40 Jahre Parkhäuser
Ein Loch, das in den 70er-Jahren ganz Solothurn bewegte

Die drei öffentlichen Parkhäuser von Solothurn sind heute eine Selbstverständlichkeit und für viele nur noch ein Ärgernis, wenn sie total besetzt sind. Vor 40 Jahren wurde das erste unter dem Amtshausplatz eröffnet.

Wolfgang Wagmann
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Der Amthausplatz in den frühen siebziger Jahren vor dem Parkhausbau.
11 Bilder
Parkhaus Bieltor in Solothurn – Blick ins Archiv
Die Neugestaltung des Amtshausplatzes im Frühling 1976 - im Jahr 2000 wurde er erneut umgestaltet.
Finish-Arbeiten am Amthausplatz 1976.
Ungewohnte Perspektive auf den Burristurm.
Der Amthausplatz nach der Umgestaltung im Sommer 1976.
Das wirklich grosse Loch gabs bei der Kantonalbank erst 15 Jahre später.
Der spektakulärste Parkhausbau war 2003 jener des Berntors auf dem Dornacherplatz.
Grossbaustelle Amtshausplatz.
Im 1990 eröffneten Parkhaus Baseltor wurden 2003 Frauenparkplätze eingerichtet.
Spektakulär wurde im März 2005 das dritte Parkhaus Berntot eröffnet.

Der Amthausplatz in den frühen siebziger Jahren vor dem Parkhausbau.

zvg

Es war wohl das schrägste Fest, das Solothurn je gesehen hatte: Bei schönstem Wetter feierte tout Soleure an diesem Samstag, 18. Juni 1976, tief unter dem Amtshausplatz seine neueste Errungenschaft – das Parkhaus Bieltor. Vieles ist verblasst, doch in Erinnerung bleiben die Festbänke auf den 453 Parkplätzen und eine Festattraktion der besonderen Art: Die Guggemusik Gugaaggeri versuchte einen ganzen, auf Eis gelagerten Haifisch portionenweise zu verkaufen. Die Solothurner waren skeptisch und so blieb unten im «Haifischbecken» einiges von der Grill-Spezialität übrig.

Skepsis schlug aber auch dem Parkhaus selbst entgegen: In der ersten Woche nach der Fète, als noch gratis parkiert werden durfte, wagten sich täglich über 1000 Autolenker in den Untergrund. Als es jedoch ums Zahlen ging, halbierte sich die Besucherzahl beinahe. Erst im Advent überstiegen die Einfahrten pro Tag wieder die Tausendergrenze, doch die 1973 gegründete Parking AG Solothurn musste in ihrem ersten Betriebsjahr einen Verlust von 191 600 Franken hinnehmen.

Zu Diskussionen im Verwaltungsrat der Parking AG hatte schon vor der Eröffnung die Tarifgestaltung geführt: Während damals im neuen Parkhaus die erste Stunde 50 Rappen kostete, nahm die Stadt ihren «Kunden» auf den oberirdischen Parkplätzen nur 40 Rappen pro Stunde ab. Auch konnte 1976 noch bis zu 6 Stunden am Stück parkiert werden. Deshalb der Vorschlag: Die Stadt solle doch auch 50 Rappen verlangen und in den Aussenquartieren Parkverbote erlassen – damit Dauermieter Parkhaus-Abonnemente für 120 Franken im Monat erwerben müssten.

40-Jahr-Jubiläum

Am Samstag gratis

An diesem Samstag, dem 18. Juni, ist es genau 40 Jahre her, seit das Parkhaus Bieltor als erstes der drei städtischen Parkhäuser mit einem grossen Volksfest eröffnet wurde. Als Geste und Erinnerung an den 18. Juni 1976 gewährt die Parking AG Solothurn an diesem Samstag von 0 bis 24 Uhr Gratisparkieren in den drei Parkhäusern Bieltor, Baseltor und Berntor. «Unsere Parkhaus-Mieter erhalten als Geste einen Gutschein», so Niklaus Studer, VR Präsident der Parking AG. Sonstige Festivitäten zum Jubiläum sind jedoch nicht geplant. (ww)

Die Parking AG als Erfolgsstory

Trotz solcher Startprobleme, mit denen man gerechnet hatte, erwies sich die von ihrem nachmaligen VR-Präsidenten Victor Monteil initiierte Parking AG letztlich als Erfolgsmodell. «Sie war von Anfang an als Privatwirtschaftliches Unternehmen gedacht, und so zeichneten die Platzbanken sowie Manor grosse Mengen Aktien, aber auch Private, wie beispielsweise mein Vater», erinnert sich der heutige VR-Präsident Niklaus Studer, der damals gerade wieder nach Solothurn zurückgekehrt war. Die Stadt selbst wirkte als Hauptaktionär mit und gab im weiteren der Parking AG für den 10,8-Millionen-Bau ein Darlehen von einer Million Franken.

