Solothurn
«Ein Reisebüro bietet Sicherheit»: Wie «El Travel» dem Coronasturm zu trotzen versucht

Die Geschäftsführerin des Reisebüros El Travel erklärt, wie sie die Krise überstehen will und wie die Zukunft für die Branche aussehen kann.

Judith Frei
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Petra Hubler-Schäfer ist überzeugt, dass Reisebüros in Zukunft mehr benötigt werden.
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Das Reisebüro El Travel will der Coronakrise zu trotzen.
Dieses Badtuch heisst Solomare: Solothurn und Meer.
Dieses Badtuch Solosand. Damit will Hubler die Ferienstimmung nach Solothurn holen.

Petra Hubler-Schäfer ist überzeugt, dass Reisebüros in Zukunft mehr benötigt werden.

Michel Lüthi

«Ich will das El Travel sicher durch den Sturm navigieren», sagt die Geschäftsführerin, Petra Hubler-Schäfer. Sie sitzt in ihrem Reisebüro im Unteren Winkel. Immer wieder winkt sie vorbeigehenden Bekannten. Schon seit 2009 hat sie ihr eigenes Reisebüro, seit 2017 ist sie von Biberist nach Solothurn an die Prisongasse gezügelt.

«Mein Ziel war es, immer ein gutes und wirtschaftlich stabiles Reisebüro zu führen», sagt Hubler. Sie hat genug Arbeit, um neben ihrer Stelle noch eine weitere 100-Prozent Stelle zu finanzieren. «Wir haben auch regelmässig Schnupperlehrlinge und neuerdings auch Praktikanten», sagt Hubler. Es sei wichtig, auch den Jungen Starthilfe im Berufsleben zu geben.

«Für mich ist der Standort Solothurn lebenswert und ich möchte, wo es geht, auch einen gesellschaftlichen Beitrag leisten, sei es mittels Sponsorings oder mit der Arbeit in der Interessensgemeinschaft ‹Vorstadt Vielfalt›.»

Eine Branche, die mit dem Zeitgeist mitgeht

Nicht nur seit das Coronavirus die Welt veränderte, auch schon lange vorher stand die Branche vor Herausforderungen: Durch das Internet kann jeder seine Reise selber buchen. Trotzdem lief Hublers Geschäft gut. Sie bucht beispielsweise weltweit Reisen für junge Leute, die noch keine Kreditkarten besitzen, oder längere Sprachaufenthalte. «Es gibt nicht den prototypischen Kunden oder Kundin. Die Bedürfnisse der Kundschaft sind verschieden gelagert und wir gehen individuell auf diese ein.» Einige haben nicht die Zeit oder Lust, die Reise selbst zu organisieren, andere wollen sich durch ein Reisebüro absichern.

«Mit den meisten Kundinnen und Kunden habe ich zuerst ein Gespräch, um herauszufinden, was ihre Bedürfnisse sind», eine Dienstleistung, die online so nicht möglich ist. «Das Internet ist sicher gut für die Reisebranche, so laufen auch bei uns viele Systeme online, aber es muss auch noch Platz für die Reisebüros geben», sagt die Fachfrau. In dieser Krise hat es sich jetzt herausgestellt, dass ein Reisebüro Sicherheit bietet – sei es finanzieller Art oder wenn man direkt aus einer Notsituation herausgeführt werden muss. «Als es im März dann anfing mit den Grenzschliessungen, hatten wir richtig viel zu tun», sagt sie. Da ging es um Rückführungen Reisender in Übersee. El Travel hatte auch Leuten geholfen, die nicht über sie gebucht haben und irgendwo weit weg festgesteckt sind.

Kleine und grosse Reisebüros sind vor der Krise betroffen

Ob gross oder klein: Die Coronakrise trifft die Reisebüros hart. In der Stadt Solothurn gibt es viele grosse Büros wie Kuoni und Knecht Reisen. So informiert Knecht Reisen, dass sie Stellenabbau planen. Ob das hier in Solothurn geschehen wird, ist noch nicht klar, denn: «Wir erteilen zu einzelnen Verkaufsstellen, Abteilungen oder Marken der Knecht Reisegruppe keine detaillierten Angaben zu Anstellungsverhältnissen oder einem allfälligen Stellenabbau.» Der Mediensprecher von Kuoni erklärt, dass sie aktuell noch prüfen, wie «sie Kosten und Strukturen an den coronabedingten Umsatzrückgang anpassen». Kuoni will auch an ihrem «signifikanten Filialnetz» festhalten, denn Kuoni sei überzeugt, dass die Nachfrage nach Reisebüros steigen wird, denn jetzt sei Reiseberatung und eine risikolose Buchung wichtig. TUI hat auf die Anfrage nicht geantwortet.

