Das Kostüm könnte passender nicht sein: Als rabenschwarzer, gefiederter Geselle machte John Hauenstein am Montagsmarkt deutlich: «Wir fliegen aus.»

Der stadtbekannte Heimwehsolothurner und Fasnächtler, der in Schindellegi SZ wohnt, wird bald noch ein paar Kilometer weiter von der Barockstadt entfernt sein: 8600 Kilometer Luftlinie, um (mehr oder weniger) genau zu sein. Zusammen mit Frau Elisabeth zieht er diesen Herbst ins neue Zuhause in Chiang Mai im Norden Thailand ein.

Zurücklassen, was hierher gehört

Zu seinen Abschiedsritualen zählt ein letztes Mal die Fasnacht. Und vorher noch: der Verkauf närrischer Trouvaillen, für die er in Thailand kaum mehr Verwendung finden wird. Nach wenig gewinnbringenden Versuchen auf Ricardo beschaffte sich Hauenstein einen Anhänger, um damit zu den Schweizer Floh-, Weihnachts- und anderen Märkten zu tingeln.

Den Solothurnern aber präsentierte der 62-Jährige nun besondere Fundstücke - Solothurnspezifisches eben: Eine lückenlose Plakettensammlung von 1947 bis 2012, oder Grossplaketten von 1993 bis heute.

Zudem gehören von Hand angefertigte Gönnerstücke oder Kinderplaketten dazu. Auch nichtnärrische «Solothurnness» findet sich in Hauensteins Fundus: so eine umfangreiche Sammlung an Pins, darunter auch das «Weissenstein-Hotel» oder eine Anstecknadel der «Krone».

Apropos Weissenstein: Dazu erspähte das Besucherauge auch eine Inhaberaktie der Bergbahn Weissenstein AG. Weiteres Prunkstück der Sammlung, auf das er stolz ist: eine Kunstmappe des Verkehrsvereins Solothurn.

Wie Hauenstein selbst zugibt, war der gestrige Verkauf zwar eher zögerlich. «Aber was heute nicht wegkommt, wird eingelagert», sagt er und fügt schmunzelnd an: «Dann versuchen wir es in zehn Jahren wieder.»

Geboren in Zürich, dann zeitweise wohnhaft in Lyss, verschlug es Hauenstein nach Flumenthal und dann nach Solothurn. «Nirgends sonst wohnte ich länger als hier: 18 Jahre.» So wirkte er auch im städtischen Gewerbeverein mit. Und noch bis heute - 25 Jahre lang - ist er ein treuer Fasnächtler geblieben, unter anderem als Wagenbauer der Narrenzunft Honolulu und ehemaliger «Lulu»-Sprecher.

Mit dem Auto nach Thailand

Ob ihm denn nun das Herz blutet, die Erinnerungsstücke feilzubieten? «Nein. Es überwiegt die Vorfreude auf Thailand und das letzte Mal Fasnacht - heuer will ich jeden närrischen Anlass bis aufs Letzte auskosten.»

Nun folgen noch die Abwicklungen in Sachen Hausverkauf und dann die grosse Reise. Denn: Das Ausfliegen ist rein sprichwörtlich zu verstehen: «Wir fahren mit dem Auto von Schindellegi nach Chiang Mai», sagt Hauenstein in einer Selbstverständlichkeit.

Das sind je nach Weg 13 000 bis 15 000 Kilometer», wofür sich die beiden auch rund zwei Monate Zeit nehmen. Warum nicht mit dem Flieger? «Vom Leben Nummer eins ins Leben Nummer zwei in zehn Stunden, das kann es nicht sein», sagt Hauenstein.

Mehrerer tausend Kilometer zum Trotz: Die Fasnacht wird in seinem Herzen bleiben - und: «Zur närrischen Zeit werden ich mich sicher wieder mal blicken lassen.»