Niklas Raggenbass, Jurist, Theologe, Gastronom, vielen als Stadtpfarrer in Erinnerung, hat die St. Margrithenbrüder mit seiner Festansprache zur Vorstädterchilbi schnell eingefangen. Er nahm sie mit in eine Sprachschule und verglich Eigenheiten und Spezialitäten des solothurnischen Sprachschatzes und von Gewohnheiten, Traditionen, Verhalten miteinander. Im Gegensatz zu den meisten seiner Vorgänger stellte er städtische Gegebenheiten ins Zentrum seiner Betrachtungen.

Kontrapunkt zur oft garstigen Welt

«Soledurn markiert ein Gegengewicht zur oft garstigen Welt, der Zeit und Rhythmen davonlaufen.» So sieht Raggenbass entgegen Propheten, die mindestens den Stadtuntergang sehen, auch viel Aufbruchpotenzial. Er stellte viele Sprachen in Solothurn fest: die der Gassen, der Fasnacht, die verbindende der Aare, die der Vorstadt – elf insgesamt? Bei der Vorstädterchilbi kommen sie zusammen, getreu dem Motto der St. Margrithenbrüder, Überliefertes zu schützen, aber offen und schöpferisch für not-wendende Veränderungen. «Sie verbinden Menschen, öffnen den Horizont für Gegenwart und Zukunft, geben Weitblick.»

War da ein Hinweis auf ein grosses Projekt im Westen? Wie das Wortspiel zur Theaterrenovation: «Mehr Theater, mehr Geld.» Fazit: Man kann es den Seinen auch elegant und mit humorvollen Wortspielen zu sagen versuchen, ohne zu belehren.

Die Edlen sollen bei den Bauern bleiben

Der eindrückliche Festgottesdienst war wie eh und je der besinnliche Ruhepunkt des Chilbisonntags. Pfarrer Christoph Schuler (Bern) hielt die Festpredigt, Ehrenprediger Ernst Eggenschwiler (Dornach) zelebrierte die Messe, die vom Domchor St. Urs musikalisch mitgestaltet wurde. Im Zentrum des Gottesdienstes steht das Gedenken der Toten von Dornach - der Eidgenossen wie der Gegner.

Weniger humanitär tönt der Schluss des Schlachtberichtes von Robert Glutz von Blotzheim, den der Cancellarius vortrug. Dort steht, dass die Eidgenossen den Gegnern deren Tote nicht auslieferten mit der Begründung: «Die Edlen sollen bei den Bauern bleiben.» Auch der Auftakt zum Chilbisonntag erfolgt nicht eben besinnlich durch das Tagwachtschiessen mit elf Böllern. Beschwingter tönt das anschliessende Ständchen der Blaskapelle Konkordia.

Zum Bruderschaftsmahl versammelten sich an die 170 Brüder. Dessen Ablauf ist wie derjenige der ganzen Chilbi vorgegeben. Der Vorstand betrat zusammen mit Zelebrant, Festprediger und -redner unter den Klängen der Chilbikapelle Gebrüder Reber den Saal. Da hatten die Honoratioren allerdings schon den Besuch bei den Ehrwürdigen Spitalschwestern und bei kranken Brüdern, die Pfannenprobe – schmeckt die Krebsensuppe? – und einen Rundgang durch Vorstadttavernen hinter sich.

Das Mahl begann mit dem Tischgebet durch den Festprediger und endete mit dem Bruderschaftslied. Unterbrochen wurde es nach der Vorspeise von der Begrüssung durch Obmann Franz Gamper. Der Krebsensuppe schloss sich die Totenehrung an. Nach dem Hauptgang verlas Cancellarius Patrick Schwaller das Protokoll der letztjährigen Chilbi.

Heftiges Bietergefecht um den Vortanz

Nach dem Dessert dann das eigentliche Dessert – die Versteigerung des Vortanzes. Routiniert gelang es Bieter Daniel Ritschard, die Brüder einigermassen im Zaum zu halten. Nach heftigem und entsprechend lärmigem Bietgefecht der amerikanischen Art fiel der Zuschlag beim Stand von 1260 Franken auf das Vortänzerpaar Patrik Müller mit Partnerin Tamara. Gleich im Anschluss führte dieses das Chilbizüglein mit den Honoratioren durch die Gassen der Vorstadt an.