24-Stunden-Hotline wird möglicherweise gefragt sein

Ähnlich schätzt das Heinz Schachtler ein. Er ist seit 29 Jahren Inhaber des Travellino Travel Shop Schatler an der Theatergasse und hat drei Mitarbeiter. Er habe die Fixkosten heruntergefahren und Anpassungen in den Öffnungszeiten vorgenommen. Auch er hat Kurzarbeit für seine Angestellten beantragt. Die Hauptaufgabe liegt heute darin, Stornierungen vorzunehmen. «So etwas habe ich in meiner fast 30-jährigen Karriere noch nie erlebt», meint er. Er könne noch wenige Ferien wie Hausboot oder Fahrradferien verkaufen, sonst sei keine Reiselust spürbar. «Es wäre ein sensationelles Jahr für uns gewesen», meint er enttäuscht. Aber auch er glaubt, dass seine Dienstleistung in Zukunft mehr gebraucht wird, da das Reisen mit den dynamischen Regelungen komplizierter wird. Er hat schon lange eine 24-Stunden-Hotline, die in Zukunft bestimmt mehr gewünscht wird. (jfr)

«Wir haben letztes Jahr drei Monate für nichts gearbeitet»

Seit April sind sie nun dabei, Reisen zu annullieren und auf nächstes Jahr umzubuchen. «Wir verdienen erst nach Abreise der Kunden etwas.» So werden sie an den im letzten Herbst verkauften Reisen nichts verdienen. «Wir haben letztes Jahr drei Monate für nichts gearbeitet», sagt sie ernüchtert. Auch heute habe sie viel Arbeit. «Wir verdienen einfach nichts daran.» Sie seien darum besorgt, dass ihre Kundschaft möglichst all ihr Geld wieder zurückbekommt, da müssen sie oft taktisch vorgehen. Heute werden schon noch Reisen gebucht. So hat sie kürzlich eine Reise nach Island und in der Schweiz verkauft.

«Reisen kann man heute schon. Ich würde eine Reise auf eine Insel in Europa empfehlen», meint die Geschäftsfrau. Es sei eine grosse Verunsicherung spürbar und es wird jetzt viel zögerlicher gebucht. Sie weiss auch nicht, wie lange die Situation noch anhält. «Die Reisebranche wird lange betroffen sein. Wahrscheinlich noch bis Ende 2021», sagt sie nachdenklich. Trotz den düsteren Aussichten macht sie einen gefassten und optimistischen Eindruck. «Die staatliche Unterstützung hilft uns und sie kam schnell und unkompliziert», sagt sie. «Es geht heute darum, die Fixkosten so gering wie möglich zu halten.» Auch der Vermieter habe sie seit Beginn der Krise unterstützt und sie seien andauernd im Gespräch.

Ein zweites Standbein, bis die Krise überstanden ist

«Wir müssen weiterhin kreativ bleiben», meint sie. Vor einigen Wochen hat sie eine Badtuch-Kollektion entworfen und verkauft diese zum Solidaritätspreis. «Damit ist es aber noch nicht getan, ich brauche ein zweites Standbein.» Seit einigen Wochen arbeitet sie im benachbarten «Vini-Al Grappolo». «Das ist fast wie Reisen für mich», denn jetzt lernt sie neues über Weine und deren Herkunftsorte. «Der Umgang mit den Gästen ist ähnlich wie bei mir im Büro.»

Sie blickt optimistisch in die Zukunft: Da ihr Geschäft vor der Krise gut aufgestellt war, glaubt sie auch, dass es sich erholen wird. Sie ist sich sicher, dass in Zukunft die Reisebüros viel eher benötigt werden. «Es wird immer komplizierter zu reisen: Die Quarantäneliste des Bundesamtes für Gesundheit, dann Einreisebestimmungen der Länder sorgen dafür, dass alles komplizierter wird. Das muss man alles im Kopf haben. Ich bin überzeugt, dass Reisebüros an Wichtigkeit gewinnen.»

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