Solothurn

Ein ehemaliges Pfarrhaus findet eine neue Rolle

Romano Erzer Gabriele Erzer Karl Heeb

Romano und Gabriele Erzer freuen sich mit Kirchgemeindepräsident Karl Heeb über die neue "Glauseria".

Romano Erzer Gabriele Erzer Karl Heeb

Das ehemalige Pfarrhaus St. Marien in der Solothurner Weststadt diente zuletzt als Asylunterkunft. Nun bietet es acht Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung ein Zuhause. Dafür sorgt in der völlig umgebauten «Glauseria» der Verein Intakt.

«Nach einem anstrengenden, arbeitsintensiven Monat sind wir happy, mit unseren Klienten in ein solch schönes Haus einziehen zu dürfen.» Bei Romano Erzer, Geschäftsführer des Vereins Intakt, und Bereichsleiterin Gabriele Erzer ist die Erleichterung über die gelungene Züglete förmlich zu spüren: Vom vorherigen Standort an der Benedikt-Hugi-Strasse konnte die «Glauseria» ins frisch renovierte, frühere Pfarrhaus St. Marien umziehen.

Dieses hatte zuletzt als Unterkunft für Asylsuchende gedient, und war nach der Kündigung des Mietvertrags durch die sozialen Dienste der Stadt wieder frei geworden für eine Neunutzung. «Wir haben das Haus für über 400'000 Franken total saniert und wieder instand  gestellt», erklärt Karl Heeb, Präsident der Römisch-Katholischen Kirchgemeinde Solothurn. Mit der Betreuungsstätte für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung habe man im Haus eine Nutzung geschaffen, «die mit unserem Diakonie-Auftrag gut verträglich ist.»

Moderne Infrastruktur 

Auf einem Rundgang durch das Haus wird ersichtlich, was die laut Heeb «äusserst konstruktive Zusammenarbeit» zwischen der Kirchgemeinde und dem Verein Intakt bewirkt hat: Im Erdgeschoss steht mit zwei Büros und einem Sitzungszimmer alles zur Verfügung, was die Administration des Hauses braucht; ein Aufenthaltsraum, das helle, grosse Esszimmer und die neu dazu geöffnete, modernst eingerichtete Küche komplettieren das Raumangebot. Die sanitären Einrichtungen mit Duschen, WCs und Badewanne sorgen für den notwendigen Komfort, während die acht Einzelzimmer im Obergeschoss allesamt über ein Lavabo verfügen. «Dazu haben wir hinter dem Haus einen sehr schönen Aussenbereich. Wir freuen uns schon, ihn benutzen zu dürfen», zeigt Gabriele Erzer auf das weitläufige satte Grün draussen, flankiert durch eine Pergola und im Westen begrenzt durch den rauschenden Wildbach.

Leben in einem familiären Rahmen

Die «Glauseria», benannt nach dem Schriftsteller Friedrich Glauser, dessen Leben durch psychiatrische Anstalten geprägt war, will ihren Bewohnerinnen und Bewohner ein möglichst selbstständiges Leben eröffnen. Priorität hat laut Romano und Gabriele Erzer «die Zufriedenheit, grösstmögliche Autonomie und psychische Stabilität unserer Klientel.» Wichtigster Bestandteil ihrer Begleitung sei die individuelle Unterstützung bei der Bewältigung des Lebensalltags. «Dabei ist für uns zentral, vorhandene Ressourcen zu erhalten, neue Lebensperspektiven zu fördern und die Bewohnenden auf ein möglichst selbstständiges Wohnen vorzubereiten.» Dazu verfüge das Betreuungspersonal über ein fundiertes Wissen in den Bereichen Pflege und Betreuung.

Diese ist im Haus rund um die Uhr sichergestellt durch eine Früh- und Spätschicht, die überlappend mehrere Stunden gemeinsam als Zweier-Belegung durch den Tag funktionieren. Und nachts durch eine Pikett-Person komplettiert werden. Auf Alltagskompetenz legt die Leitung der «Glauseria» grossen Wert. «So führen wir wöchentlich einen Putztag durch», erklärt Romano Erzer.

«Ein facettenreiches Wohntraining», bestehend aus Kochen, Reinigung, Waschen, Einkaufen, Gartenpflege aber auch administrativen Arbeiten, ist deshalb im ehemaligen Pfarrhaus Programm. Mit den Klienten verkehre man per Du – «wir führen ein offenes Haus. Hier können sogar Familienfeste mit Angehörigen zusammen gefeiert werden», betonen Romano und Gabriele Erzer. Und stets sei auch psychiatrisches wie ärztliches Fachpersonal zur Stelle, wenn es die Situation erfordere.

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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