«Das Geld zieht sie her. Ich tu’ nichts, als dass ich sage, ich bin reich: schon krümmen sie den Buckel voll Ehrfurcht. Und dann lass’ ich sie wissen, ich hätte nicht Frau und nicht Kind: da kriechen ihnen schon die Hälse hoch und werden lang.» Mit diesen Sätzen führt der venezianische Geschäftsmann Volpone (Günter Baumann), der Fuchs, zu Beginn des Stückes in seine Weltsicht ein. Hier regieren die Gier und das Geld, und wer am meisten davon hat, der ist begehrt. Volpone ist der Begehrteste von allen. Doch er ist auch der Zynischste, und deshalb heckt er einen perfiden Plan aus, lediglich um sich zu belustigen und sein Vermögen noch grösser werden zu lassen.

Angezogen vom Geruch des Geldes

Er stellt sich krank und lässt durch seinen Diener Mosca (Tim Mackenbrock) die Schmeissfliege, die Nachricht verbreiten, er sei dem Tode nahe und unschlüssig, wessen Name er ins Testament schreiben soll. Und schon kommen sie angerauscht, angezogen vom Geruch des Geldes, sogenannte Freunde, nur Erbschleicher im Grunde. Voltore, der Geier (Lou Elias Bihler), der Notar, Corbacchio, die Krähe (Hannes Fischer), der Wucherer, Corvino (Jan-Philipp Walter Heinzel), der Kaufmann, und Canina (Fernanda Rüesch), die Kurtisane. Sie kreisen wie die Aasvögel um den vermeintlich Sterbenden, umgarnen und beschenken ihn, mit der Absicht, er möge doch gerade sie zu seinem Alleinerben machen. Volpone amüsiert sich heimlich köstlich. Mosca versteht es, die habgierige Gesellschaft gekonnt gegeneinander auszuspielen.

Berauscht von der Genialität seines Plans treibt Volpone den Spass noch auf die Spitze. Er inszeniert seinen eigenen Tod, um mitansehen zu können, wie sich die Erbschleicher gegenseitig zerstören. Doch einer ist noch schlauer als Volpone selbst, nämlich Mosca. Und so wendet sich Volpones Arglist gegen sich selbst.

«Volpone, or The Fox» nannte der Shakespeare-Zeitgenosse Ben Jonson (1572–1637) seine schwarzhumorige Komödie. Das um 1605 am Londoner Globe Theatre uraufgeführte Stück ist ein hochkomisches zeitloses Sittengemälde, ganz in der Tradition der Commedia dell’arte. Nach Jonsons Tod war es lange Jahre vergessen. Erst Stefan Zweig (1881–1942) hob das Stück aus der Klamottenkiste und schuf eine kongeniale Bearbeitung, die durch viel abgründigen Wortwitz und derbe Scharfzüngigkeit brilliert. So erhielt diese «lieblosen Komödie» 300 Jahre nach ihrer Entstehung nochmals grösste Popularität und steht immer wieder auf den Programmen der Theater.

Mut zur Hässlichkeit

Inszeniert hat das Stück am Tobs Daniel Pfluger, der bereits hier vergangene Spielzeit mit seiner Regie von «Der Menschenfeind» auf grosse Beachtung stiess. Er versetzt Volpone in eine surreale, überzeichnete Welt. Die Geldtruhe wird zum Ausblaskissen, die Erbschleicher und deren Charakterzüge und Handlungen sind überzeichnet und überdreht. Volpone selbst ist nur noch Fratze, Moscas Gedanken surren wie die Fliegen durch den Raum. Alle Gesichter sind blutleer wie Vampire; alle Emotionen sind pure Berechnung. Günter Baumann und Tim Mackenbrock in den beiden Hauptrollen agieren intensiv und körperbetont. Eine Lust ist es aber auch, dem weiteren Ensemble zuzusehen. Jan-Philipp Walter Heinzel hat noch nie so viel Mut zur Hässlichkeit bewiesen. Auch die beiden Studierenden der Hochschule der Künste Bern HKB, Lisanne Hirzel als Colomba und Stephan Eberhard als Leone, fügen sich geschmeidig ins Ensemble ein. Ihren Figuren werden als einzigen wahre Gefühle abverlangt. Bemerkenswert zeitlos ist die Sprache des Stückes, an der die Regie festhält.

Das düstere Bühnenbild von Flurin Borg Madsen und die comicartigen Kostüme von Janine Werthmann sowie die verzerrten Masken erzielen Bilder, die sich beim Zuschauer einprägen. Diese gut zweieinhalbstündige Aufführung, in der uns allen die Gier vorgeführt wird, vergeht wie im Flug.

Nächste Aufführungen Solothurn: 6. 9., 1. 10., 26. 10., 28. 10., 17. 11., 31. 12. Premiere Biel: 28. 9.