das ist mir zu umständlich», meint die Kundin, für die das Einkaufen unter Zeitdruck «ein Muss» ist. Deshalb wird sie nach Langendorf ins Migros Ladendorf oder den dortigen Coop ausweichen, wo es Parkplätze vor der Türe hat.

«Ich finde es traurig. Die Auslagen waren immer sehr schön und hier gab es alles, was das Herz eines Kochs höherschlagen lässt», verweist Andi Gygli auf das Angebot in Sachen Fisch, Fleisch und Gemüse bei Manor Food.

«Ich kann das nicht verstehen, es hatte doch immer viele Kunden hier.» Und dann erinnert sich der Solothurner Koch: «Hier habe ich vor Jahren meinen ersten Truthahn geholt.» Nein, eine Alternative für ihn sei nur der Märet, «aber der findet nicht jeden Tag statt.»

«Schon ein bisschen doof»

Ein Pulk Jugendlicher trippelt zielstrebig die Rampe zum Eingang hinauf. Darunter auch die Kanti-Schülerinnen Leonie Mosimann und Nubyia Baio. «Zwei-, dreimal in der Woche kommen wir hier vorbei.» Vor allem wegen der Pizza. «Das Essen ist fein und nicht so teuer wie in der Mensa», erklärt das Duo. «Und man muss nicht so lange anstehen», findet Baio.

Angesprochen auf das baldige Ende der Verpflegungsmöglichkeit zucken die beiden mit den Schultern. «Wir müssen uns halt damit abfinden. Aber das Ganze ist schon ein bisschen doof.» Was Manor Food künftig ersetzen soll, wissen sie nicht. Hunderten von Kolleginnen und Kollegen dürfte es ähnlich ergehen.

«Das ist ein Riesenverlust für Solothurn», findet der Bellacher Fritz Rickli. Er bezeichnet sich als Gelegenheitskunde und will mit seiner Frau Kathrin noch einmal das Einkaufsvergnügen hier geniessen. Vor allem der Fisch hat es ihm angetan, aber auch das Brot. «Es bedauern alle die Schliessung», so Rickli, der sich angesichts des baldigen Endes noch nach günstigen Wein-Angeboten umsehen wollte.

Doch damit dürfte es kaum etwas werden. Denn Manor zügelt die Weine und Spirituosen ins Warenhaus an der Gurzelngasse. Dafür plagt Fritz Rickli noch ein anderes Problem: «Wo kaufe ich künftig meine Mortadella?»

«Lauter Schreibtischtäter»

Italienische Spezialitäten, darunter die schönen Weine vom Stiefel, hat auch Roland Schatzmann in der Schanzmühle stets geschätzt. Aber von der Verlegung der Wein-Abteilung ins Stadt-Warenhaus hält er wenig: «Wer läuft dort schon mit mehreren Flaschen herum?» Solchen Fisch wie im Manor gebe es in Solothurn nirgends, betrauert Schatzmann ebenfalls die baldige «Verarmung» des Food-Angebots in der Stadt.

Der inzwischen 87-jährige ehemalige ABM-Direktor – er führte zuletzt die damals beliebte Filiale an der Wengistrasse – übt harsche Kritik an der Manor-Führung und ihren Entscheiden. Der geplante Umzug des Food-Bereichs in die Altstadt sei nie machbar gewesen – das habe ihm auch ein ehemaliger Manor- respektive Nordmann-Direktor bestätigt, der noch die Zeiten erlebt hatte, als das Warenhaus bis 1998 eine Food-Abteilung im Sous-Soul besass.

Doch heute sässen in der Chef-Etage «lauter Schreibtischtäter, die vom Detailhandel nichts verstehen», ist Roland Schatzmann überzeugt. «Hier in der Schanzmühle gab es immer genug Platz. Und anstelle des Restaurants, das schlecht lief, hätte ich mehr Non-Food-Waren platziert. Die Frequenz war generell hoch, es kauften viele Frauen ein. Und Artikel wie Strumpfhosen und Ähnliches für den täglichen Bedarf wären sicher gut gelaufen.»

Denn Schatzmann kennt die Tücken des Food-Geschäfts bestens: In den 13 Jahren als Direktor von ABM Luzern hatte er dort die kaum rentable Food-Abteilung aufgelöst: «Danach verdienten wir Geld!»