«Frohlocket, jubelt» («Exsultate, jubilate»), das viersätzige Werk KV 165 des erst 17-jährigen Wolfgang Amadé Mozart (1756–91) bezaubert immer wieder. Die 2016 mit dem kantonalen Anerkennungspreis für Musik ausgezeichnete Stephanie Bühlmann gestaltete die anspruchsvoll mit reichen Auszierungen komponierten Arien dieses opernhaft aufgebauten Werks mit stimmlicher Leichtigkeit. Es handelt sich um eines der Paradestücke für Sopranistinnen. Bei der Erstaufführung 1773 in Mailand wurde es allerdings durch einen damals für Sopranparts üblichen Kastraten gesungen.

Anforderungen erfüllt

Bühlmanns Stimme blieb auch in den hohen Lagen rund und schimmernd. Die Singstimme umspielend, die lateinischen Aussagen interpretierend, vermittelte der lyrisch und dramatisch reiche Orchestersatz für Streicher und Bläser, hier insbesondere für die kecke Oboe, eine beglückende Gesamtwirkung. Das Solothurner Kammerorchester (SKO) und sein Dirigent Urs Joseph Flury erfüllten alle hohen technischen Anforderungen dieses Werks mit feinem Gespür.

Vorweihnachtliche Stimmung

Begonnen hatte der Konzertnachmittag mit der «Sinfonia pastorale per il Santissimo Natale» D-Dur op. 2 Nr. 12 von Francesco Manfredini ( 1684–1762), die als feierlich-zarte Hirtenmusik die Stimmung vor Jesu Geburt in beseligendem Fluidum schildert. Vielleicht lud die Musik auch ein zum Blick auf die historische Krippenlandschaft seitlich in der Jesuitenkirche.

In dieses Bild fügte sich die nachfolgend aufgeführte Sinfonia D-Dur von Giuseppe Tartini (1692–1770) ein, an der zu erkennen war, wie dieser Meister massgeblich zur Entwicklung des konzertanten Violinspiels beigetragen hatte. Kraftvoll erklang «Cantilena pro Adventu» für Sopran und Orchester, noch deutlich im italienischen Kompositionsstil geschrieben vom Wiener Franz Joseph Haydn (1732–1809) sowie das Mozartsche «Laudamus te» aus der Grossen Messe c-Moll KV 427 mit festlicher Bläser-Unterstützung.

«Ave Maria» uraufgeführt

Beschenkt wurde das Publikum danach mit einer für Orchester bearbeiteten Uraufführung eines 2017 für Vokalisten geschriebenen «Ave Maria». Dieses weihevolle, in gedeckten musikalischen Farben komponierte «Canto religioso» stammt aus der Hand von Urs Joseph Flury. Mit etwas Fantasie konnte man sich den Auftritt der Heiligen Drei Könige in der Szenerie in Bethlehem mit der Musik von Pablo Casals (1876– 1973) bei «Les rois mages» gut vorstellen.

Das für Streichorchester von Rudolf von Tobel arrangierte Stück aus dem in den letzten Kriegsjahren entstandenen Oratorium «El Pessebre» (Die Krippe) gewann grossen Reiz aus der Stimmführerschaft der SKO-Celli mit sattem, anschmiegsamem Ton. Aus diesem Werk spricht laut Flury das unermüdliche Bekenntnis von Casals «im Kreuzzug für den Weltfrieden».

«Exsultate, jubilate»

Mit dem herrlichen, als Zugabe wiederholten «Halleluja» aus dem erwähnten Werk KV 165 entliessen Instrumentalisten, Dirigent und Sängerin ihr Publikum in die Adventszeit. In den Beifall für die Aufführung mischte sich ebenso auch der Dank, dass das SKO alljährlich den stets reichlich gedeckten musikalischen Kulturtisch in Solothurn mit vier, variabel im Programm und unter Beteiligung von regionalen Solisten zusammengestellten Konzertanlässen bereichert. 2018 setzten der Violinist Matthias Steiner, die Pianistin Eveline Grandy, der Klarinettist Marc Bätscher und jetzt die Sopranistin Stephanie Bühlmann vielfarbige Akzente.