Schreibwettbewerb

Ein poetischer Elfchen-Wettbewerb für die Elfchen-Stadt

Fleissig am Elfchen produzieren: drei Schülerinnen während ihrerersten Versuche.

Fleissig am Elfchen produzieren: drei Schülerinnen während ihrerersten Versuche.

Unter dem Motto «365 Elfchen für Solothurn» veranstaltet Cardnights.ch, ein Verein zur Förderung der Schreibkultur, einen Schreibwettbewerb. Bis Ende Oktober können Jung und Alt ihren Beitrag einreichen.

Donnerstagmorgen. Eine zweite Oberstufenklasse im Schützenmatt Schulhaus beginnt die nächste Deutschlektion. Die Klasse ist unruhig. Die vorher geschriebene Grammatikprüfung beschäftigt die Gemüter.

Nach dem Klingelton zum Unterrichtsbeginn schreibt Esther Wenger das Wort «Elfchen» in grossen Lettern auf die Tafel. «Was assoziiert Ihr mit diesem Wort?», fragt die erfahrene Klassenlehrerin. «Etwas mit Elfen», ertönt es hier, «die Zahl 11» ertönt es da. Sehr rasch fällt das Schlagwort «Gedicht».

Die nächste Zeit werden sich die Jugendlichen mit der Gedichtform des Elfchens auseinandersetzen. Die dabei spontan entstandenen Arbeiten werden beim Schreibwettbewerb «365 Elfchen für Solothurn» eingereicht.

Kreatives Schreiben regt an

«Es geht darum, die trockene Informationssprache auf eine verspielte, vielleicht poetische – auf jeden Fall ausdrucksstarke Ebene zu bringen», erklärt Esther Wenger ihre Motivation, den Elfchen-Wettbewerb im Unterricht einzubringen. Auch sonst nicht besonders Schreibbegabte könnten mit der Einfachheit des Elfchens oft etwas anfangen. «Die Resultate sind zum Teil sehr eindrücklich.»

Beatrice Soldo macht die gleiche Feststellung wie ihre Arbeitskollegin: «Diese Form ermöglicht auch Schülerinnen und Schülern ein Erfolgserlebnis, die sonst sprachlich nicht so stark sind.» Gemeinsam mit Esther Wenger führt sie fünf Oberstufenklassen an den Schreibwettbewerb heran. Dieser ist nicht nur für Schulklassen offen: «Das Projekt ist generationenübergreifend», stellt der «365 Elfchen für Solothurn»-Initiant Ulrich Marbot klar.

Motivation fürs Schreiben

Die Idee zum Wettbewerb entstand vor einem Jahr nach der Vernissage zum Buch «Mit Freude schreiben – Tag für Tag», welches Ulrich Marbot gemeinsam mit Samuel Stucki verfasst hat. «Wir haben nach einem Weg gesucht, mehr Menschen zum Schreiben zu motivieren», erinnert sich Marbot.

Als Form stand sehr rasch das Elfchen fest, als Thema Solothurn, mit seiner besonderen Verbindung zur Zahl Elf. Nun werden seit Anfang Monat die eingesendeten Elfchen gesammelt. Am Ende des Wettbewerbs werden die elf schönsten Texte am 11. November im Museum Blumenstein prämiert. Hinter dem aufgestellten Kriterium «schön» versteckt sich der Klang, der vom laut vorgelesenen Gedicht ausgeht. «Ein Elfchen ist kein Reim. Die Struktur zwingt zu einer Form, bei der der Klang ganz relevant wird», erklärt Ulrich Marbot.

Die Elfchen in Aktion

Die Unterrichtsstunde ist fast vorüber. Mike klingt total begeistert: «Es ist einfach cool. Ich kann Dinge schreiben, die zweideutig sind», um dann schmunzelnd hinzuzufügen «und es klingt auch noch gut.»

Mit einem eher zurückhaltenden «ist ganz okay» kommentiert Leonie die Stunde. «Trübe – liegen Schatten – überm kalten Meer – ist es der Mondschein – nimmermehr.» Nach dem Klingeln am Ende der Lektion schreibt sie aber gedankenverloren an diesem Elfchen weiter, um dann – das Werk sorgfältig in der Mappe verstauend – in die nächste Lektion zu huschen.

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