Die einen gehen, die anderen kommen. Munter dreht sich das Karussell der Geschäftsadressen in Solothurn. Neues Leben ist am Samstag in eine lange leerstehende Liegenschaft eingekehrt. Vor zweieinhalb Jahren war Austrinkete im beliebten Restaurant zum Fritz an der Judengasse 2. Die kantonale Pensionskasse hatte es von der Besitzerfamilie Haudenschild erworben und umgebaut. Doch ins Parterre wollte lange niemand einziehen. Dafür freut sich jetzt Margot Kaufmann aus Oensingen über ihr neues Geschäft «Needful Store & more» schon fast unbändig: «Es war, als hätte der Laden auf mich gewartet. Er hat Charme und eine gute Energie.»

Leidenschaft fürs Schöne

Die vormalige Regionalverkaufsleiterin hat mit 55 Jahren den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und setzt auf ganz speziell Produkte: nachhaltige Vintage-Möbel aus Kanada, hergestellt in Familienunternehmen. «Ich kenne jeden Händler persönlich, und in jedem Produkt steckte ein Geschichte», weiss Kaufmann. Es seien keine «fake vintage Möbel» made in China, beteuert die Geschäftsfrau, «hier kann ich meine ganze Leidenschaft fürs Schöne ausleben.» Das neue Geschäft ist am Montagnachmittag geöffnet, dann unter der Woche von 9 bis 12.30 und von 13.30 bis 18 Uhr, Donnerstags bis 20 Uhr, am Samstag durchgehend von 9 bis 17 Uhr.

Und ein Wegzug

Zu Margot Kaufmanns Bedauern hat sich für die von ihr geschlossene Lücke an der Judengasse zeitgleich eine neue aufgetan. Das Bettwarengeschäft Samina gegenüber ist ausgezogen und hat eine leere Schaufensterfront hinterlassen. Max Lerch mit seinem «Schlaf-gesund-Konzept» will die Kundschaft am 14. Februar zwei Ecken weiter am neuen Standort begrüssen in der ehemaligen Textilreinigung Gloria oben am Friedhofplatz.

Das Bettwaren-Fachgeschäft Samina hat die Judengasse verlassen und eröffnet bald am Friedhofplatz.

Samina

Das Bettwaren-Fachgeschäft Samina hat die Judengasse verlassen und eröffnet bald am Friedhofplatz.

Bereits klar ist, dass auch noch im Februar Boris Wiederkehr mit seinem Fachgeschäft Casa an die Schmiedengasse umzieht, er kehrt wie im März das Schminkfachgeschäft Kryolan im ehemaligen Fasnachtslade Haefeli der Schaalgasse den Rücken.

«Idea» ist bald Geschicht

Am Friedhofplatz dagegen leert sich noch diesen Monat ein Geschäft an der «Westside», das eine lange Tradition in Solothurn hat: «Idea» von Conny Grossenbacher. «Es sind e wirtschaftliche Gründe, die mich zum Aufhören bewegen.

«Idea» am Friedhofplatz kündet mit einem «Rausverkauf» die baldige Geschäftsaufgabe an.

Conny Grossenbacher

«Idea» am Friedhofplatz kündet mit einem «Rausverkauf» die baldige Geschäftsaufgabe an.

Der Online-Handel ist einer der Sargnägel, dann hatten wir einen trostlosen Sommer und schon 2017 war nicht grossartig gewesen», zählt sie einige Gründe für ihren Entscheid auf. Vor dreieinhalb Jahren hatte sie ihr Schmuckgeschäft von der Ost- auf die Westseite des Friedhofplatzes gezügelt. «Möglich, dass sich auch das negativ ausgewirkt hat.» Für den Laden gebe es jedenfalls einen Nachmieter, und nach 24 Jahren als selbstständige Geschäftsfrau hat Conny Grossenbacher nun eine Anstellung angenommen.

Umbau an der Hauptgasse

Das «ganz grosse Loch» dagegen tut sich nun an der westlichen Hauptgasse auf, wo Verena Holzer-Bohnenblust in ihrem Kinderparadies den Räumungsverkauf Ende Januar abgeschlossen hat und nach über 20 Jahren an diesem Standort im Pensionsalter das Geschäft aufgibt. Immerhin dislozierte die Baby-Abteilung anfangs Jahr an die Gurzelngasse, wo dieser Geschäftszweig von einer vormaligen Angestellten weiter geführt wird. Nach einem fasnächtlichen Intermezzo in der Liegenschaft soll diese ab April umgebaut werden, wie Jörg Eichhorn für die planende Eigentümerin NPH Solothurn I AG ein entsprechendes Baugesuch bestätigt. «Der Mietermix ist noch offen», einiges Interesse am Standort sei aber vorhanden.

Nicht danach sieht es gegenüber neben dem Gerechtigkeitsbrunnen aus: Nach wie regt sich kein neues Leben im ehemaligen OVS-Modehaus, das im August nach dem Konkurs der italienischen Modekette geschlossen worden war. Inzwischen haben mehrere ehemalige OVS-Läden in anderen Schweizer Städten eine neue Mieterschaft gefunden – in Solothurn aber scheint sich die Suche schwieriger zu gestalten.