«Für uns ist es ein finanzieller Hosenlupf», gibt Joseph Aschwanden, Pressesprecher der Steiner Schule Solothurn, unumwunden zu. So nennt die Institution an der westlichen Stadtgrenze neu zusätzliche 12 500 Quadratmeter und vier landwirtschaftliche Gebäude ihr eigen. Sie übernimmt damit das Gut der Erbgemeinschaft des früheren Fritz Niklaus von Allmen, der den Hof bewirtschaftet hatte. Für diese Neuanschaffung nimmt man bei der Schule eine stärkere Verschuldung in Kauf: «Doch für dieses Wagnis kämpfen wir. Wir haben uns auch in den vergangenen 33 Jahren ökonomisch halten können.» Dennoch: Der Liegenschaftskauf ist nicht ohne Weiteres auf die sonstigen Betriebskosten abwälzbar. «Die Eltern unserer Schülerinnen und Schüler aber waren bereit, mehr zu bezahlen.» Es sind dies 25 Franken mehr Schulgeld pro Monat, um die anstehende Hypothekarlast der selbstverwalteten Schule zu verteilen. Entsprechend soll an der Generalversammlung am kommenden Dienstag der Schuldbrief gutgeheissen werden.

«Bodenhaftung» als Schlagwort

Weitere Kosten könnten in unbestimmter Zukunft folgen: Längerfristig schweben der Steiner Schule als Ideen ein Theatersaal oder Sportanlagen vor, die auf den 4500 Quadratmetern zwischen Steiner Schule und «von Allmenhof» realisiert werden würde. Gerade in Sachen Sportanlagen scheint eine Loslösung von der bislang gemieteten Turnhalle des Schulhauses Brühl wünschenswert.

Mittelfristig aber will die Steiner Schule bestehende Strukturen beleben, zunächst die Aussenräume: Das naturpädagogische Thema «Bodenhaftung» steht im Zentrum der ambitiösen Visionen, wie Aschwanden ausführt: «Es geht darum, in einer vermehrt virtuellen Welt die oft fehlenden basalen Sinne wieder zu stärken.» Konkret soll mitunter das im Lehrplan etablierte Projekt «Bauen und Bauern» der dritten Schulklasse am neuen Standort durchgeführt werden. Bislang besuchten die Schulklassen dazu einen Bauernhof in Nennigkofen. Dabei lernen die Kinder, einen Acker selbstständig zu pflügen, Korn zu säen, dann zu ernten und schliesslich zu dreschen, eine naturnahe Sinneserfahrung: «Wir finden es wichtig, dass Neunjährige diese Erfahrung noch machen können», so Aschwanden.

Belebte Zone für einen Lerneffekt

Weiterhin von einem Mieter bewohnt werden soll das Haupthaus des Gehöfts mit Anbau: «So wäre das Ziel, dass dort jemand lebt, der die Schülerinnen und Schüler pädagogisch abholen kann. Ausserdem hat es Tiere und Pflanzen, und diese belebte Zone möchten wir für einen Lerneffekt nutzen.» Zwei weitere Nebengebäude bieten entsprechend der Vorstellungen der Schule Raum für Handwerkliches: «Dabei schwebt uns ein Holzlager vor. Aber auch eine Steinhauerei möchten wir dort umsetzen.»

Vieles, was bislang erst visionär in Angriff genommen wurde, muss jetzt zu Ende gedacht werden. So wird sich eine Entwicklungsgruppe der Steiner Schule in den kommenden Monaten der näheren Planung für die 12 500 Quadratmeter widmen. Geht die Rechnung auf, so könnten mittel- und längerfristig fast 400 Kindergärtner und Schüler von der neu gewonnenen Nähe zur Natur und Landwirtschaft profitieren.