Neujahrskonzert
Ein Jahreswechsel im Dreivierteltakt

Das Sinfonieorchester Biel eröffnete im Konzertsaal das neue Jahr. Im Zeichen der Zahlenkombination vier mal vier begeisterte das Orchester die Zuschauer. Im Programm durfte der Wiener Walzer von Johann Strauss natürlich nicht fehlen.

Silvia Rietz
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Gastdirigent Kaspar Zehnder bewies für die passende Präsentation der Walzer wahres Feingefühl. Felix Gerber

Gastdirigent Kaspar Zehnder bewies für die passende Präsentation der Walzer wahres Feingefühl. Felix Gerber

Solothurner Zeitung

Die Zahlenkombination vier mal vier stand für einmal nicht für ein Fahrzeug mit Allradantrieb, sondern für die vier Jahreszeiten, Himmelsrichtungen, Temperamente und die vier Elemente. Drei davon, Luft, Erde und Wasser, machen dem Gebäude des Stadttheaters zu schaffen und Stadtpräsident Kurt Fluri schlug damit eine Brücke zur Sanierung des Stadttheaters.

Dort ist das 2007 letztmals beim Solothurner Neujahrskonzert aufgetretene Sinfonie Orchester Biel regelmässig im Musiktheater zu hören. Fluri: «Mit minimalsten, ja zu knappen Mitteln werden Höchstleistungen geboten. Aber nicht nur für Personal und Bühne sind die Finanzen zu eng, sondern auch für das sanierungsbedürftige Stadttheater an sich.»

Dass eine Renovation anstehe, ist für Fluri keine Frage, sondern Notwendigkeit. Einzig der Entscheid, ob die Stadt als Hauseigentümerin die Lasten alleine tragen müsse, oder die Regionsgemeinden und der Kanton auch in die Pflicht genommen würden, stehe noch aus. Fluri: «Alle profitieren beim Standortmarketing vom hoch stehenden Kulturangebot, gerade auch vom Stadttheater. Da läge es auf der Hand, sich an den Kosten der Sanierung zu beteiligen.»

Im Element mit den Elementen

Der flammende Appell für das (Musik-)Theater leitete zum musikalischen Auftakt mit der Ouvertüre der Strauss-Operette «Eine Nacht in Venedig» über. Gastdirigent Kaspar Zehnder liess mit packendem Schmelz die Motive des Lagunenwalzers anklingen. Die temporeiche Polka «Feuer und Blitz» symbolisierte das Feuer, die «Bauernpolka» die Erde.

Wie in den meisten Neujahrskonzerten standen auch in Solothurn die Wiener Walzer von Johann Strauss im Zentrum. Mit dem das Element Luft spiegelnden Walzer «Sphärenklänge» kam mit Josef Strauss ein weiteres Mitglied der Strauss-Dynastie zu Ehren. Und Zehnder hat das Handgelenk für den Dreivierteltakt: Weder sind die Tempi zu schnell noch die Rubati zu dick oder die Melodie zu süss.

Schwungvoll interpretiert

Er spürt, wie hart ein Walzer sein kann, um manchmal weich werden zu dürfen. Mit dem Walzer «Rosen aus dem Süden» und Tschaikowskys Polonaise aus der Oper «Eugen Onegin», der im Westen bekanntesten russischen Oper, kamen die Himmelsrichtungen zum Zuge – schwungvoll interpretiert.

Zehnder präsentierte sich viermal in Bestform: als Dirigent, Moderator, Gestalter und als Strauss-Fan. Letzteres bewies er mit dem Frühlingsstimmenwalzer und der leicht servierten Polka «Leichtes Blut». Mit Brahms’ «Ungarischem Tanz» Nummer vier huldigten die Bieler nochmals der Zahl Vier. Mit dem unabdingbaren «Radetzky-Marsch» wurde die stehende Ovation bedankt.