Ein spontaner Abstecher ins Naturmuseum, ein schneller Kaffee im Restaurant Kreuz oder ein Besuch im Stadttheater? Kein Problem für die meisten Leute. Für rollstuhlfahrende Menschen können solche Unternehmungen aber eine echte Herausforderung darstellen. So gibt es vor jedem Ausflug viele Fragen zu klären: Ist das Gebäude voll rollstuhlgängig? Gibt es genügend breite Parkplätze? Sind behindertengerechte Toiletten vorhanden?

Pro Infirmis Aargau-Solothurn will solche Situationen für rollstuhlfahrende Menschen vereinfachen. So startete am Mittwoch ein neues Projekt, dessen Ziel es ist, digitale Zugänglichkeitspläne für alle grösseren Schweizer Städte zu erstellen. So auch in Solothurn.

In Zusammenarbeit mit Solothurn Tourismus wird in den nächsten Wochen und Monaten ein neuer Online-Stadtplan erstellt, in dem Informationen für Menschen mit Handicap schnell ersichtlich sind. «Bis jetzt hatte Solothurn Tourismus lediglich einen Stadtplan in Papierform oder als PDF», sagt Projektleiter Achim Bader von Pro Infirmis Aargau-Solothurn.

Im Gegensatz zum Stadtplan aus Papier können im Online-Stadtplan die Gebäudedaten laufend ergänzt und bei Bedarf aktualisiert werden. «Wir haben bewusst kein eigenes App oder einen speziellen Stadtplan geschaffen, um behinderte Menschen nicht zu separieren», erklärt Achim Bader. Stattdessen habe man die Informationen dort platzieren wollen, «wo sich auch alle anderen Leute über die Stadt Solothurn informieren», sagt er.

Einheitliches Informationsangebot

Seit dem Projektstart am Mittwoch werden nun Solothurner Gebäude und Sehenswürdigkeiten auf ihre Rollstuhlgängigkeit getestet. Dabei wird beispielsweise die Breite von Türen gemessen, ob es eine Rampe gibt und ob die Parkplätze genügend breit sind. Als Experten fungieren dabei die Mitglieder des Vereins «Selbstvertretung Kanton Solothurn – Menschen mit Behinderung», von dem Achim Bader Vereinspräsident ist.

Sie werden die Testergebnisse bereits unterwegs mit dem iPad auf eine Datenbank speichern und Fotos machen. So können sich handicapierte Menschen bereits zu Hause problemlos ein Bild von den Gegebenheiten vor Ort machen. Ziel dabei ist auch, dass letztlich ein einheitliches und flächendeckendes Informationsangebot für Menschen mit Handicap zur Verfügung steht.

«Das Problem bis anhin war, dass es zwar durchaus Stadtpläne für Rollstuhlfahrende in Schweizer Städten gab, diese aber von vielen verschiedenen Institutionen erstellt wurden. Dementsprechend war die Qualität sehr unterschiedlich», so der Projektleiter. Beim Projekt von Pro Infirmis werden die Gebäude und Sehenswürdigkeiten nach Schweizer Normen beurteilt.

Erstes Testobjekt in Solothurn ist das Hotel Ramada. «Wir begutachten die rollstuhlgängigen Zimmer , den Restaurantbereich, die Toiletten, die Parkplätze und den Spa-Bereich», sagt Bader.

In nächster Zeit kommen dann unter anderem noch das Naturmuseum, das Hotel «Roter Turm», das Kunstmuseum, der Konzertsaal und das Restaurant Kreuz an die Reihe. «Natürlich ist zu hoffen, dass durch unser Projekt die Betreiber von nicht rollstuhlgängigen Gebäuden dazu animiert werden, Anpassungen für Menschen mit Handicap vorzunehmen.»

Barrierefreiheit, das wünscht sich Armin Bader für die Zukunft. Ein Mensch mit Behinderung werde schnell ausgegrenzt, wenn er am gesellschaftlichen Leben nicht teilnehmen könne. «Es wäre wunderbar, wenn auch handicapierte Menschen einfach ganz spontan losziehen könnten, ohne vorher langwierige Abklärungen machen zu müssen», sagt er. «Leider sind wir im Moment noch nicht so weit».