Solothurn

Ein geruhsames Mittagsschläfchen im fremden Bett

Petra Märchy bietet Gelegenheiten für ein Nickerchen an. Felix Gerber

Petra Märchy bietet Gelegenheiten für ein Nickerchen an. Felix Gerber

Im Wohnatelier von Petra Märchy im Solothurner Burrisgraben kann jeder, sei es nach dem Einkauf oder in der Mittagspause, für ein kurzes Schläfchen innehalten. Gratis und franko.

Kurz nach dem Mittag kämpfen die meisten Leute mit Müdigkeit und mangelnder Konzentration. Auch der doppelte Espresso nach dem Essen kann der schwindenden Aufmerksamkeit nicht gross entgegenwirken. Im Gegensatz zum kurzen Mittagsschläfchen oder unter dem neuzeitlichen Begriff als der Powernap bekannt. Power-Napping (vgl. Kasten) soll regelrechte Wunder bewirken. Was in amerikanischen Firmen Standard ist – ein Ruheraum für die Belegschaft, worin sie ihren Mittagsschlaf abhalten können –, ist bei uns noch nicht weit verbreitet.

Pilotprojekt im kleinen Rahmen

«Es gibt diese Momente, wenn die Energie verpufft und ich eine Ruhepause brauche», berichtet Petra Märchy, Inhaberin vom Wohnatelier im Burrisgraben. «Ich kann mich für einige Minuten hinlegen und mir eine Auszeit gönnen. Diese Möglichkeit möchte ich auch den Solothurnerinnen und Solothurnern bieten», erklärt sie den Ursprung ihrer Geschäftsidee. Seit einigen Wochen stellt Petra Märchy ihr Ausstellungsbett der Öffentlichkeit zur Verfügung. «Das Doppelbett steht so oder so im Wohnatelier herum, warum soll es nicht auch sinnvoll genutzt werden?» Im hinteren Teil ihres Ateliers, im Kellergewölbe, ist Märchy daran, eine Wohlfühloase einzurichten.

Kissenbezüge in warmen Farbtönen, indirektes Licht und Kerzenschein laden zum Mittagsschläfchen ein. Willkommen ist jeder, «ein kurzer Anruf, ob das Bett frei ist, reicht», sagt Märchy und ergänzt: «Ich erhoffe mir durch dieses kostenlose Angebot einen grösseren Austausch mit den Leuten und potenziellen Kunden. Gerade hier am Burrisgraben ist die Laufkundschaft sehr gering.» Ihr Kerngeschäft ist der Verkauf von handgefertigten Naturmatratzen.

Erste Testpersonen

Es hat auch schon erste Testpersonen gegeben, welche das Angebot von Petra Märchy in Anspruch genommen haben. Bisher kamen zwei junge Damen und ein Mann im mittleren Alter zum Probeliegen. «Die beiden weiblichen Probanden hatten noch gewisse Mühe, sich zu entspannen, dafür umso mehr einander zu erzählen und Grund zum Lachen», erinnert sich Märchy mit einem Schmunzeln und fügt hinzu: «Der männliche Kunde hat sich anfangs geniert und ich musste ihn zum Hinlegen überreden. Doch es dauerte schliesslich keine fünf Minuten und ich hörte aus dem Gewölbekeller, trotz verschlossener Tür, ein monotones Schnarchen!»

Neben den Matratzen mit Torfeinlagen, welche laut anthroposophischer Medizin eine beruhigende Wirkung auf Schlafende haben sollen, trägt eine weitere Gegebenheit zum optimalen Kraftnickerchen im Wohnatelier bei. Auch der noch so gestresste Geschäftsmann oder -frau kann im Gewölbekeller ungestört schlafen, da Mobiltelefone praktischerweise kein Netzempfang haben.

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