Solothurner Literaturtage

Ein riesengrosses Bücherregal namens Altstadt

Das Treiben der Literaturtage findet nicht nur «indoor» und frontal statt, sondern auch «outdoor» und interaktiv. Ein kleiner Rundgang zum Start am Freitag.

«Hesch grad e heisse Tipp?», bei dieser Begegnung zwischen zwei Bekannten in der Altstadt wird nicht nach Ratschlägen für Glacéstände und gute Badeplätze gefragt – obwohl das Wetter durchaus einen solchen Schluss zulässt. Nein, da haben sich zwei Besucher der Solothurner Literaturtage getroffen, um sich über das volle Programm an Lesungen, Workshops und Podien auszutauschen – oder über die Möglichkeiten, einfach mal in diesem Bücherregal namens Altstadt zu schmöckern.

So sind am Aaremürli Sonnenanbeter und Leseratten kaum auseinanderzuhalten. Buchautoren und solche, die es noch werden wollen, besteigen kleine Bühnen im Freien – Outdoor-Literaturgenuss dank Petrus’ Steilvorlage. Denn die Solothurner Literaturtage finden selbst bei Sonnenschein zwar auch, aber längst nicht nur «am Schärme» statt. Immerhin: Für Tickets anstehen geht im Schatten des Landhauses, aber bei weitaus angenehmeren Temperaturen als bei Väterchen Frost, der die Filmtage begleitet.

Eine Familienoase

Derweil tummeln sich im Kinderhort in der Jugi gleich nebenan die Bücherwürmer von morgen zwischen Kartonbuchstaben. Sie horchen der Geschichte des «Herrn Berg», die als japanisches Bildtheater daherkommt und zum Mitmachen einlädt. Sylvie Niederhäuser leitet den Kinderhort, der zum dritten Mal als Service und Programmpunkt angeboten wird. «Einerseits, damit die Eltern unterdessen eine Lesung besuchen können. Andererseits, damit die Kinder mit ihren Eltern hier in der ‹Familienoase› etwas erleben können. Beim Schminken, Basteln, Zeichen, Lesen, Zuhören.»

Düfte in Worte fassen

Mitmachen ist auch im Rittersaal gefragt, wo Teilnehmer der «Duftbar» unter Anleitung von Schriftsteller Tim Krohn der nicht einfachen Aufgabe nachgehen, Düfte assoziativ in Worte zu fassen. Unausgesprochen schwebt im Raum Patrick Süskinds Romanvorlage «Das Parfüm». Wenige mutige Wortkünstler trauen sich dieses Unterfangen zu.

Proppenvoll ist dafür die Cantina del Vino, wo mit Moderatorin Monika Schärer und der Entourage des Schweizer Radios viel Volk für die beliebte «Schnabelweid» Platz nimmt. Zusammen mit Mundartexperte André Perler sinnieren Autor Martin Frank («ter fögi isch e souhung») und Spoken-Word-Artistin Stefanie Grob über die Mundartliteratur. Und beweisen, dass die Literaturtage nebst allem anderen auch diese Ecke der Welt der Worte abdeckt.

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