Diese Woche musste Andreas Reize, musikalischer Leiter des ältesten Knabenchors der Schweiz, die Eltern der jungen Sänger darüber in Kenntnis setzen, dass die Singknaben künftig vor dem Chorraum im linken (nördlichen) Bereich des Querschiffs singen müssen. Bislang konnten sich die Singknaben an ihren musikalischen Einsätzen an Sonntagsgottesdiensten am zentralen Ort aufstellen. Rund 60 Kinder, Jugendliche und junge Männer umfasst die Formation.

Andreas Reize zeigt sich in seinem Schreiben betrübt über die Änderungen und hat seinen Unmut auch direkt beim bischöflichen Ordinariat geäussert. Unter anderem bemängelt er die akustisch ungünstigen Bedingungen, die im Querschiff herrschen. Einzig hinter dem Hochaltar bei den Chorstühlen sähe er annehmbare Bedingungen – mit der (wohl zweifelhaften) Einschränkung, dass die Singknaben dort überhaupt nicht mehr zu sehen wären.

Neue Zustände seit Umgestaltung

Doch weshalb die Änderung? Paul Rutz, der noch bis kommenden Sommer Stadtpfarrer ist, verweist auf die veränderte Situation seit der Chorraum-Umgestaltung. Während zuvor das sogenannte Allerheiligste – also die Hostien für die heilige Kommunion – dem Tabernakel des Seitenaltars entnommen wurde, wird jetzt ein früherer Zustand wiederhergestellt: «Jetzt sind Tabernakel und Hochaltar wieder am zentralen Ort», so Rutz. Und da man dem Allerheiligsten Respekt zu zollen habe und ihm deshalb der Rücken nicht zukehre, sei eine Verlagerung des Chors nötig.

«Ausserdem ist der Chorraum als Konzeption nicht für einen singenden Chor ausgelegt – seit der Umgestaltung weniger denn je», sagt Rutz. Zudem haben die Singknaben und auch andere Chöre wie der Domchor früher und an hohen Festtagen stets schon im Kirchenschiff gesungen. Die Sicht, so Rutz weiter, sei denn durch die neuen Umstände, auch nicht weiter ein Problem, da die Singknaben dort positioniert sind, wo jetzt die Opferkerzen stehen. Akustisch sei der neue Standort zwar nicht der optimale, da aber der Schall von den ersten beiden gegenüberliegenden Säulen zurückgeworfen werde, sei der Effekt vernachlässigbar.

Der Entscheid wurde von ihm in Rücksprache mit dem bischöflichen Ordinariat, sprich mit Generalvikar Markus Thürig und Bischof Felix Gmür, gefällt. Paul Rutz ist sich bewusst, mit dem Entscheid nicht auf Gegenliebe zu stossen: «Auch ich habe den Sachverhalt am Elternkomitee der Singknaben mündlich erläutert und begreife, dass man die Formation gerne im Zentrum sehen möchte.»

Verständnis beim Verein

Einiges mehr an Verständnis als vielleicht von den Eltern ist vom Verein der Singknaben selbst spürbar. Tobias Nussbaumer, Vize-Präsident der Singknaben, relativiert: «Wir sind dankbar, dass wir über 30 Jahre im Chorraum singen durften, was nicht selbstverständlich ist. So steht es uns sicher nicht zu, nun einen Wirbel um die Änderungen zu machen.» Die Diskussion über den Chor-Standort habe schon seit je immer wieder stattgefunden. Tobias Nussbaumer sieht auch ein, dass es für die aktuelle Entscheidung liturgische Gründe gibt, die aus Sicht des Laien nur schwer beurteilt werden können.