Die Kosten wurden sogar um 1,3 Millionen unterschritten. Die meisten Aktionäre hatten aber Aktien zu zeichnen, um ihre nicht vorhanden Parkplätze in der Altstadt abzugelten. Lange mussten sie auf eine Dividende warten, doch seit einigen Jahren erhalten sie 5, zuletzt gar 6 Prozent Erfolgsbeteiligung. «So ist heute das Parkhaus Bieltor trotz ständiger Optimierungsarbeiten mit weniger als einer Mio. Franken in den Büchern», erklärt Niklaus Studer – 1974 hatte die Stadt der Parking AG eine Konzession auf 95 Jahre erteilt.

Aufbruchstimmung

Die Eröffnung des Parkhauses fiel in eine Zeit, in der Solothurn reagieren musste. Nach dem wirtschaftlichen Schock auf die Ölkrise 1973 sah sich vor allem das Stadtgewerbe gefordert. Neue Einkaufsgewohnheiten wie im Ladendorf Langendorf sorgten für eine bisher ungewohnte Konkurrenzsituation. So entstand ebenfalls 1976 die Herbstmesse Solothurn, die HESO. Auch das Märet-Fescht wurde basierend auf den Erkenntnissen aus dem Parkhausfest lanciert.

Weitreichender waren die Konsequenzen des neuen Parkhauses auf die Organisation der Innenstadt: Heute unvorstellbar wurden sämtliche Trottoirränder der Gassen und Plätze von Parkplätzen gesäumt. Als erster Schritt hob man diese vor allem an der Haupt- und Gurzelngasse sowie am Märetplatz auf, und nach 13.30 Uhr galt die erste Innenstadtsperre für Autos, die später - trotz erbittertem Widerstand des dortigen Gewerbes – auch auf den Friedhofplatz ausgedehnt wurde.

Damit erhielt Solothurn wesentlich früher als andere Städte eine attraktive Fussgängerzone, was wiederum die Einrichtung und Ansiedlung von neuen Geschäften förderte. Und mit den jetzt möglichen Boulevardcafés entstanden attraktive Begegnungszonen. Nicht absehbar waren damals allerdings die heute spürbaren negativen Folgen der Fussgängerzone: Explodierende Mietzinsen, die sich nur noch grosse Filialketten leisten können,

Hickhack ums «Baseltor»

Stadtammann Fritz Schneider hatte 1976 das Parkhaus Baseltor eröffnet, sein Nachfolger Urs Scheidegger durfte es ihm 1990 vor dem Baseltor mit der Eröffnung des zweiten Parkhauses gleichtun. Er rechnete vor: Die 488 Parkplätze im neuen Parkhaus kosteten 16,5 Mio. oder 33 800 Franken pro Parkplatz – bei einer Bauteuerung von 51,3 Prozent also gleichviel wie seinerzeit diejenigen im «Bieltor». Victor Monteil mahnte, damals immer noch als VR-Präsident der Parking AG: «Ich hoffe, das Parkhaus Baseltor trägt dazu bei, dass Solothurn nicht eine autogerechte Stadt wird, sondern eine menschengerechte Stadt bleibt.» Denn im Gegensatz zu den 70-ger-Jahren standen die 80-er im Zeichen einer zunehmenden Umweltsensibilisierung. So war von Links Opposition im Gemeinderat entstanden.

Eine SP-Motion fordert 1985, dass die Stadt auf eine Beteiligung am geplanten Parkhaus verzichte, fand jedoch keine Mehrheit in der Gemeindeversammlung. Motionär Klaus Koschmann brachte seinen Vorstoss an die Urne, und in der Abstimmungsbotschaft hatte der Gemeinderat im Gegenzug nach der Eröffnung des Parkhauses Baseltor 350 oberirdische Felder aufzuheben. So kam das Parkhaus-Projekt durch und konnte ab 1987 gebaut werden.

Die Einlösung des Versprechens zog jedoch ein politisch-juristisches Hickhack über Jahre hinweg nach sich, das erst ein vorläufiges Ende mit dem Entscheid des Bundes-verwaltungsgerichts nahm, entgegen einem Mehrheitsbeschluss des Gemeinderats auch die Parkplätze auf dem Zeughaus- und Riedholzplatz aufzuheben. Zuletzt waren rund 450 oberirdische Parkplätze in der Altstadt und ihrer engeren Peripherie verschwunden – zuletzt scheiterten aber Versuche der SP, auch den Klosterplatz autofrei zu machen.

Die Vorstadtspirale

Im März 2005 durfte dann Stadtpräsident Kurt Fluri mit dem «Berntor» das dritte Parkhaus unter dem Dornacherplatz eröffnen. Fluri hatte sich gegen den Widerstand der Parking AG durchgesetzt, die ersten Entwürfen - darunter einem oberirdischen anstelle der heutigen Bahnhofüberbauung Perron 1 – ablehnend begegnete. Erst die unkonventionelle Spirale in den Untergrund, mit 354 Parkplätzen darum herum gruppiert, fand Gnade. Sie kostete aber 18,2 Mio. Franken und war knifflig zu bauen. Im Gegenzug hob man in der Vorstadt 212 oberirdische Parkplätze auf; 56 wurden privatisiert.