«Lippen zusammenpressen und fest blasen», sagt Ueli Steffen zu einem Knirps im Vorschulalter. Kaum gesagt, entlockt der frischgebackene Alphornbläser dem Instrument Töne, die man eher einem Erwachsenen zumutet. «Man merkt rasch, wer Talent besitzt», weiss der langjährige Musiklehrer von der städtischen Musikschule, die unter dem Namen «Klangwerkstatt» zum ersten Mal am Solothurner Familientag der Berner Kantonalbank (BEKB) dabei ist. Aus einer anderen Ecke des Zeltes auf dem Klosterplatz hört man die Geräusche eines Flaschenxylofons, begleitet von den für hiesige Ohren eher ungewöhnlichen Klängen eines Dudelsacks. Hinter dem Zelt spielen Kinder mit überdimensionierten Legosteinen und daneben wippt eine Hüpfburg hin und her, angetrieben von bewegungsfreudigen Kinderbeinen.

Weiter oben in der Gurzelngasse sitzen Väter und Mütter zusammen an Holztischen und sägen an einem Notenschlüssel, den sie auf einem Stück Balsaholz eingezeichnet haben, oder sie bearbeiten eine Kartonröhre, bis diese in Form einer kleinen Trommel ihre endgültige Bestimmung gefunden hat. «Ein sehr schönes Angebot», sagt ein deutscher Zuwanderer, während sein kleiner Sohn der Journalistin ein Löffelchen Moccaeis entgegenstreckt. «Das Ambiente von Solothurn macht alles noch einmaliger,» ergänzt sein Schweizer Kollege. Durchs Bieltor zwängt sich ein bunter HESO-Zügli-Ersatz. Mit an Bord auch ein paar chinesische Touristen mit gezückten Kameras.

Organisatoren rundum zufrieden

In der Friedhofgasse warten die Kinder in einer langen Schlange auf den Adrenalinschub, den ihnen die beliebte Rollerbahn zum x-ten Mal beschert, und auf dem Marktplatz bereiten sich zwei Musikclowns auf die nächste Vorstellung vor. Unter die vielen Familien und die in grosser Zahl mitgeführten Kinderwagen mischen sich Männer und Frauen in roten T-Shirts. Die giftig grünen Sonnenbrillen sind wohl ein Zeichen dafür, dass auch an der neunten Auflage des BEKB-Familientages nicht mit Regen zu rechnen ist. Irgendwie hat diese Bank mit Petrus eine Vereinbarung abgeschlossen, deren Inhalt nur Insider kennen. Ob Familienfeste, Wanderungen oder Velofahrten – wer möchte, dass der Anlass nicht ins Wasser fällt, der lasse sich von dieser Bank das Datum des nächsten Familientages verraten.

Kein Wunder, dass Geschäftsleitungsmitglied Stefan Gerber auch in diesem Jahr rundum zufrieden ist. Dies, obwohl die Besucherzahl unter dem bisherigen Durchschnitt von 4000 liegt. «Wir haben in diesem Jahr keine Einladungen an Berner Kunden verschickt», sucht er nach einem möglichen Grund. «Wir wollten damit die in den letzten Jahren immer länger werdenden Warteschlangen vermeiden.» Das Ziel sei nicht, möglichst viele Leute nach Solothurn zu locken, sondern den Familien Wohlbefinden und Spass zu vermitteln. Nach wie vor steht hinter dem Anlass auch kein Event-Management, sondern die Ideen werden im Team erarbeitet. «Das ist aufwändiger und mit Anstrengung verbunden, fördert jedoch den Zusammenhalt der Bankangestellten», so Gerber.

Inzwischen hat sich die Schar auf der St.-Ursen-Treppe niedergelassen, um den Berner Oberländer Liedermachern Ueli von Allmen und Roland Schwab mit ihrer «Leierchischte» zu lauschen. Ein Fest der Sinne, auch der 9. BEKB-Familienanlass.