Theaterinstitution

«Ein Lokal würde den Verein stärken» – Ältestes Theater Solothurns sucht ein Vereinslokal

Szene aus dem diesjährigen LTG-Stück «Gueti Geischter» im Stadttheater.

Szene aus dem diesjährigen LTG-Stück «Gueti Geischter» im Stadttheater.

Die älteste Theaterinstitution der Stadt Solothurn – die Liebhabertheater-Gesellschaft Solothurn – ist heimatlos.

Sie besteht bereits seit 1810 und hat sich bis heute gehalten – die Liebhabertheater-Gesellschaft Solothurn. «Die LTG ist die älteste Theaterinstitution der Stadt Solothurn», erklären Kurt Egger und Martin Hobi nicht ohne Stolz. Die beiden sind seit dieser Saison wieder im Vorstand des Vereins, Egger sogar als Präsident. Die Stücke, die das Amateurtheater spielt, seien – zumindest seit es das in hochdeutsch spielende Profitheater gibt – immer in Mundart und meist traditionell.

Volksnahes Theater 

Eine Chronik, die Hobi 2010 zum 200- Jahr-Jubiläum erstellt hat, zeigt eine imposante Vereinsgeschichte. So wurden zu früheren Zeiten Stücke wie «Emilia Galotti», «Othello» oder «Romeo und Julia» aufgeführt. In der neueren Zeit beispielsweise «Gstürm im Stägehuus», «Annebäbi Jowäger» oder «Dällebach Kari».

«Früher war die LTG eine Theatergruppe für gehobene Leute der Stadt», erzählt Hobi. Als erster Präsident des Vereins ist in der Chronik 1820 Friedrich von Roll aufgelistet. Heute seien alle im Verein willkommen, versichert Hobi lachend. Die Zeit brachte nicht nur eine Veränderung bei den Mitgliedern, sondern auch bei den Stücken. «Wir haben in den letzten 35 Jahren versucht, uns auch an die jüngeren Generationen anzupassen und neue Stücke zu spielen. Allerdings laufen die altertümlichen Stücke, die viele kennen, besser als die modernen.» Die Frage sei immer, ob man Stücke spiele, die Einnahmen bringen oder ob man einfach spiele, was man will. Gespielt wird jeweils im Stadttheater Solothurn. «Die LTG hat ein Gastrecht im Stadttheater. Die Bühne dort ist unsere Bühne, wir kennen gar nichts anderes.»

Gemeinsamkeit ist wichtig 

All dies mag recht gut klingen, doch Egger und Hobi sind mit der aktuellen Situation des Vereins nicht ganz zufrieden. «Die Finanzen sind stets ein schwieriges Thema. Wir finanzieren uns vor allem durch die Eintritte, 45 Prozent der Einnahmen durch die verkauften Tickets gehen aber an das Stadttheater. Uns bleiben noch 55 Prozent. Hinzu kommen die Schwierigkeiten mit den Mitgliedern, viele haben zu wenig Zeit, um Theater zu spielen», erklärt Hobi.

Dann gebe es noch jene, die nicht verstünden, dass nicht jedes Mitglied auch jede Saison spielen könne, und die deshalb den Verein verlassen. «Auch das Gastrecht im Stadttheater bringt nicht nur Vorteile. Wir stehen dort halt nicht an erster, sondern an dritter Stelle», erläutert Egger. «Die Premiere unseres nächsten Stücks findet am Schmutzigen Donnerstag statt. Uns ist klar, dass wir nicht die besten Spieldaten bekommen, aber der Schmutzige Donnerstag ist wirklich ein sehr schlechter Tag für eine Premiere.» Alles in allem sei das aber schon in Ordnung so, jeder Verein habe seine Probleme mit Mitgliedern oder Finanzen.

«Der neue Vorstand hat einiges vor», erklärt Egger. Das Sponsoring müsse vor allem vorangetrieben werden. «Unser grösstes Problem ist, dass wir kein eigenes Vereinslokal haben. Wir wünschen uns einen Raum, in dem wir alle gemeinsam beisammen sein könnten. Und idealerweise wäre der Raum gross genug, um darin zu proben», erklären die beiden. «Wir denken, ein solcher Raum würde den Verein zusammenhalten und stärken. Das wäre wichtig für uns.»

Die kommende Saison wird die LTG nur ein Stück auf der Bühne des Stadttheaters aufführen. «Wir werden ‹Hinter den sieben Gleisen› von Kurt Früh spielen», erzählt Egger. Es sei schade, dass dieses Jahr nur ein Stück zustande gekommen sei, aber für ein zweites hätten die Schauspieler gefehlt. Die Mitglieder der LTG lassen deshalb den Kopf nicht hängen. «Unser Ziel ist es gutes Volkstheater zu spielen, das ist die Hauptsache.»

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