Solothurn
«Ein Kunstwerk braucht keine Kirche oder einen Altar im Hintergrund»

Gastkünstler Adrian Maryniak will Solothurn ein neues Wahrzeichen schenken. Eines, das nicht zwingend in der Altstadt stehen muss. Er möchte damit die Frage aufgreifen, wohin die Stadt in Zukunft steuern wird.

Christoph Ramser
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Die Arbeit am Computer ist für Adrian Maryniak zentral.

Die Arbeit am Computer ist für Adrian Maryniak zentral.

Hanspeter Bärtschi

Eigentlich sei sie perfekt, die Solothurner Altstadt. Wunderschön und in sich geschlossen. So vollkommen, dass sie kaum mehr ein weiteres Kunstwerk vertrage. Ausserdem, sagt Adrian Maryniak, brauche Kunst keine Kirche oder einen Altar im Hintergrund.

Der Gastkünstler, der seit einer Woche im Alten Spital wohnt und arbeitet, will in den nächsten drei Monaten ein Kunstwerk mit Ortsbezug entwickeln. Zuerst im Modell per Computervisualisierung, um später eine langfristige Installierung zu prüfen. Und weil Solothurn eben schon «perfekt» sei, würde er sein Werk am liebsten ausserhalb des Stadtkerns aufbauen. «Ich will der Stadt einen Teil des Wurzelwerks entnehmen und andernorts neu anpflanzen.» Damit will der Künstler eine Antwort finden auf die zentrale Frage: Wohin steuert Solothurn in der Zukunft?

Mit Struktur den Raum beschreiben

Die Frage nach Identitäten ist eine Konstante in Maryniaks Vita. 1964 in Polen geboren, lebt er seit 1981 in Deutschland. Weitere Stationen waren die Berufsfachschule für Holzbildhauer in Bischofsheim/Rhön und die Kunstakademie in Nürnberg. Heute lebt Maryniak in Berlin, wo er vor allem abstrakt mit Metall arbeitet. «Kulturell angereichert wurde ich in Polen und Deutschland. Dieses Wurzelwerk trage ich in mir.»

Die Schweiz, so sagt er, habe ihn in der besonderen Stellung als «nichteuropäisches Herz von Europa» schon immer interessiert. «Im heterogenen Wesen der Schweiz sehe ich meine Identitäten auf ihre Weise gespiegelt.»

Wie das neue Solothurner Wahrzeichen aussehen könnte, zeigt Maryniak mit Bildern eines realisierten Projekts in der Pariser Banlieue bei St. Ouen. Mit den Farben des Stadtwappens schuf er dort eine überdimensionale Plastik, die sinnbildlich für die Vergangenheit der Stadt aus der Erde wächst und in der Luft in die Zukunft strebt.

Seine bisher grösste Arbeit steht am Bahnhof in Leuk VS. Über acht Meter hoch erhebt sich das 40 Tonnen schwere Kunstwerk. Bis zu 20 000 Stahlbögen sind dort ineinander gesteckt. «Ich nehme verschiedene Elemente und beschreibe damit den Raum», sagt Maryniak. Dabei entstehen geometrische Grundformen – am Anfang seiner künstlerischen Arbeit im Form von Heuhaufen auf einem Feld, später erhielten die Formen dann immer mehr System und erinnerten an Monolithen.

«Die Ideen entstehen im Kopf und werden dann am Computer visualisiert», sagt der Gastkünstler. Zentral für ihn ist also nicht nur die Arbeit mit Trennschneider oder Pinsel, sondern auch die Gestaltung am Rechner. In drei Monaten, so hofft Maryniak, kann er seine Ideen zu einer Solothurner Skulptur präsentieren. Bis dahin will er sich intensiv auf die Stadt und ihre Umgebung einlassen und nach spezifischen Gegebenheiten suchen.